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NIDWALDEN: Ist langes Sitzen schädlich?

Nathalie Kaufmann hat in ihrer Maturaarbeit die Auswirkungen des langen Sitzens auf die Rücken der Schüler untersucht. Im jungen Alter halten sie sich noch gering.
Carina Odermatt
Nathalie Kaufmann will Physiotherapie studieren. (Bild: Corinne Glanzmann / Nidwaldner Zeitung (Stans, 3. Januar 2018))

Nathalie Kaufmann will Physiotherapie studieren. (Bild: Corinne Glanzmann / Nidwaldner Zeitung (Stans, 3. Januar 2018))

Carina Odermatt

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Im Winter vor einem Jahr habe ich beim Besuch der Fachhochschule Bern das Physiotherapiestudium kennen gelernt. Seither bin ich überzeugt, dass ich das studieren will», erzählt Nathalie Kaufmann (17) begeistert. Die Maturandin hat sich bald darauf entschieden, für ihre Maturaarbeit ein Thema zu wählen, das sie für das Studium vorbereiten würde. Da Rückenschmerzen ein grosses Thema in der Gesellschaft seien und sie manchmal selber daran leide, wollte sie mehr darüber erfahren. «Im Kollegium verbringen wir sehr viel Zeit sitzend, und ich denke, die Schmerzen könnten von daher kommen», meint Nathalie Kaufmann. Ob dem auch tatsächlich so ist, wollte die Maturandin aus Oberdorf mit ihrer Maturaarbeit herausfinden.

Langes Sitzen kann zu ­verkürzten Muskeln führen

Bevor Nathalie Kaufmann mit der Untersuchung beginnen konnte, hat sie sich grundlegende theo­retische Kenntnisse über den ­Rücken erarbeitet. Ursachen von Rückenschmerzen, welche nicht von einem Unfall herrühren, können vielschichtig sein. Als Beispiel nennt Nathalie Kaufmann überdehnte oder überanstrengte Muskulatur als Folge von Stress, Übergewicht, Schwangerschaft oder Fehlbelastung. Sie erklärt: «Sechs der grössten Muskeln haben ihren Ursprung an der Wirbelsäule. Durch langes Sitzen verändern sie sich und somit auch unsere Haltung.» So kann es beispielsweise zu einer Verkürzung des Hüftbeugers kommen. Dadurch werden die unteren Wirbel komprimiert, und weitere Muskeln können verspannen, weil sie ausgleichend wirken müssen.

In ihrer Feldarbeit wollte ­Nathalie Kaufmann herausfinden, ob der Hüftbeuger bei den Schülerinnen und Schülern des Kollegiums verkürzt ist. «Das bedeutet nicht automatisch, dass jemand tatsächlich Rückenschmerzen hat. Es kann aber ein Hinweis sein, dass die Person zu viel sitzt», erklärt die Maturandin. Sie untersuchte 174 Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse mit Hilfe eines einfachen Muskeltests, der in der Physiotherapie angewendet wird. Bei rund 15 Prozent der Schüler war der Test positiv, wobei der Hüftbeuger meistens beid­seitig verkürzt war. «Da keiner der Probanden älter als 20 Jahre ist, hat es mich nicht überrascht, dass nur wenige von ihnen verkürzte Muskeln haben. Interessant war jedoch, dass gegen meine Erwartungen die Schüler der unteren Stufe öfters davon betroffen waren», erzählt die Maturandin. Das könne daran liegen, dass sie den Test zufälligerweise bei sehr sportlichen fünften und sechsten Klassen durchgeführt hatte.

Schüler können zu ­gesundem Rücken beitragen

Durch Analysieren der Stundenpläne hat Kaufmann heraus­gefunden, dass die Schüler im Durchschnitt 5,4 Stunden pro Tag im Unterricht sitzend verbringen. Noch nicht eingerechnet ist dabei die sitzende Aktivität in der Freizeit. Durch die Wahl eines Rucksacks anstelle einer einseitig ge­tragenen Tasche, regelmässiges Entspannen und verstellbare ­Tische und Stühle könnte die Belastung durch das Sitzen im Alltag der Schüler minimiert werden. «Seit diesem Sommer haben wir im Kollegium Fachzimmer. Somit müssen wir in jeder Pause aufstehen und zum nächsten Zimmer gehen. Ich denke, das ist förderlich für den Rücken», meint die Maturandin. Auch die Schule selber könne etwas dazu beitragen: «Es wäre sicher sinnvoll, wenn man in den Fächern Sport oder Biologie etwas über den Rücken und dessen Gesunderhaltung ­lernen würde. Leider habe ich am Schluss meiner Arbeit keine Zeit mehr gehabt, mich mit meinen Erkenntnissen an die Schulleitung des Kollegiums zu wenden», bedauert Nathalie Kaufmann.

Sie selber hat für ihren Alltag aber auf jeden Fall etwas gelernt: «Ich gehe nun am Mittag öfters nach Hause, um mich kurz hin­zulegen und zu entspannen. Auch wenn ich Bücher lese, will ich das nicht mehr sitzend, sondern liegend tun.» Zudem habe die Maturaarbeit ihre Studiumswahl weiter bestärkt: «Ich habe mich sehr gerne mit diesem Thema befasst, und die Feldarbeit hat mir Spass gemacht.»

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