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NIDWALDEN: Ist der Marihuana-Dealer ein zu kleiner Fisch?

Ein 19-jähriger Dealer hat über die Dauer von zwei Jahren mit 2,5 Kilogramm Marihuana gehandelt. Dennoch dürfte es kaum zu einer Anklage kommen. Da es sich um eine leichte Droge handelt, hätte eine deutlich höhere Menge im Spiel sein müssen.
Oliver Mattmann
Cannabis ist Droge und Medizin zugleich. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Cannabis ist Droge und Medizin zugleich. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

2,5 Kilogramm Marihuana. Mit dieser Menge dealte ein heute 19-jähriger Schweizer, wohnhaft in Hergiswil. Mit dem Handel des Cannabisprodukts setzte er rund 30'000 Franken um. Die Polizei hat ihn in der Vorwoche vorläufig festgenommen und nach der Einvernahme wieder auf freien Fuss gesetzt.

Ein Drogendealer im beschaulichen Nidwalden – da werden die Leute schnell hellhörig. Doch wie aussergewöhnlich ist dieser Fall tatsächlich? «Erstens ist festzuhalten, dass es sich bei den 2,5 Kilo nicht um ein einzelnes Delikt handelt, sondern die Menge sich über einen Zeitraum von zwei Jahren verteilt», sagt Staatsanwältin Carmen Lingg, die mit dem Fall betraut ist. Auf der anderen Seite gehört Marihuana zur Kategorie der leichten Drogen. «Um von einem schwerwiegenden Vergehen zu sprechen, müsste es um eine erheblich grössere Menge gehen», so Carmen Lingg weiter.

Sie verweist dabei auf Strafmassempfehlungen anderer Kanton. Wenn bei Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz Marihuana oder Haschisch im Spiel ist, werden Fälle meist erst ab fünf Kilogramm zur Anklage gebracht. Bei geringeren Mengen wird in der Regel ein Strafbefehl erlassen. Ganz anders etwa bei härteren Drogen wie Heroin- oder Kokaingemischen. Hier müssen Dealer bereits ab einer Menge von 40 respektive 30 Gramm mit dem Gang vors Gericht rechnen.

Die Drogen beschaffte er sich im Raum Luzern

Ob der 19-jährige Dealer der Polizei wegen früherer Verstösse bereits bekannt war, dazu will Carmen Lingg mit Verweis aufs laufende Verfahren keine Aussage machen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien ausser 100 Gramm Marihuana keine anderen Sorten von Drogen gefunden worden. So viel steht fest: Das «Gras» hat er nicht etwa selber gepflanzt, sondern sich regelmässig im Raum Luzern beschafft, wie die Staatsanwältin auf Anfrage sagt. Auch für den Eigengebrauch. Seine Abnehmer indes stammen vorwiegend aus Nidwalden. Wie viele es gewesen sind, kann Carmen Lingg nicht sagen. Es gebe aber vereinzelte Verbindungen zu anderen Personen, die wegen illegalem Drogenbesitz auch schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Reicht das, um – wenn auch vorsichtig – von einer Drogenszene zu sprechen? «Es landen in unregelmässigen Abständen immer wieder ähnlich gelagerte Fälle bei uns», so Carmen Lingg. Ob deswegen von einer Szene im eigentlichen Sinn gesprochen werden kann, bezweifelt die Staatsanwältin indes, zumal Drogen vorwiegend in Städten beschafft werden.

Im Alter von 17 Jahren mit Dealen begonnen

Zum Strafmass kann sich die Staatsanwaltschaft noch nicht äussern. Das Verfahren steht erst am Anfang der Untersuchungen. Der allgemeine Rahmen bei Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz lautet Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Da es sich bei Marihuana um leichte Drogen handelt, dürfte sich das Strafmass im unteren Bereich bewegen.

Welche Strafe der Hergiswiler auch kriegen wird, besorgnis- erregend ist auf den ersten Blick das junge Alter von 17 Jahren, in dem er begann, mit Drogen zu handeln. Wäre er damals aufgeflogen, wäre er bei der Jugend­anwaltschaft gelandet. Für diese Abteilung ist im Kanton Nidwalden Staatsanwältin Rita Mathis zuständig. Sie sagt gegenüber unserer Zeitung, dass es hin und wieder vorkommt, dass Minderjährige bei Kontrollen mit mehr als 10 Gramm Cannabis erwischt werden und damit die gesetzlich straffreie Grenze überschreiten. «Bei den weiteren Ermittlungen finden wir in einigen Fällen dann heraus, dass auch mit Cannabis gehandelt wurde», so Rita Mathis. Dass aber je ein Jugendlicher in ähnlichem Ausmass wie nun der 19-jährige Hergiswiler gedealt hätte, ist ihr nicht bekannt.

Laut Bundesamt für Gesundheit ist Cannabis die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz in der Schweiz. Bevölkerungsbefragungen zufolge hat fast ein Drittel der Personen ab 15 Jahren schon Erfahrung mit Cannabis gehabt.

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