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NIDWALDEN: IV-Gesuchsteller geht vor Bundesgericht

Ein Mann sah sich vor allem wegen Ermüdungsbeschwerden als arbeitsunfähig an. Die IV-Stelle und nun auch die Gerichte kamen zu einem anderen Schluss.
Das Bundesgericht in Lausanne. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

Das Bundesgericht in Lausanne. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

Ein heute 25-jähriger Mann hatte sich vor nunmehr fast drei Jahren zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle Nidwalden angemeldet. Laut seinem behandelnden Arzt litt er unter einem diagnostisch bisher ungeklärten Zustand mit einer extremen Müdigkeit, einer massiv reduzierten Belastungsfähigkeit und einer weit überdurchschnittlichen Erholungszeit nach geringen Anstrengungen. Auch hatte er eine psychosoziale Belastung über Jahre festgestellt, die von der schwierigen familiären Situation herrühre. Einige Zeit vorher war der Mann wegen einer depressiven Episode in einer psychiatrischen Klinik gewesen.

Indes: Der regionale ärztliche Dienst, der zur Prüfung des IV-Gesuchs beigezogen wurde, kam nach Konsultation der bisherigen Berichte über das Krankheitsbild zum Schluss, dass kein Gesundheitsschaden im Sinne der Invalidensicherung vorliegt. Und die Müdigkeit habe sich im Rahmen von stationären Behandlungen kurzfristig gebessert. Dieses Verdikt wollte der Mann nicht akzeptieren, worauf die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gab. Auch dieses änderte nichts daran, dass die Invalidenversicherung auf ihrer Leistungsablehnung beharrte, da keine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen sei. Er sei in seinem angestammten Beruf als Sanitärinstallateur wie auch in jeder anderen Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig.

Expertise zu wenig umfangreich?

Der Mann zog den Fall ans Verwaltungsgericht Nidwalden weiter und pochte auf eine psychiatrische Gerichtsexpertise. Das Gericht wies seine Beschwerde im Februar dieses Jahres ab, worauf der Mann ans Bundesgericht gelangte. Er verlangte, die Vorinstanz zu verpflichten, besagtes Gerichtsgutachten anzuordnen. Wie aus dem kürzlich veröffentlichen Urteil nun hervorgeht, unterlag er mit seiner Forderung aber auch vor den höchsten Richtern.

Vorgängig hatte der Mann laut Urteil bemängelt, das eingeholte psychiatrische Gutachten sei lückenhaft gewesen. Zudem sei dieses vor dem Hintergrund, dass andere Ärzte eine Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit angenommen hätten, nicht schlüssig. Den gutachtlichen Schlussfolgerungen sei der Beweiswert abzusprechen. Anders die Haltung des Verwaltungsgerichts: Die Expertise erfülle sehr wohl die Anforderungen an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage. Nebst eigenen Untersuchungen berücksichtige sie die geklagten Beschwerden, frühere medizinische Beurteilungen und setze sich auch mit abweichenden Einschätzungen und der familiären Situation auseinander. «Von einer Unvollständigkeit der Expertise kann deshalb nicht ausgegangen werden», heisst es im Urteil. Und weiter: «Das Ergebnis der Abklärungen, wonach eine eindeutige Erkrankung habe ausgeschlossen werden können, steht keineswegs in einem klaren Widerspruch zu den restlichen ärztlichen Beurteilungen.» Und gerade die fehlende eindeutige Diagnose sei ebenfalls Grund dafür, dass kein Anspruch auf IV-Leistungen besteht, heisst es.

Gericht macht Widersprüche aus

Weiter machte das Bundesgericht geltend, dass behandelnde Ärzte bei ihrer Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch «invaliditätsfremde Gründe», die im vorliegenden Fall ausgeprägt vorhanden sind, mitberücksichtigten. Dabei würden psychosoziale und soziokulturelle Faktoren eigentlich ausser Betracht fallen. «Gerade bei Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Leistungsminderung, unter denen der Versicherte leidet, spielen derartige Belastungsfaktoren aber erfahrungsgemäss eine beträchtliche Rolle.» Der Gutachter hatte darüber hinaus behandelnde Ärzte kritisiert, dass sie sich zu stark auf die subjektiven Zustandsangaben des Mannes abgestützt hatten.

Den Gerichten missfiel weiter ein Sprachaufenthalt des Mannes in Kanada, wenngleich er diesen als therapeutische Massnahme bezeichnete. Für die Richter zeigte sich darin ein Widerspruch zum geltend gemachten massiven sozialen Rückzug.

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Urteil 9C_648/2017

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