NIDWALDEN: Hier packt der Bauherr selber mit an

Die Land­wirtschaftliche Baugenossenschaft wird 50. Der Grundgedanke ist geblieben, aber gebaut werden längst nicht mehr nur Ställe.

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Geschäftsführer Roland Frei (links) und Präsident Peter Scheuber auf einer Buochser Baustelle. (Bild Corinne Glanzmann)

Geschäftsführer Roland Frei (links) und Präsident Peter Scheuber auf einer Buochser Baustelle. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

Eine Baustelle oberhalb von Buochs. Ein Zweifamilienhaus entsteht, ein Ersatzbau für das abgerissene Haus. Die Arbeiter sind mit dem ersten Stock beschäftigt. Lieferwagen bringen neues Material, das der Kran auf die Baustelle hievt. Nichts Besonderes, sollte man auf den ersten Blick meinen. Und doch unterscheidet sich diese Baustelle von anderen. Hier packt zum Beispiel der Bauherr selber mit an. Er ist Mitglied der Landwirtschaftlichen Baugenossenschaft Nidwalden (LBN), welche diesen Bau ausführt. Und nun ihren 50. Geburtstag feiert.

Im Gegensatz zu sogenannt kommerziellen Baufirmen ist die LBN nicht gewinnorientiert, gehört ihren rund 750 Genossenschaftern. Das 13-köpfige Team baut zwischen 70 und 90 Bauten im Jahr rund 70 Prozent der Aufträge kommen von Genossenschaftern. Dabei bleibt es längst nicht mehr bei Ställen. Auch Wohnhäuser, Restaurants, Wasserreservoirs und Betonstrassen gehören mittlerweile zum Repertoire. «Das Berghaus Jochpass oder das Restaurant Klewenstock gehören sicher zu den grössten Aufträgen der jüngeren Vergangenheit», erzählt LBN-Geschäftsführer Roland Frei stolz. Auch Natursteinmauern in Ennetbürgen und Oberdorf tragen die Handschrift der LBN, die vor allem in Nidwalden, aber auch in Engelberg und Seelisberg tätig ist.

Den Vergleich mit den grossen Baufirmen brauche man nicht zu scheuen. Einerseits profitierten Genossenschafter von günstigeren Materialkosten, da die Genossenschaft im Gegensatz zu Privatpersonen Rabatte beim Einkauf erhalte. Früher konnten Privatpersonen gar kein Baumaterial beim Hersteller direkt einkaufen.

Mitarbeiter aus der Region

Präsident Peter Scheuber zählt noch weitere Vorteile auf. «Unsere Mitarbeiter stammen aus der Region, das schafft Vertrauen. Und sie beherrschen den Umgang mit Bauern, der manchmal speziell ist.» Die grossen Baufirmen erachtet er nicht als Konkurrenz. «Wir sehen uns als Nischenplayer für kleinere Bauten und überlassen Grossaufträge gerne den anderen Firmen.»

Aus der Not heraus geboren

Entstanden war die Landwirtschaftliche Baugenossenschaft Nidwalden aus einem Missstand heraus. Zu Beginn der 1960er-Jahre fehlte es vielen Wohnhäusern in ländlichen Gebieten, insbesondere in der Berglandschaft, an jeglichem Wohnkomfort. Zahlreiche kleine Ställe liessen keine vernünftige Arbeitsweise und Mechanisierung zu. Es fehlte die Erschliessung durch Wege, Strassen und Strom, wie die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete schreibt, die Dachorganisation der LBN.

Grundgedanke blieb

Der ursprüngliche Grundgedanke, das Senken der Baukosten und das Fördern und Unterstützen bei der Erbringung von Eigenleistungen, sei geblieben, hält Peter Scheuber fest. Und doch: Die Zeiten hätten sich gewandelt. «Die Bauern können nicht mehr im selben Masse mithelfen wie früher, da heute auf einem Bauernhof weniger Personen arbeiten.» Und dank der Effizienzsteigerung würden Hofneubauten und -umbauten die LBN nicht mehr auslasten. «Wir mussten expandieren.» Nun gehören auch nichtlandwirtschaftliche Wohnbauten ins Portefeuille. Auch mit veränderten Rahmenbedingungen ist die LBN konfrontiert. So auch mit dem Trend zum verdichteten Bauen wegen des immer knapper werdenden Baulandes. Und auch Ställe werden heutzutage wegen der geänderten Gesetze im Tierschutz anders gebaut.

Nichts wurde hingegen aus der vor rund 10 Jahren angedachten Fusion mit der Nachbargenossenschaft Obwalden wegen finanzieller und struktureller Gründe, wie es in der Jubiläumsschrift heisst. Peter Scheuber erinnert sich, dass man sich unter anderem nicht auf einen gemeinsamen Magazinstandort habe einigen können. Mittlerweile hat sich die Obwaldner Genossenschaft aufgelöst wie auch viele andere. Von den anfänglich über 60 gegründeten landwirtschaftlichen Baugenossenschaften sind heute noch knapp die Hälfte aktiv, wie es in der Jubiläumsschrift heisst.

Die gute Vernetzung in der Region, die massgeblich zur 50-jährigen Erfolgsgeschichte der Genossenschaft beigetragen habe, lasse ihn für «seine» LBN aber zuversichtlich in die Zukunft blicken.