NIDWALDEN: Hier werden die Politiker eingepackt

Im «Weidli» in Stans gehören die Wahlen derzeit zum Alltag. Fast die Hälfte aller Mitarbeitenden verpackt die Wahlcouverts.

Rosemarie Bugmann
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Eine Mitarbeiterin im «Weidli» stellt ein Wahlcouvert zusammen. (Bild Corinne Glanzmann)

Eine Mitarbeiterin im «Weidli» stellt ein Wahlcouvert zusammen. (Bild Corinne Glanzmann)

Es riecht wie in einer Druckerei. Überall stehen Schachteln herum. An grossen Tischen arbeiten Menschen mit einer Behinderung still und konzentriert. Einziges Geräusch ist das Knistern von Papier – und auch das ist kaum wahrnehmbar. Meistens zwei Personen sitzen an einem Tisch, vor sich Stapel von Prospekten, Couverts, Wahlzetteln. «16 bis 18 Zettel kommen im Schnitt in ein Couvert», sagt Gaby Bohnenblust. Sie ist Gruppenleiterin Werkstätte im «Weidli» in Stans. Alles, was mit den Abstimmungen zu tun hat, läuft über sie. Das Verpacken von Wahlcouverts hat in den Räumen der Stiftung Weidli Tradition. Gaby Bohnenblust ist seit 26 Jahren dabei. Die Couverts seien aber schon vorher hier verpackt worden, sagt sie.

Ab auf die Waage

Zurzeit ist ihre Gruppe daran, die Zettel für die Gemeinde Oberdorf in die Umschläge zu stecken. Die Regierungsräte kommen in jedes Couvert, Landratslisten oder Prospekte sind von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Ein junger Mann stellt ein «Regierungsrats-Set» zusammen. «Kennst du einen von ihnen?» Er lacht. «Nein, nein», sagt er, damit wolle er nichts zu tun haben. «Doch, den da mag ich», fügt er wenig später bei und zeigt auf einen der Köpfe. Er kenne ihn persönlich, erwähnt er noch, und arbeitet weiter.

Nächste Station ist die Waage. 94 Gramm muss ein Oberdorfer Couvert wiegen. Meistens stimmt es aufs Gramm genau, doch jetzt zeigt die Waage 92 Gramm an. Gaby Bohnenblust findet schnell den fehlenden Wahlzettel und steckt ihn in den Umschlag. Auf dem Tisch neben der Waage warten die gewogenen Couverts darauf, verschlossen zu werden. Dafür ist eine Frau im Rollstuhl zuständig. Sie ruft die Gruppenleiterin, braucht Nachschub. Gaby Bohnenblust bringt ihr einen Stapel frisch gewogener Couverts, und die Frau beginnt wieder, diese zu verschliessen.

Die Regierungsräte bleiben liegen

In einem Raum weiter wird Beckenried verpackt. Auch hier herrscht Ruhe, alle sind konzentriert an der Arbeit. Wieder ein Raum weiter ist der Geräuschpegel ein wenig höher. Aus einem Radio rieselt Musik, es wird geredet und gelacht. Gerade eben ist Stans fertig verpackt worden. 100 Gramm stecken hier pro Couvert drin. Während die Regierungsräte auf den Tischen bleiben dürfen, wird alles andere abgeräumt und in eine Schachtel verpackt. «Das übrig gebliebene Material geht an die Gemeinden zurück», erklärt Gaby Bohnenblust. Auf Stans folgt Buochs. Erst wenn der Tisch leer ist, kommen die neuen Unterlagen darauf. Verwechslungen können so ausgeschlossen werden. Rund 3900 Couverts sind es für Buochs. Dreieinhalb Tage werden dafür eingerechnet.

Gewogen, geklebt, verschickt

Rund die Hälfte aller «Weidli»-Mitarbeiter sind am so genannten Mailing (Massen-Postsendung) beteiligt. Dies an durchschnittlich sieben Stunden pro Tag. Rund 30 000 Couverts müssen für die Wahlen vom 23. März gefüllt werden. Auch Mitarbeitende, die sonst in der Mechanik arbeiten, sind an diesem Projekt beteiligt. Eine Herausforderung ist die Logistik. Am 5. Februar um 12 Uhr musste das Material von Kanton, Gemeinden und Parteien im «Weidli» angeliefert sein. «Das klappt immer sehr gut», sagt Gaby Bohnenblust. Genau 14 Tage später muss das Mailing fertig sein, denn am 20. Februar geht alles auf die Post. Alle Nidwaldner Gemeinden und Engelberg werden hier verpackt. Im Keller warten bereits fertige Couverts in Kisten auf den Versand. Einige Gemeinden sind schon fertig, mit anderen wird erst angefangen. Die Zeit ist gut eingeteilt, sodass die Couverts pünktlich auf die Post gehen können.