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NIDWALDEN: Junger Mann gesteht grobe Sexattacke auf 16-Jährige

Sexuelle Übergriffe, Gewalt, Todesdrohungen und Exhibitionismus: Ein junger Tamile versetzte in Stans mehrere Frauen in Angst und Schrecken. Nun soll er fünf Jahre hinter Gitter.
Kurt Liembd

Der Vorfall erinnert an eine Szene aus einem Thriller. Ein junger Mann missbraucht eine Jugendliche unter Todesdrohungen – und dies während fast zwei Stunden. Die Geschichte ist aber nicht fiktiv, und sie hat sich auch nicht in einer Grossstadt ereignet. Tatort ist das beschauliche Stans. Diese Tage musste sich der Täter, ein junger Tamile, der in Nidwalden aufgewachsen ist, vor dem Kantonsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft verlangt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und die Einweisung in eine Erziehungsanstalt für junge Erwachsene. Zudem droht dem Mann die Ausschaffung.

Zu Oralverkehr genötigt

Zwei Polizisten eskortierten den Mann in Handschellen vom Gefängnis in den Gerichtssaal. Seit dem 15. November sitzt er in Sicherheitshaft. Laut einem psychiatrischen Gutachten gilt er als «schwer gestört», und es bestehe eine «hohe Gefahr für die weitere Begehung sexuell motivierter Gewalt».

Konkret hat sich am 11. Oktober 2015 Folgendes zugetragen: Nach einer fröhlichen Feier im Jugendkulturhaus Senkel in Stans wollte sich die 16-jährige Nidwaldnerin mit dem Velo auf den Nachhauseweg machen, als sie von dem Beschuldigten angesprochen wurde. Dieser ging gleich zur Sache, drückte sie an die Wand und küsste die Jugendliche. Als diese sich wehrte, schlug er ihr mit den Fäusten ins Gesicht, heisst es in der Anklageschrift. Die verängstigte Frau konnte fliehen, wurde aber nach rund 200 Metern wieder eingeholt. Dort zerrte der junge Mann sie an den Haaren und schlug sie erneut, bis sie aus der Nase blutete und zu Boden fiel. Dann zwang er sie unter Todesdrohungen zum Oralverkehr. Zitternd und aus Angst, wieder geschlagen zu werden, kam sie der Aufforderung bis zur Erschöpfung nach. Die Frau erlitt nebst dem psychischen Horror zahlreiche Hämatome sowie Schürf- und Quetschwunden im Gesicht und am Kopf.

Mit Auflagen wieder freigelassen

Die Polizei nahm den Beschuldigten noch am selben Tag in Gewahrsam, nachdem die Eltern der sexuell genötigten Frau Alarm geschlagen hatten. Nach seinem Geständnis und mangels Flucht- und Wiederholungsgefahr, so die damalige Einschätzung der Ermittler, wurde er nach zwei Tagen mit Auflagen auf freien Fuss gesetzt. Kurze Zeit darauf wurde er aber erneut straffällig, als er auf dem Dorfplatz und an der Hauptstrasse in Stans mehrere Frauen in Angst und Schrecken versetzte, indem er vor ihnen masturbierte und auf den Boden ejakulierte. Am selben Abend wurde er von der Polizei in Haft genommen.

An der Gerichtsverhandlung gab der Täter erneut alles zu, zeigte sich aber wortkarg. Anders der Staatsanwalt, der an die Adresse der Richter meinte: «Lassen Sie sich vom Erscheinungsbild des schüchtern wirkenden Beschuldigten nicht täuschen. Er nötigte die Frau auf brutale Art und Weise zu sexuellen Handlungen.» Der Staatsanwalt sprach von einem «schweren Verschulden» und von «voller Schuldfähigkeit» des Täters. Der Rechtsanwalt des Opfers ging mit ihm einig und sprach von «schweren Verfehlungen». Es handle sich um einen Angriff auf die sexuelle Ehre einer jungen Frau, die diesen wohl in ihrem ganzen Leben nie ganz verarbeiten werden könne. Er forderte eine Genugtuung von 20 000 Franken.

Harsche Reaktionen im Gerichtssaal

Einen schweren Stand hatte die Verteidigerin. Da der junge Mann seine Schuld einräumte, war es schwierig, entlastende Argumente zu finden. Sie verwies zwar auf sein jugendliches Alter und dass er unter leichtem Einfluss von Cannabis gestanden sei. Auch «sieht er sein Unrecht ein und entschuldigt sich dafür», meinte sie. Ihr Antrag von 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe, den sie auch mit den günstigen Prognosen psychotherapeutischer Massnahmen begründete, provozierte im Gerichtssaal harsche Reaktionen. «18 Monate wären ein Schlag ins Gesicht des Opfers», sagte dessen Rechtsanwalt. Und der Staatsanwalt fügte an: «Dieser Antrag ist jenseits von Gut und Böse.»

Das Gericht hat sein Urteil auf nächste Woche in Aussicht gestellt. Fest steht: Es wird ein finanziell aufwendiger Fall für den Staat, da der Täter mittellos ist. Die bisherigen Verfahrenskosten betra­gen rund 30 000 Franken. Hinzukommen werden Gerichtskosten, Anwaltshonorare sowie mutmassliche Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen.

Kurt Liembd

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