NIDWALDEN: In Laufschuhen durch Bhutan

Daniela Kaiser und Hermann Suppiger aus Oberdorf stellen sich einer besonderen Herausforderung. Sie rennen in sechs Etappen rund 200 Kilometer durch das Königreich am Himalaja.

Martin Uebelhart
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Daniela Kaiser und Hermann Suppiger (Bild: Martin Uebelhart, 22 Mai 2017)

Daniela Kaiser und Hermann Suppiger (Bild: Martin Uebelhart, 22 Mai 2017)

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

«Bhutan ist ein Land, in das man nicht einfach so reisen kann», sagt Daniela Kaiser im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei mit ein Grund gewesen, dass sie und ihr Partner Hermann Suppiger von morgen an während sechs Tagen in den Bergen und Tälern des südasiatischen Landes unterwegs sein werden – rennend. «Neben dem Sport geht es für uns schon auch darum, einen Eindruck vom Land zu gewinnen», hält sie fest. Die beiden nehmen an einem Lauf über sechs Etappen teil.

Die Teilstücke haben es durchaus in sich. Sie führen in Gebiete, die mit dem Auto teils nicht zu erreichen sind. Sie sind 15 bis 54 Kilometer lang und beinhalten happige Höhenunterschiede. So werden etwa drei Pässe von 3500 Metern überquert. Am letzten Tag führt ein Anstieg auf 3050 Meter hinauf zum berühm­ten Taktshang-Goemba-Kloster, auch bekannt als Tiger’s Nest. «Wenn man die zurückgelegten Höhenmeter hineinrechnet, laufen wir sechsmal fast einen Marathon», sagt Hermann Suppiger, von Beruf Architekt. «Ich habe einmal einen Artikel gelesen über diese Veranstaltung», sagt Daniela Kaiser. «Sie hat einen ganzen Ordner voll mit solchen Projekten», wirft er schmunzelnd ein. 50 Personen aus 22 Nationen nehmen an dem von der Organisation Global Limits organisierten Rennen teil.

Täglich fünf bis sechs Stunden unterwegs

«Ich renne schon seit Jahren», sagt Daniela Kaiser, die als Kinderärztin arbeitet, «und bin dann zum Marathon-Laufen gekommen.» Auch am New Yorker war sie schon mit dabei. Und den Wasa-Lauf in Schweden, eine der grössten Skilanglaufveranstaltungen der Welt, haben sie ebenfalls schon zusammen absolviert.

Ein spezielles Erlebnis hatte das Duo vor zwei Jahren. Sie absolvierten die Sbrinz-Route. Und das nicht mit Maultieren und Eseln, sondern mit Laufschuhen – jeweils gleich zwei Etappen auf einmal. «Es war eine Super-Erfahrung, in fünf Tagen zu Fuss von hier nach Domodossola zu laufen», so Kaiser. Zuerst habe der sportliche Gedanken im Zentrum gestanden, ergänzt ihr Partner. «Dann landet man während des Rennens auf den alten Säumerwegen in der Geschichte und kann begreifen, was zu Fuss alles möglich ist.» Fünf bis sechs Stunden werden sie in Bhutan jeden Tag unterwegs sein, schätzen sie. «Wir sind sehr einfach untergebracht», so Kaiser. «Mal in Zelten, mal in einem Bauernhaus oder Kloster.» Vom Rennen erwarten sie Glück. «Schliesslich ist Bhutan das Land des Glücks», meint Daniela Kaiser.

Vorbereitung brauchte ein halbes Jahr

Für die sechs Tage im Königreich Bhutan, das zwischen Indien und China liegt und rund 750000 Einwohner zählt, haben sich die beiden intensiv vorbereitet. Das fängt bei der Ausrüstung an, die genau vorgeschrieben ist – inklusive einer Lampe, einer Pfeife und einem Kompass. «Man kann nicht einfach den Rucksack packen und loslaufen», sagt Hermann Suppiger. Dabei habe sie Peter Achermann von Achermann Sport in Stans unterstützt. «Wir brauchen unter anderem jeder drei Paar Laufschuhe, von T-Shirts und Socken gar nicht zu sprechen.»

Ebenso wichtig war die sportliche Vorbereitung, mit der die beiden vor einem halben Jahr angefangen haben. «Wir haben versucht, jede Woche einen Lauf von drei, vier Stunden zu absolvieren», erzählt Daniela Kaiser. «Auch spezielle Sachen wie das Lorzentobel, von hier auf den Brünig oder auf dem Gotthard-Weg von Flüelen nach Göschenen waren dabei. Pro Woche haben wir jeweils etwa 70 Kilometer zurückgelegt.» Dabei hätten sie sich die Zeit ein wenig zusammenstehlen müssen, sagt Hermann Suppiger, ging es doch darum, das Ganze um die Familie herum zu planen.

Wegen der Familie lassen sie auch das touristische Anschlussprogramm in Bhutan sein und fliegen am Pfingstwochenende wieder nach Hause. «Beim Zwischenstopp in Indien haben wir Gelegenheit, noch einen Tag Delhi anzuschauen», sagt Daniela Kaiser. «Aber mit dem Taxi», fügt ihr Partner lachend bei.