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NIDWALDEN: Jetzt tragen Ärzte die Daten am Kittel

Neu können die Ärzte des Kantonsspitals in Stans per Tablet auf Patientendaten zugreifen und Behandlungen anordnen. Eine Zentralschweizer Premiere.
Matthias Piazza
Das Kantonsspital in Stans. (Archivbild) (Bild: NEUE LZ/FABIAN BIASIO)

Das Kantonsspital in Stans. (Archivbild) (Bild: NEUE LZ/FABIAN BIASIO)

Matthias Piazza

Einem Patienten wurde nach einer grossen Operation immer wieder schwarz vor Augen. Die Laborwerte bestätigen den Verdacht: Blutarmut. Deborah Flück, Stationsärztin im Nidwaldner Kantonsspital, ordnet als Massnahme die Gabe von zwei Blutkonserven an. Ob Diagnose, Krankengeschichte, Anweisungen an das Pflegepersonal: Den Papierkram erledigt sie praktisch papierlos – mit ihrem Tablet, das über das interne Wlan mit dem Rechenzentrum des Spitals verbunden ist. Mit diesem hat sie jederzeit Zugriff auf alle relevanten Patientendaten. Auch das Labor, die Radiologie und andere Abteilungen sind «angehängt». Assistenzärztin Deborah Flück spricht von einer riesigen Arbeitserleichterung. «Ich habe immer alles dabei, inklusive der gesamten Krankengeschichte und kann im Bedarfsfall umgehend Behandlungen anordnen. Das macht für mich den Alltag definitiv leichter.»

Vor allem die Zeitersparnis sei beträchtlich. «Früher musste ich, nachdem ich den Patienten untersucht hatte, das Blatt mit den Laborwerten abholen, auf einem anderen Formular die Behandlung schriftlich verordnen und visieren.» Oft mussten lange Wege in den Spitalgängen zurückgelegt werden, was schnell einmal 20 Minuten Zeit und mehr kostete. Und die Zeit für eine Visite ist knapp bemessen.

Der Patient sieht sein Röntgenbild

Der Anstoss für eine Verbesserung kam denn auch von den Ärzten selbst. Zwar wurde vor rund fünf Jahren auf die elektronische Patientenakte am PC umgestellt. Doch da schob der Arzt jeweils auf einem Rollwagen einen PC von Zimmer zu Zimmer. Doch die Lösung mit dem «schwerfälligen Ungetüm» brachte Probleme mit sich – nicht nur wegen des Platzbedarfs oder der schnell nachlassenden Batteriekapazität. «Der Arzt ‹verschwand› sozusagen hinter dem Rollwagen und tippte etwas ‹vor sich hin›. Das störte manche Patienten, vor allen Dingen, weil wir ihnen dann auch nicht das Gefühl unserer vollen Aufmerksamkeit geben konnten», erinnert sich Deborah Flück.

Zugang zu Daten streng gesichert

Seit fünf Wochen sind nun 45 der geplanten 60 iPads im Umlauf. Alle Ärzte sind bereits ausgestattet. Bis am Schluss sollen noch Leistungsabteilungen wie Physiotherapie oder Endoskopie folgen. Von der Zentralschweizer Premiere profitieren die Patienten in Stans ganz direkt. «Ich kann dem Patienten auf dem Tablet etwa seinen Bruch zeigen. Oder den Genesungsprozess, indem ich aktuelle und frühere Aufnahmen gegenüberstelle.»

Die zweijährige Entwicklung zur Tablet-Lösung hatte auch ihre Tücken. «Der Arzt, der mit dem Tablet arbeitet, hat jeweils nur eine Hand zum Schreiben zur Verfügung. Das stellte sich als wenig praktikabel heraus», blickt Projektleiter Stefan Teuschel zurück. Die Lösung: Die Software wurde mit Textbausteinen gefüttert, die Ärzte häufig verwenden. Der Arzt braucht in der Regel also nur auf Felder mit zutreffendem Inhalt zu tippen. So können ohne Tastatur die elektronischen Patientenakten effizient bedient werden.

Auf die Sicherheit legt Stefan Teuschel grossen Wert. «Die Patientendaten sind weder auf dem Tablet gespeichert noch via Internet freigegeben, sondern nur auf unseren Systemen, worauf man von aussen nur über eine verschlüsselte Leitung zugreifen kann.» Die Kosten des Projekts belaufen sich auf etwa 80 000 Franken. Auch das Luzerner Kantonsspital, das eng mit Stans zusammenarbeitet, könne von den Erfahrungen der Stanser Kollegen profitieren, da dort ebenso Tablet-Anwendungen im Rahmen des neuen Klinik-Informationssystems möglich seien, so Teuschel.

Spital wird 150

Mit Tablets arbeiten, davon war man vor 150 Jahren noch meilenweit entfernt. Auf eine so lange Geschichte blickt nämlich das Kantonsspital Nidwalden in diesem Jahr zurück. Gab es vor Jahrhunderten ein Siechenhaus und später ein Spittel, das beim Dorfbrand 1713 zerstört und zwei Jahre später wieder aufgebaut wurde, taucht 1866 erstmals ein Spital an der Nägeligasse in der Geschichtsschreibung auf.

515 Mitarbeiter

Seit 1966 steht das Spital am heutigen Standort an der Ennetmooserstrasse. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1996. Es wurden immer wieder Um- und Neubauten durchgeführt. Seit 2001 ist das Spital eine selbstständige Anstalt mit heute 515 Mitarbeitern.

jg/red

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