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NIDWALDEN: «Jederzeit bereit, Recht mit Füssen zu treten»

Den beiden Hauptangeklagten im grossen Wirtschaftsprozess drohen langjährige Freiheitsstrafen. Die Fülle der Straftaten ist gross, die Deliktsumme erreicht Millionenhöhe.
Robert Hess
Das Gericht tagt, wo sonst der Landrat debattiert. (Bild Corinne Glanzmann)

Das Gericht tagt, wo sonst der Landrat debattiert. (Bild Corinne Glanzmann)

Fünf Angeklagte, die heute in den Kantonen Schwyz, Luzern (2), Freiburg und Aargau wohnen, haben sich derzeit vor dem Nidwaldner Kantonsgericht vor allem wegen Wirtschaftsdelikten zu verantworten. Vor einer Woche war der Auftakt (wir berichteten), die gesamte Prozessdauer beträgt rund drei Wochen. Das Urteil dürfte in den ersten Tagen im Juli bekannt gegeben werden, schätzt Gerichtspräsident Marcus Schenker.

Unbedingte Freiheitsstrafen

Am Montag und Dienstag hielt der ausserordentliche Staatsanwalt Thomas Hildbrand sein Plädoyer, das er gestern mit den begründeten Strafanträgen abschloss. Besonders hart angefasst werden sollen laut seinen Anträgen die zwei Hauptangeklagten. Eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 1 Monat beantragte Hildbrand für den Hauptangeklagten P. (59), einen gebürtigen Luzerner, der heute im Kanton Schwyz wohnt. Sein Vorgehen bei einigen vorgeworfenen Straftaten «ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten», sagte Hildbrand. P. sei «jederzeit bereit gewesen, das Gesetz mit Füssen zu treten». Seine kriminelle Energie sei gross, das Verschulden wiege schwer, und er zeige weder Reue noch Einsicht.

Auch eine unbedingte Strafe beantragte die Staatsanwaltschaft für den zweiten Hauptangeklagten S., einen Juristen und Unternehmer (62) aus dem Kanton Luzern. Hildbrand hielt eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten für angemessen, denn «sein Verschulden wiegt ausserordentlich schwer, und er hat sich über Jahre für den Weg des Unrechts entschieden». Auch S. zeige weder Reue noch Einsicht.

Die Liste der strafbaren Handlungen, die ihnen für die Zeit von Ende der 90er-Jahre bis etwa 2005 – gemeinsam oder einzeln – vorgeworfen werden, ist sehr gross. Alles ist dabei: Veruntreu­-ung, Betrug, unwahre Angaben über kaufmännisches Gewerbe, ungetreue Geschäftsbesorgung, Erpressung, betrügerischer Konkurs, Misswirtschaft, unterlassene Buchführung, Urkundenfälschung, Erschleichen einer falschen Beurkundung bis zur Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung oder falsche Anschuldigung. Die zwei Hauptangeklagten waren in den involvierten Firmen oft beide im Verwaltungsrat als Präsident oder Geschäftsführer tätig.

Die weiteren Angeklagten

Neben den Hauptangeklagten stehen drei weitere vor dem Kantonsgericht. Für den 70-jährigen Angeklagten H., der als Bankkaufmann bei der Täuschung zur Aktienkapitalerhöhung mitgeholfen hatte, beantragte der Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von 9 Monaten (Probezeit zwei Jahre) sowie eine Busse von 1000 Franken. Für einen weiteren an diesem «Geschäft» beteiligten 72-jährigen Angeklagten C. aus Freiburg 14 Monate Freiheitsstrafe, bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren sowie eine Busse von 1000 Franken.

Bank getäuscht

Ferner erklärte Staatsanwalt Hildbrand den Angeklagten Z. (79) wegen Betrugs, Gehilfenschaft zur Veruntreuung und Urkundenfälschung zwar als schuldig, doch sah er von einer Strafe ab, da dieses Jahr die Verjährung eintritt. Zum Fall: Eine inzwischen verstorbene Frau M. aus dem Aargau ersuchte Anfang 2000 eine Bank um Erhöhung eines bestehenden Hypothekarkredites von 297 000 auf 340 000 Franken sowie von 340 000 Franken auf 380 000 Franken, um ihre Wohnung zu renovieren. Dies, obwohl sie wusste, dass sie das Geld nicht für eine Renovation, sondern für anderweitige Bedürfnisse verwenden würde. Damit täuschte sie laut Anklage die Bank, welche die Erhöhung gewährte, «wissentlich und willentlich».

Die Bank hatte als Bedingung zur Kreditbewilligung die Einreichung von Rechnungen über die Renovationsarbeiten verlangt. Die Frau kontaktierte ihren Bekannten und Angeklagten Z., der ihr die Grundlagen beschaffen sollte. Z. fragte in der Folge den heutigen Hauptangeklagten P. an, ob er eine solche Rechnung ausstellen könne. Dieser war einverstanden und unterzeichnete als geschäftsführender Verwaltungsrat der Firma Z. B. eine «Rechnung/Bestätigung», welche die Frau anschliessend der Bank übergab, worauf diese den Kredit bewilligte. Das Schriftstück war mit «Renovation Wohnung xx (Adresse der Frau) überschrieben und die «Arbeiten laut Auftragsbestätigung» waren einzeln aufgelistet, obwohl sie nie ausgeführt worden waren. Für ihre «Dienste» erhielten der Angeklagte P. von Frau M. 18 000, Z. rund 5400 Franken.

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