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NIDWALDEN: Ihrem Geschichtslehrer verdankt sie heute einiges

Am 18. Oktober ist Wahltermin für die eidgenössischen Räte. In Nidwalden tritt Therese Rotzer (CVP) an, um die Nachfolge von Ständerat Paul Niederberger (CVP) zu übernehmen.
Marion Wannemacher
Therese Rotzer (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Therese Rotzer (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Marion Wannemacher

Wer Therese Rotzers Wohnhaus sucht, wird im Dorf bald fündig. Im Garten des Pfarrhauses steht ein dreieckiges Gestell mit einem Wahlplakat auf jeder Seite. «Wenn man als Ständerätin kandidiert, muss man auch dazu stehen», sagt sie selbstbewusst. Noch immer sprechen sie viele auf ihre Kandidatur an. «Es gibt viele ermunternde Worte und durchgehend positive Reaktionen», freut sich die bald 51-Jährige.

Gutes Zweierteam

In der Öffentlichkeit zu leben, ist sich Familie Rotzer bereits seit mehr als zwanzig Jahren gewohnt – «jetzt einfach in neuer Dimension», wie die kantonale CVP-Präsidentin sagt. Jede erfolgreiche Frau hat einen Mann in ihrem Rücken: Elmar Rotzer ist Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei St. Anton, «mein Fels in der Brandung», sagt sie. «Mein Mann und ich sind ein gutes Team: Ich habe ihn sehr unterstützt in der Pfarrei, jetzt unterstützt er mich hundertprozentig.» Den Kandidaturwunsch hat sie mit der Familie besprochen. «Solange wir keine Musterknaben werden müssen, ist das o. k.», lautete die Antwort von Niklaus (18 Jahre) und Melchior (14 Jahre).

Es ist eine intensive Zeit in der heissen Phase des Wahlkampfs. Zeit für Hobbys wie singen im Chorprojekt Ennetbürgen, reisen oder lesen ist da derzeit keine. «Der Schlaf kommt schon ein bisschen zu kurz», sagt Therese Rotzer. Sie beklagt sich nicht. Abends nach elf tausche sie sich mit ihrem Mann bei einer Tasse Tee oder Kaffee aus. «Aber der Wahlkampf ist ja eine begrenzte Zeit. Es geht darum, dass man alles gibt, da hat man die Energie eigentlich auch, man will es ja unbedingt.»

In ihrer Anwaltskanzlei geht offensichtlich alles aneinander vorbei. Ihre Kanzleipartnerin unterstütze sie sehr. Anwältin und Notarin möchte Therese Rotzer auch nach erfolgreicher Wahl bleiben. Auch den Chefsessel in der Partei möchte sie behalten: «Ich bin erst seit gut einem Jahr Parteipräsidentin und finde es wichtig für die Kontinuität der Partei. Auf der anderen Seite bleibe ich verwurzelt in Nidwalden. Es ist wichtig, einen guten Draht zu den Leuten hier zu haben», betont sie. «Was ich aber plane abzugeben, ist Landrätin, zu viele Ämter finde ich nicht gut.»

Von Jugend an faszinierte Politik sie. Manche Debatte führte sie am Küchentisch mit ihrem Vater. Schon früh musste sie als Älteste von drei Kindern Verantwortung übernehmen, als es der Mutter einige Jahre gesundheitlich nicht gut ging, nach dem zehn Jahre jüngeren Bruder schauen und im Schlossereibetrieb des Vaters in Brienz helfen. «Das hat mich sicher geprägt.» Ein wichtiger Mensch in ihrem Leben war der Geschichtslehrer in der Sekundarschule. «Er setzte sich dafür ein, dass mich meine Eltern aufs Gymi schickten – keine Selbstverständlichkeit in den Achtzigerjahren.» Nur ein Viertel dort waren Mädchen. An der Uni in Bern – Therese Rotzer studierte Jus (Recht) – gab es noch weniger Frauen. Sie wagte sich in eine Studentenverbindung und hatte Freude am Politisieren und Debattieren. Ab und zu zog es sie mit Kommilitonen ins Bundeshaus statt in den Hörsaal. Als «lösungsorientierter Mensch», wie Therese Rotzer über sich sagt, hat sie keine Mühe, mit Männern umzugehen – «und mich auch durchzusetzen». In Nidwalden war sie als Gerichtsschreiberin die erste weibliche Juristin, als kantonale Verwaltungsangestellte in Zug die erste weibliche Verhörrichterin.

Authentizität – auch im Wahlkampf

Als ihre beiden Söhne an Neurodermitis litten und der jüngere als Baby nicht mehr als drei Stunden am Stück schlief, beschloss sie, eine berufliche Auszeit zu nehmen und voll zu stillen. Je grösser die Kinder wurden, desto länger wurden die beruflichen Pensen. Ein Patentrezept für Frauen hat sie nicht, rät aber zu kleinen beruflichen Pensen oder Weiterbildungen. In die CVP trat Therese Rotzer ein, als Ruth Metzler zur Bundesrätin gewählt wurde. Klassische politische Vorbilder habe sie aber nicht, «ich gehe meinen eigenen Weg und kopiere niemanden», sagt die Kandidatin.

Authentizität gilt für sie auch im Wahlkampf. Jemand habe ihr mal vorgeschlagen, sich eine Stilberatung zu nehmen. Das kam für sie nicht in Frage. «Ich gehe immer noch zum Dorfcoiffeur», sagt sie schmunzelnd, «einfach ein bisschen häufiger.» Auf Bundesbern bereitet sie sich vor, indem sie sich intensiv mit den Themen befasst und eine Meinung bildet zu Rentenreform 2020, Energiepolitik oder Finanzausgleich.

«Erfolgreiche Quereinsteiger in Bern»

Eine ihrer Stärken liegt nach eigenen Angaben darin, zu analysieren und Strategien zu entwickeln. Angst vor Hans Wicki als Gegenkandidat hat sie nicht: «Mein Rucksack ist vor allem im beruflichen Bereich gefüllt, ich bringe fachliche und menschliche Qualitäten mit, ich bin eine unabhängige Politikerin. Ich gehe nicht nach Bern, um Verwaltungsratsmandate zu sammeln, sondern will mich voll und ganz für die Interessen der Nidwaldner einsetzen. In Bern erlebt man es immer wieder: Quereinsteiger mit einem guten Rucksack können sehr erfolgreich sein.»

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