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NIDWALDEN: Im Simulator Marke Eigenbau heulen selbst die Triebwerke

Es ist der Traum vieler, mal mit einem F/A-18 zu fliegen. Der Flugsimulator eines Ennetbürgers bietet davon eine perfekte Illusion.
Robert Hess
Hansjörg Schindler (im Cockpit seines Simulators) zusammen mit dem ehemaligen Schwinger Sepp Bissig als Helfer am Flugplatz-Jubiläum in Meiringen. (Bild: Robert Hess)

Hansjörg Schindler (im Cockpit seines Simulators) zusammen mit dem ehemaligen Schwinger Sepp Bissig als Helfer am Flugplatz-Jubiläum in Meiringen. (Bild: Robert Hess)

Der 67-jährige Hansjörg Schindler hat auf dem Rücksitz seines Doppelsitzer-Simulators in einem kleinen Raum im Erdgeschoss seines Wohnhauses in Ennetbürgen Platz genommen. Rund zehn Jahre baute, entwickelte und verbesserte der gelernte Elektroniker den Simulator – zusammen mit seinem Sohn Markus, einem promovierten Biologen. 2012 ist der Simulator umfassend aufgerüstet und dem Cockpit einem F/A-18 Hornet der Schweizer Luftwaffe nachgebildet worden. Schindler erzählt: «Beim Jubiläum 75 Jahre Militärflugplatz Meiringen vom 17./18. Juni waren wir mit unserm Doppelsitzer-Simulator in einer Halle präsent. Das Publikum konnte im Freien zwar ein ausgestellter F/A-18 aus der Nähe betrachten, der Blick ins Cockpit blieb den Besuchern aber verwehrt. Nur wer zu uns an den Stand kam, konnte erfahren, wie ein F/A-18-Cockpit ungefähr aussieht», sagt er schmunzelnd.

Auf Luftpolizei-Einsatz

Um zu zeigen, wie das Ganze funktioniert, demonstriert Hansjörg Schindler zu Hause in Ennetbürgen einen virtuellen Luftpolizei-Einsatz. Aufgabe von zwei F/A-18-Piloten ist es, ein unbekanntes Flugobjekt zu identifizieren, das die Schweiz überfliegt. Schindler schaltet auf dem Simulator ein virtueller F/A-18 der in Meiringen stationierten Fliegerstaffel 11 zu. Dann macht er seinen «eigenen» F/A-18 zum Start bereit.

Dabei zeigt sich der grosse Unterschied zwischen dem «Schindler-Simulator» und all den Flugzeugspielen, die jedermann auf den PC herunterladen kann. Denn Flight Instructor Schindler startet seinen Kampfjet echt, das heisst, er führt im Simulator gemäss Checkliste Schritt für Schritt alle Aktivitäten an Kippschaltern und Knöpfen durch, die auch ein echter F/A-18-Pilot vornehmen muss. Alle Instrumente wie Geschwindigkeits- und Höhenmesser, künstlicher Horizont, Treibstoffanzeigen, Radarsystem, Karten, Waffensystem usw. werden aktiviert, und die Daten sind auf dem Bildschirm – getreu den Instrumenten im echten Kampfjet – laufend ablesbar. Schliesslich kann Pilot Schindler die beiden Triebwerke starten, und sie heulen – selbstverständlich im Haus auf Zimmerlautstärke – im Simulator wie echt auf. Schindler rollt auf die Piste und startet zusammen mit dem zweiten F/A-18 der Fliegerstaffel 11 zum befohlenen Luftpolizei-Einsatz. Einige Minuten später wird das Ziel, das unbekannte Flugobjekt, auf den Instrumenten sichtbar. Es handelt sich um einen Airbus A-320 der Swiss. Identifikation gelungen: Schindler kann nach Meiringen «zurückfliegen».

Faszination Militärfliegerei

Was war die Motivation von Hansjörg und Markus Schindler, einen privaten Doppelsitzer-Simulator selber zu entwickeln und laufend zu verbessern? «Es war von Anfang an unser Ziel», antwortet Hansjörg Schindler, «einem interessierten Publikum die Faszination der Schweizer Militärfliegerei so authentisch wie möglich zu präsentieren.» Verwendet wurde dabei modernste Hard- und Software wie beispielsweise Flylogic’s preisgekrönte fotoreale Switzerland-Professional-Szenerie für das Landschaftsbild. Virtuell zugeschaltet werden können im Simulator auch andere Schweizer Militärjets wie Hunter, Mirage oder Tiger inklusive der Patrouille Suisse. Allerdings ist keiner dieser Jets so authentisch nachgebildet wie der F/A-18 Hornet.

Piloten hören auf Frauenstimmen

Nicht geeignet ist der Simulator für die eigentliche Pilotenausbildung. Der rund 160 kg schwere, zerlegbare Schindler-Simulator mit seinen rund 200 Schaltern und Knöpfen ist aber auch keine Spielkonsole und nicht geschaffen für Leute, die vor allem Spass haben, mit dem virtuellen Jet waghalsige Manöver durchzuführen oder abzustürzen.

Bevor es zu einer Katastrophe kommt, erscheinen im Simulator alle Warnsignale wie in einem richtigen F/A-18-Cockpit. So wird der Pilot wie im Kampfjet beispielsweise auf eine zu geringe Geschwindigkeit, einen falschen Anflugwinkel, eine Triebwerkstörung oder ein nicht ausgefahrenes Fahrwerk aufmerksam gemacht – durch die Instrumente sowie durch eine warnende Frauenstimme in englischer Sprache. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Piloten bei einem Fehler oder einer Störung im Flugzeug am besten auf eine Frauenstimme hören», weiss Hansjörg Schindler. Deshalb mahnen oder warnen auch in den richtigen F/A-18-Cockpits Frauenstimmen. Dies zeigt auch auf, wie authentisch der in der Schweiz einzigartige Schindler-­Simulator ist.

Eine Spielerei weist der Simulator dennoch auf: Ist der F/A-18 aus irgendeinem Grunde abgestürzt, kann der Pilot im Simulator auf Aussenaufnahme schalten und «seine» Absturzstelle in der Landschaft mit den Trümmerteilen betrachten und erleichtert sein, dass er nicht live im Jet gewesen ist!

Mitfliegen ist bei Schindler übrigens möglich. Auf der «Homebase» in Ennetbürgen, aber auch auf Ausstellungen und Flugmeetings. Die nächste Gelegenheit bietet sich an den Airdays vom 7. bis 9. Oktober im Verkehrshaus Luzern.

Robert Hess

Hinweis

Weitere Infos/Kontakt: www.vfit.ch

Lehre am Flugplatz

Der heute pensionierte Hansjörg Schindler ist mit dem Flugplatz Buochs eng verbunden und hatte dort 1970 die Lehre als Elektroniker abgeschlossen. Später war er begeisterter Segelflug- und Modellflug-Pilot. Inzwischen hat er eine Flugerfahrung auf dem Simulator mit diversen Schweizer Militärflugzeugen von über 9000 Stunden absolviert. Sohn Markus wohnt heute in Reinach BL und musste in Sachen Simulator in den vergangenen Jahren kürzer treten, hat aber immerhin bisher 2500 Flugstunden auf dem Simulator verbucht.

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