NIDWALDEN: Jürg Hammer kauft seinen Stammtisch

Das «Mathisli» ist das einzige ganzjährig geöffnete Restaurant in Kehrsiten am Vierwaldstättersee. Um es vor dem Verkauf an einen Privatmann aus Deutschland zu retten, griff Garagist Jürg Hammer zu. «Eine Herzensangelegenheit», sagt er.

Markus von Rotz
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Jürg Hammer in seinem Restaurant: «Ich habe selber viele schöne Stunden hier verbracht.» (Bild: Corinne Glanzmann (Kehrsiten, 28. Januar 2017))

Jürg Hammer in seinem Restaurant: «Ich habe selber viele schöne Stunden hier verbracht.» (Bild: Corinne Glanzmann (Kehrsiten, 28. Januar 2017))

Markus von Rotz

markus.vonrotz@nidwaldnerzeitung.ch

Jürg Hammer, Geschäftsführer von Auto Hammer mit Hauptsitz in Emmen, kennt Kehrsiten von Kindesbeinen an. Als er zwei Jahre alt war, kaufte sein Vater Jost ein Haus in Kehrsiten. «Ich bin zwar in Emmen aufgewachsen, aber am Wochenende waren wir fast immer in Nidwalden», erzählt er. Und so lernte er das «Mathisli» kennen, wie das Restaurant Mathis liebevoll genannt wird. Heute wohnt der jetzt 46-Jährige mit Nidwaldner Wurzeln (Hedy Hammer-Stebler aus Wolfenschiessen ist seine Mutter) selber in Kehrsiten und hat auch die Besitzerin des Restaurants kennen gelernt. Die in Zofingen wohnhafte Britta Maron suchte schon länger einen Käufer dafür. Der Pachtvertrag mit Anne Kamber läuft nach fünf Jahren Ende März aus und ist wegen der Verkaufsabsichten nicht mehr erneuert worden.

Hammer erfuhr von der Gefahr, dass das Restaurant an einen deutschen Interessenten gehen soll, der es als Ferien- und Wohnhaus nutzen wollte. Entweder seien die Interessenten Privatleute gewesen oder solche, die die Finanzierung für ein Restaurant nicht sicherstellen konnten. «Ich bat Britta Maron darum, auf jeden Fall darauf zu achten, dass das Restaurant erhalten bleibt», erzählt Hammer. Und sie habe ihm versprochen, sich zu melden, falls sich wirklich keine andere Möglichkeit abzeichne.

Nicht vorbereitet und unerfahren

Und das tat sie Ende letzten Jahres. Worauf er das Haus kaufte. Jürg Hammer, mit seinem Vater Jost und seinem Bruder Roger Teil der sechsköpfigen Unternehmensleitung der gleichnamigen Autofirma, kommt als Privat­besitzer unverhofft zu einer Beiz. Er sei «auf diesen Schritt weder vorbereitet», noch verfüge er über Gastroerfahrung, schrieb er in einer Information an die Bewohner Kehrsitens. Darum seien noch viele Fragen offen, aber er sorge auf jeden Fall dafür, dass das «Mathisli» auch nach Ende März ohne Unterbruch offen sei.

«Es ist für mich eine Herzensangelegenheit. Mich würde es reuen, wenn ich am Morgen daran vorbeifahren müsste im Wissen, dass es nun einer Privatperson gehört», sagt Hammer, der den Kaufpreis gegenüber unserer Zeitung nicht nennen möchte. Es sei ein «herziges Haus mit Tradition», das er von klein auf kenne. «Ich habe selber viele schöne Stunden hier verbracht. Am Freitag treffen sich die Leute, die unter der Woche auswärts arbeiten, am Stammtisch.» Auch für Anlässe wie Fasnacht oder Weihnachtsmarkt sei das «Mathisli» ein wichtiger Treffpunkt. Selber werde man ihn allerdings kaum hinter dem Buffet antreffen, sagt er. «Das ist nicht die Idee, höchstens vielleicht mal als Helfer an einem Fest.» Seine Information über den Kauf kam bei den Einheimischen gut an. «Ich habe um die hundert positive E-Mails und SMS erhalten. Nie hätte ich so ein grosses Echo erwartet.» Die Leute hätten ihm gratuliert, dass jemand Geld in die Hand nehme, ohne gleich im Haus ein Gewinnobjekt zu sehen.

Hoffen auf Resort auf dem Bürgenstock

Neben dem Hotel Baumgarten, das wie das Fischrestaurant Tell im Winter geschlossen ist, gebe es für ein solches Haus «mit eigenem Charakter» auf jeden Fall eine Chance. Zumal ab August jede Stunde ein Schiff ab Luzern Richtung Kehrsiten/Bürgenstock fahre. Daraus lasse sich was machen mit Vereinen, mit Geschäftsausflügen und Ähnlichem im Sog des Bürgenstock-Resorts.

Er sucht jetzt schnell einen Pächter, am liebsten ein Paar, das auch im Haus wohnt. «Ich werde ihnen einen vernünftigen Mietzins anbieten. Ich suche kein Renditeobjekt, werde aber noch etwas investieren und will natürlich meine Kosten gedeckt haben.» Die Menükarte stellt er sich weiterhin eher urchig vor, wobei er das auch dem Pächter überlasse. «Vom Stil her möchte ich das ‹Mathisli› so belassen wie heute.» Es sei schliesslich unter der aktuellen Pächterin gut gelaufen.

Bei der Gemeinde freut man sich

Stansstads Gemeindepräsident Beat Plüss ist erfreut über die neuste Wende: «Ich finde es gut, dass ein Privater so investiert und damit garantiert, dass das Restaurant nicht nur erhalten bleibt. Er stellt auch sicher, dass es ganzjährig offen ist. Hammer selber ist in Kehrsiten verwurzelt und will so einen Beitrag leisten, um den Ortsteil zu stärken.»

Das Restaurant, knapp 5 Kilometer vom Bahnhof Stansstad entfernt, ist auch gut zu Fuss erreichbar. Erste Quellen dafür finden sich 1542. 1932 erhielt es das Patent als Fremdenpension und konnte zirka 20 Kurgäste aufnehmen. Bis Anfang der Fünfzigerjahre hatte es darin eine Wirtschaft zur Kaplanei gegeben, die aber nicht rentierte. So wurde das Patent aufgeteilt und für den Winter dem Hotel Baumgarten zugeschlagen. 1977 folgte das Ganzjahrespatent.

Das «Mathisli» erlebte in den vergangenen Jahren viele Besitzer- und Pächterwechsel. 1968 etwa kaufte es der Luzerner Otto Dormann, 1995 ging es an dessen Schwiegersohn Hermann Suter. Dann war es im Winter länger geschlossen. 2004 kauften es Herbert Graf und Marco Gübelin mit dem Ziel, es von Einheimischen führen zu lassen. Neue Pächterin wurde Monika Hoffmann, die damals bereits das Seehotel Baumgarten leitete.

Hinweis

Das «Mathisli» in Kehrsiten ist vorläufig bis Ende März offen von Mittwoch bis Sonntag je ab 11 Uhr.