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NIDWALDEN: Ist der Arzt schuld am Tod seiner Ehefrau?

Eine 55-jährige Frau ist 2010 verstorben. Ihr Mann – ein pensionierter Arzt – ist angeklagt wegen fahrlässiger Tötung.
Das Luzerner Kantonsspital braucht für seine Investitionen wohl bald eine Finanzspritze vom Kanton. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Das Luzerner Kantonsspital braucht für seine Investitionen wohl bald eine Finanzspritze vom Kanton. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

«Völlig unerwartet und für uns alle überraschend ist sie von uns gegangen», so der Originaltext in der Todesanzeige für eine 55-jährige Nidwaldnerin. Dahinter steht eine Geschichte, die sich in einer Nidwaldner Gemeinde zugetragen hat und nicht alltäglich ist. Am Freitag musste sich ihr heute 84-jähriger Ehemann und ehemaliger Arzt vor dem Kantonsgericht verantworten. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf fahrlässige Tötung. Es geht dabei nicht um einen Unfall – wie meist bei diesem Strafbestand –, sondern darum, wie er seine eigene Frau medizinisch behandelte und pflegte.

Die Frau, die 23 Jahre jünger war, erhielt im Jahre 1999 die Diagnose Femurkopfnekrose (Absterben des Hüftgelenkkopfes), worauf ihr eine Totalprothese der Hüfte eingesetzt wurde. Ein Jahr später wurde ihr die Diagnose Fibromyalgie (eine Art Weichteilrheuma) gestellt. Ihr Ehemann, Allgemeinarzt und Radiologe, pflegte und behandelte seine Frau medizinisch zu Hause, auch nach Aufgabe seiner Arztpraxis im Jahre 2003.

Verbotene Medikamente abgegeben

Wie spätere Untersuchungen ergaben, hat er sie mit rund zwei Dutzend verschiedenen Medikamenten behandelt, die er teilweise kombinierte und auch in Spritzenform verabreichte. Einige dieser Medikamente waren bereits damals nicht mehr auf dem Markt zugelassen wegen Gefährlichkeit im Fall einer Überdosierung. Ende 2010 verstarb die Frau überraschend. Den Totenschein stellt der Ehemann gleich selbst aus – obwohl dies rechtlich gegen die Zivilstandsverordnung verstösst. Bei einer Leichenschau in Luzern wurden die Spezialisten hellhörig und kamen zum Schluss, dass die Frau nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst behandelt worden sei.

Umgehend landete der Fall bei der Staatsanwaltschaft Nidwalden, welche – gestützt auf das Obduktionsgutachten, einen chemisch-toxikologischen Untersuchungsbericht und ein forensisch-psychiatrisches Gutachten – Anklage erhob.

Als Arzt und Pfleger heillos überfordert

Die Anklageschrift des zuständigen Staatsanwalts liest sich fast wie ein medizinisches Fachjournal und beinhaltet schwere Vorwürfe an den Arzt. So schreibt er – und dies sagte er auch in seinem Plädoyer an der Gerichtsverhandlung: «Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre der Tod der Frau vermeidbar gewesen, wenn er sich an die aktuellen Leitlinien zur Behandlung der vorliegenden Erkrankungen gehalten und er die Kombination der Medikamente auf Interaktion sorgfältig geprüft hätte.»

Der Staatsanwalt sprach von einer «sinnlosen und gefährlichen Kombination von Medikamenten» und dass davon viel zu viele gewesen seien. «Der Tod der Frau ist für ihn voraussehbar gewesen. Und auch vermeidbar, wenn er die Pflege und medizinische Betreuung spezialisierten Fachärzten überlassen hätte», so der zuständige Nidwaldner Staatsanwalt. Dazu komme, dass er die Behandlung in keiner Weise dokumentiert habe und auf dem Todesschein fälschlicherweise «natürlicher Tod» statt «unbekannte Todesursache» angekreuzt habe. Das Fazit des Staatsanwalts: «Er war als Arzt und Pflegender seiner Frau heillos überfordert.»

Verteidigung plädiert auf Freispruch

Der Verteidiger des pensionierten Arztes verlangte einen Freispruch und legte vor Gericht dar, dass sein Klient seine Frau «ganzheitlich und kompetent behandelt und betreut habe». Der Arzt selber wurde in der sieben Stunden dauernden Verhandlung von der Gerichtspräsidentin ausführlich befragt. Auf die Frage, weshalb er keine Dokumentation über die Behandlung geführt habe, sagte dieser: «Ich habe alles im Kopf.» Zudem erklärte er, seine Frau habe heimlich zusätzliche Medikamente genommen. In seinem Schlusswort meinte der ehemalige Arzt: «Ich sage es klipp und klar: Ich bin unschuldig am Tode meiner Frau.»

Ein Urteil konnte das Gericht wegen der Komplexität des Falles noch nicht fällen. Es soll in den nächsten Tagen folgen.

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

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