Nidwalden ist steuerlich auf dem Weg zur Weltspitze

Wird die Steuerreform im September angenommen, zahlt man nirgends auf der Welt so wenig Steuern wie in Nidwalden.

Matthias Piazza
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Nidwalden stösst den bisherigen Leader Hongkong vom Siegespodest. Dies prognostiziert zumindest das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics in einer Studie, die gestern veröffentlicht wurde. Das Institut untersuchte die Auswirkungen der neuen AHV- und Steuervorlage (Staf), welche auf eidgenössischer Ebene seit diesem Jahr in Kraft ist. Weil die Steuerprivilegien für Unternehmen abgeschafft werden, senken die Kantone die Unternehmenssteuern.

Die Kantone setzen die Reform nun Schritt für Schritt um– allerdings unterschiedlich schnell. Am schnellsten waren Basel-Stadt und Waadt. Die Mehrheit der Kantone setzt die Staf dieses Jahr um. Zu den Kantonen, die sich mehr Zeit lassen, gehört auch Nidwalden. Denn gegen die Revision haben die Grünen das Referendum ergriffen. Darum stimmen die Nidwaldner am 27. September über die Vorlage ab. Wird sie angenommen, tritt die Steuerreform am 1. Januar 2021 in Kraft und Nidwalden wird gemäss BAK bis spätestens im Jahr 2025 der weltweit steuergünstigste Flecken auf der Welt sein. Sollte die Vorlage abgelehnt werden, würde Nidwalden weltweit auf dem zweiten Platz bleiben.

Punkten mit tiefen Steuern

«Wir wollten in puncto Steuerattraktivität weltweit immer unter den besten Fünf sein», sagt Finanzdirektor Alfred Bossard, «das haben wir geschafft. Wenn wir nun sogar auf dem Spitzenplatz landen, ist dies umso besser», zeigt er sich stolz. Mit attraktiven Steuern könne Nidwalden punkten und sich von anderen Kantonen und Ländern abheben. «Wir haben keinen Flughafen, sind keine Grossstadt und auch die Landressourcen sind begrenzt. Und nur mit der schönen Landschaft lockt man keine Leute und Unternehmen nach Nidwalden, sondern mit tiefen Steuern», so Alfred Bossards Überzeugung.

Die Steuern sind für den Finanzdirektor einer der wichtigsten Standortvorteile für den Kanton. «Nidwalden hat seit Jahrzehnten den Ruf eines steuergünstigen Kantons. Wir müssen alles daransetzen, in diesem nationalen und internationalen Steuerwettbewerb, der an sich nichts Schlechtes ist, an der Spitze zu bleiben.» Sonst laufe man Gefahr, dass Firmen und auch private gute Steuerzahler den Kanton verliessen.

Mehr Einnahmen trotz Steuersenkungen

Auch wenn man die Steuern senke, gehe die Rechnung unter dem Strich für den Kanton auf. «Denn dank zusätzlicher Steuerzahler steigen im End­effekt die Steuereinnahmen», ist Regierungsrat Alfred Bossard überzeugt.

Mit der Schaffung eines neuen Industriegebietes Fadenbrücke auf dem Flugplatzareal in Buochs beispielsweise versuche man, weitere Firmen nach Nidwalden zu locken, trotz knapper Baulandreserven.

Nur geringfügig verändert sich die Steuerlandschaft in der Schweiz. Die Zentralschweizer Kantone besteuern eher tief, die Ostschweiz eher mittel, die Kantone der anderen Grossregionen eher hoch.

Nidwalden bleibt der steuergünstigste Kanton. Bis 2025 wird gemäss BAK die ordentliche Steuerbelastung von 16,8 auf 13,5 Prozent sinken. Am stärksten betroffen ist der Rückgang mit 8,7 Punkten im Kanton Basel-Stadt. Bei sechs weiteren Kantonen ist das Minus höher als 5 Prozentpunkte. Nur die Kantone Luzern, Aargau und Bern sehen nach jetzigem Stand keine Reduktion vor.

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