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NIDWALDEN: Jobwechsel: Nach 34 Jahren Bürodienst gehts auf die Alp

Mit 60 geht der Ennetmooser Wendelin Waser nochmals neue Wege – als Älpler im Bannalpgebiet. Unverhofft lastet die ganze Verantwortung auf ihm.
Christoph Riebli
Er spricht auch mit «seinen» Kühen. Das sei gut fürs Zutrauen der Tiere, sagt Älpler Wendelin Waser. Hier auf Fulenwasen bringt er ihnen Salz. Unten links sieht man ihn beim Betruf. (Bilder Corinne Glanzmann)

Er spricht auch mit «seinen» Kühen. Das sei gut fürs Zutrauen der Tiere, sagt Älpler Wendelin Waser. Hier auf Fulenwasen bringt er ihnen Salz. Unten links sieht man ihn beim Betruf. (Bilder Corinne Glanzmann)

Christoph Riebli

Er sitzt auf einem Stein, sein Blick schweift ins Tal. Er, der nun als Älpler auf Fulenwasen bei der Bannalp 46 Stück Vieh und 20 Schafe sömmert, war erst gerade noch als Buchhalter beim Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN) tätig. Und das 34 Jahre lang. Unterschiedlicher könnten diese beiden Welten kaum sein. Der Wechsel von der einen zur anderen passierte praktisch fliegend. Ende Mai hatte Wendelin Waser seinen letzten Arbeitstag, fast zeitgleich mit seinem 60. Geburtstag. Tage später stellte der Ennetmooser bereits die ersten Hagpfosten auf. Am 18. Juni war dann Alpaufzug. «Die Umstellung vom Bürojob hatte schon seine Auswirkungen», erzählt Waser, «in den ersten zehn Tagen habe ich sechs Kilogramm abgenommen.» Etwas ungläubig habe er damals auf die Waage gestarrt. Doch die Arbeit auf der Alp sei halt schon etwas total anderes.

Weshalb er im wahrsten Sinne des Wortes den Gürtel enger schnallt, erklärt Waser wie folgt: «Ich habe mir schon lange gesagt, wenn ich 60 werde, gehe ich in Pension und helfe meinem ältesten Bruder auf der Alp.» Dieser sei nun 80 und habe den Alpbetrieb seit 50 Jahren alleine geführt. Er selbst habe bis zum letzten Tag gerne für das EWN gearbeitet. «Ich bin zufrieden, wie es ist.» Das Alpleben bekomme ihm gut. «Es ist sogar noch schöner, als ich es mir gedacht habe.»

Beim Spicken erwischt

Was bei Wasers speziell ist: Wendelin Waser ist mit seinen 60 Jahren der Jüngste von total 16 Geschwistern, die allesamt auf dem Hof Schmiedsboden aufgewachsen sind. Und: Die acht Waser-Männer und acht Waser-Frauen haben sich alle noch. «Das schätzen wir sehr und sind glücklich.» Vor Tagen erst habe man mit den «Zwillingen» ihren 70. gefeiert, in der «unteren Hütte» (Ober Urnerstaffel), wo gerade sein 18 Jahre älterer Bruder «z Alp» ist.

«Unter uns Älplern herrscht ein super Verhältnis. Wir nehmen uns auch gerne ein wenig hoch», erzählt Waser amüsiert. So erhielt der «junge Älpler» für seinen ersten Betruf, den er schriftlich aus dem Nachlass seines Schwagers hat, Gratulationen von einem Älplerkollegen, der einige hundert Meter weiter unten zugehört hatte. Mit folgendem Hinweis via WhatsApp: Schon bald geht es dann ohne Spickzettel! Man merke: So ganz unbeobachtet ist auch ein Älpler nicht.

Zwischenfall nach 10 Tagen

Apropos: Geplant gewesen wäre eigentlich, dass Wendelin Waser als Koch im Alpbetrieb einsteigt: «Ich habe mich vorher nie mit Kochen beschäftigt», gibt er unumwunden zu. Weil er gerne gut esse, habe er aber zu sich gesagt: «Jetzt muss ich das wohl auch noch lernen.» So habe er in den letzten sechs Monaten zu Hause seiner Frau etwas über die Schulter geschaut. Gekommen ist jedoch alles anders: Wendelin Waser ist nicht nur Koch – meistens gibt es Suppe, nicht zuletzt wegen des Temperaturunterschieds zwischen Berg und Tal –, sondern zugleich auch noch Älpler in Personalunion. Der Grund: «Mein Bruder musste leider bereits nach zehn Tagen auf der Alp wegen einer Krankheit ins Spital. Seither habe ich die Verantwortung für alles.»

Als Bauernbub habe er zwar viel landwirtschaftliches Wissen mitbekommen, froh ist er trotzdem, wenn ihm sein Schwager, seine Nichte oder auch seine Geschwister unterstützend zur Seite stehen. «Ich war mir schon bewusst, dass mein Bruder älter ist und nicht mehr alles selber machen kann, mit einem Jahr zur Einarbeitung habe ich aber schon noch gerechnet», meint Waser zu seinem eigentlichen Älplerplan.

Melken und Käsen fallen weg

Ganz alleine ist Wendelin Waser jedenfalls nicht. «Ich erhalte viel Besuch und freue mich auch immer darüber.» Denn auch auf der Alp gibt es Freizeit: «Man kann sich die Arbeit gut selber einteilen.» Und das nicht nur zum Kaffeetrinken. So mache er hin und wieder einen kurzen Ausflug zum 600 Meter höher gelegenen «Chaiser», setze sich hin, geniesse die Aussicht, kehre in sich.

Wie sieht es eigentlich mit Melken und Käsen aus? «Strenger als vorher im Beruf will ich es bestimmt nicht haben», sagt Waser lachend, «melken tun bei uns die Kälber.» Ammenkuhhaltung lautet das Stichwort. Und damit geht eine weitere Premiere für Wendelin Waser einher: «Zwei Kälber sind in meiner Alpzeit bereits schon zur Welt gekommen. An ihnen habe ich besonders grosse Freude.»

Auch nach dem Alpabzug im September wird es dem einstigen Buchhalter und CVP-Landrat nicht langweilig werden: «Ich bin einer, der sich immer beschäftigen kann.» Und der nächste Alpsommer kommt bestimmt.

Die Kühe auf der Weide von Wendelin Waser. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Kühe auf der Weide von Wendelin Waser. (Bild: Corinne Glanzmann)

Der Älpler Wendelin Waser. (Bild: Corinne Glanzmann)

Der Älpler Wendelin Waser. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das Haus auf der Alp. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das Haus auf der Alp. (Bild: Corinne Glanzmann)

Wendelin Waser geht mit 60 Jahren neue Wege. (Bild: Corinne Glanzmann)

Wendelin Waser geht mit 60 Jahren neue Wege. (Bild: Corinne Glanzmann)

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