NIDWALDEN: Kandidaten stehen Red und Antwort

Vier Männer buhlen um einen Sitz im Regierungsrat. Im Kollegi Stans stellten sie sich Fragen aus den verschiedensten Bereichen.

Martin Uebelhart
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Die vier Kandidaten (von links): Sepp Durrer, Walter Odermatt, Conrad Wagner und Josef Niederberger, kurz vor Podiumsbeginn im Kollegi-Theatersaal. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die vier Kandidaten (von links): Sepp Durrer, Walter Odermatt, Conrad Wagner und Josef Niederberger, kurz vor Podiumsbeginn im Kollegi-Theatersaal. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Das Interesse, mit den vier Kandidaten für den frei werdenden Regierungssitz von Hans Wicki (FDP) auf Tuchfühlung zu gehen, war gross. Rund 400 Personen sassen am Donnerstagabend im Theatersaal des Kollegi in Stans, unter ihnen auch 150 Gymnasiasten. Vier von ihnen stellten Sepp Durrer (FDP), Josef Niederberger (CVP), Walter Odermatt (SVP) und Conrad Wagner (Grüne) zu Beginn in kurzen Worten vor, beleuchteten deren persönlichen und politischen Werdegang.

Das Kollegi und unsere Zeitung hatten zum öffentlichen Podium geladen. Auf den Zahn fühlte ihnen Markus von Rotz, Redaktionsleiter unserer Zeitung. Er interessierte sich unter anderem für die Führungserfahrung, welche die vier einbringen könnten. Conrad Wagner schaute zurück auf sein Engagement bei der Marktforschungsfirma IHA, heute GfK. «Dort habe ich Projektführung von der Pike auf gelernt.» Er leitete Teams und eine Abteilung. Bei weiteren Projekten etwa für den Nationalfonds habe er vielfältige Aufgaben bewältigt, und für die Führung der Projekte seien auch hohe Kenntnisse in Personalführung nötig gewesen.

Josef Niederberger führt seinen Holzbaubetrieb mit 24 Angestellten. «Da habe ich die Verantwortung in sämtlichen Bereichen.» Viel gelernt habe er auch als Schulpräsident von Oberdorf oder als Präsident der Baukommission eines 20-Millionen-Projekts der Pensionskasse Nidwalden. Walter Odermatt leitet derzeit die Baukommission für die Sanierung der ARA Rotzwinkel. «Da konnte ich mir eine grosse Führungserfahrung aneignen», hielt er fest. Aber auch die Gründung und Führung der SVP Stans oder das Landratspräsidium hätten ihm in dieser Beziehung viel gebracht. Sepp Durrer führte während einiger Jahre bis zu fünf Gastronomiebetriebe gleichzeitig. «Ich habe auch schon einige Jahre Führungserfahrung hinter mir», meinte er.

«Wenn das Gewerbe ein Problem hatte, war die Regierung immer da für uns.» Sepp Durrer, FDP. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Wenn das Gewerbe ein Problem hatte, war die Regierung immer da für uns.» Sepp Durrer, FDP. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Er sitzt neu im Regierungsrat: Josef Niederberger, CVP. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Er sitzt neu im Regierungsrat: Josef Niederberger, CVP. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Für jedes neue Gesetz sollte ein altes aufgehoben werden.»
Walter Odermatt, SVP. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Für jedes neue Gesetz sollte ein altes aufgehoben werden.» Walter Odermatt, SVP. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Es geht darum, die Gesetze zu prüfen und schlank zu gestalten.»
Conrad Wagner, Grüne. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Es geht darum, die Gesetze zu prüfen und schlank zu gestalten.» Conrad Wagner, Grüne. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Gesetze mit Ablaufdatum

«Für jedes neue Gesetz sollte ein altes aufgehoben werden», befand Walter Odermatt zum Thema Ablaufdatum für Gesetze. Dennoch seien manchmal Gesetze nötig, befand er bei den Sperrgutsammlungen, deren Missbrauch der Gesprächsleiter ins Spiel gebracht hatte. «Das hat überbordet, da ist eine Änderung notwendig.» Josef Niederberger sah das anders und wünschte sich die Kehrichtabfuhr vor der Sackgebühr zurück: «Jeder zahlte seinen Grundbetrag und konnte den Güsel rausstellen. Wir haben unseren Müll problemlos entsorgt.» Sepp Durrer konnte sich vorstellen, dass sich die Menge des Sperrmülls einpendelt. «Da können wir noch ein, zwei Jahre zuschauen.»

Mehrfacher Applaus

Für Conrad Wagner stehen die Ressourcen im Vordergrund. «Wir leben in einer Zeit, in der wir diese Wertstoffe schätzen», hielt er fest. Wenig konnte er der Idee abgewinnen, Gesetze mit einem Ablaufdatum zu versehen, wie es eine Initiative im Kanton Nidwalden verlangt. «Es geht darum, die Gesetze zu prüfen und schlank zu gestalten», sagte Wagner, der während des Abends als einziger mehrfach spontanen Applaus des Publikums einheimsen konnte.

Vom Sperrmüll war es nicht weit zum Littering. «Über kurz oder lang müssen wir das angehen», betonte Walter Odermatt aus seiner Erfahrung als Stanser Gemeinderat. Einig waren sich die vier, dass das Problem nicht unbedingt mit einer zusätzlichen Gesetzesbestimmung gelöst werden sollte. Vielmehr müsse man auf Aufklärung setzen. «Es sollte im Interesse jeder Person sein, zu unserm schönen Kanton Sorge zu tragen und Abfälle in den nächsten Güselkübel zu werfen», so Odermatt.

Die Sorgen der Unternehmer

Wo drückt die Unternehmer der Schuh? Auf diese Frage von Markus von Rotz sagte Josef Niederberger, dass es in Nidwalden in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen sei für die Wirtschaft. Als Selbstständiger sei man auf Arbeit angewiesen, um die Angestellten beschäftigen und bezahlen zu können. Die Politik sei stark mit der Wirtschaft verzahnt. «Ein Gesetz sagt viel darüber aus, ob in Zukunft Arbeit auf uns zukommt oder nicht», so Niederberger.

Durrer wand der Politik ein Kränzchen, da sie seine Anregung für eine Totalrevision des Gastgewerbegesetzes aufgenommen habe. «Wenn das Gewerbe ein Problem hatte – so habe ich es erlebt –, war die Regierung immer da für uns.»

Walter Odermatt setzte ein Fragezeichen hinter die grosse Abhängigkeit der Landwirte von Direktzahlungen. «Ich möchte von der Produktion leben und den Betrieb entwickeln», sagte er. Er glaube, dass es nicht die Zukunft der Landwirtschaft sein könne, Geld dafür zu erhalten, wenig oder nichts zu machen, kaum zu produzieren, oder für «ein paar Steinhaufen». Die Agrarpolitik des Bundes werde bestimmt wieder in eine andere Richtung gehen. Conrad Wagner meinte, die Agrarpolitik sei sehr breit ausgerichtet. Die Produktion sei wichtig, auch für einen gewissen Selbstversorgungsgrad. Doch gehe es auch um die Qualität im Tierbereich und bei den Produkten. Auch die Landschaft gehöre zu dieser Qualität. Die gemeinwirtschaftlichen Leistungen würden abgegolten. «Die Landwirte sollten stolz sein, dass sie diese erbringen können.»
 

Martin Uebelhart

 

Dossier: Alles zur Regierungsratsersatzwahl unter www.nidwaldnerzeitung.ch/wahlennidwalden

Fragerunde wird nur spärlich genutzt

Publikum om. Von der Möglichkeit, aus den Zuschauerreihen Fragen an die Kandidaten zu richten, wurde nur verhalten Gebrauch gemacht. Ein Thema, das die Runde auf der Bühne machte, war das Kantonsspital und dessen Zusammenarbeit mit Luzern. «Es ist enorm wichtig, dass der Kanton eine gute Grundversorgung hat», sagte Walter Odermatt. Momentan seien die beiden Spitäler verlobt. «Wenn man mir glaubhaft darstellen kann, dass für Nidwalden keine Nachteile entstehen, könnte ich auch zu einer Fusion Ja sagen.» Auch Josef Niederberger erklärte, «er habe keine Angst, dass das Spital seine Selbstständigkeit verliert». Ein Zusammengehen würde die Situation weiter verbessern. Sepp Durrers Forderung: «Das Spital darf auch nicht dann an Qualität verlieren, wenn einzelne Direktoren weggehen.»


Kehrsitenstrasse bewegt

Ein Vertreter des Kurvereins Kehrsiten wollte wissen, wie die Kandidaten über den Zustand der steinschlaggefährdeten Kehrsitenstrasse denken. «Die Situation ist bedenklich», so Walter Odermatt. Er habe sich die Einschläge kürzlich genauer angeschaut. «Das ist der reinste Horror.» Man müsse schauen, dass die Sicherheit gewährleistet werde. Auch wenn die Gäste des Bürgenstock-Resorts mit dem Schiff nach Kehrsiten kommen sollen, «braucht es zwar keine breitere, aber eine sicherere Strasse – für die Bewohner», sagte Josef Niederberger. Auch Sepp Durrer hofft aus Sicherheitsgründen, dass bald etwas geht. «Ich vertraue dem jetzigen Baudirektor, dass er seine Überlegungen dazu gemacht hat.» Derweil mahnte Conrad Wagner, die Strasse nach Kehrsiten dereinst für den Tourismus zu öffnen. «Ein Juwel ginge kaputt.»

Gescherzt und philosophiert

Persönlich Es sind die unterschiedlichen Standpunkte, die den Kandidaten ein politisches Profil verleihen. Doch Gesprächsleiter Markus von Rotz wollte am Podium auch hinter die Kulissen blicken – und mehr über persönliche Befindlichkeiten herausfinden. Ob er denn überhaupt für ein Regierungsratsamt bereit sei, wenn er die vergangenen drei Jahre nie Ferien gemacht habe, wollte der Moderator von Sepp Durrer wissen. Dieser scherzte: «Wir haben ja noch vier Monate bis zur Amtseinsetzung.» Und mit ernsterem Ton: «Ich habe mich nie darüber beklagt und fühle mich auch nicht ausgepowert.»
An der Nominationsversammlung hatte er gesagt, das Departement, mit dem man ihn plagen könnte, werde nicht frei. Auf die Frage, welches das denn sei, wich er aus. «Es gibt eine Ausmarchung, und der neue Regierungsrat wird das Departement übernehmen, das übrig bleibt.» Es stimme, er wolle noch zwei Bücher schreiben, so Durrer weiter, doch warte er zu, bis er pensioniert sei. Was genau Inhalt der Werke sein soll, blieb der FDP-Kandidat dem Publikum schuldig. Nur so viel: «Ich bin seit 29 Jahren im ‹Happy-Day›. Mich hat immer fasziniert, wie sich die Jungen verändert haben. Das will ich zu Papier bringen.»

«Ich lasse nicht locker»

Gemäss dem ältesten Kandidaten, Josef Niederberger, sollte das Alter keinen Einfluss auf die Wählbarkeit haben. «Ich bin zwar 59 Jahre, fühle mich aber sehr gut. Ich merke keinen Unterschied, ob ich 50 oder 60 bin.» Er habe einen schönen Beruf, geriet der Inhaber einer Holzbaufirma ins Schwärmen. «Doch ich mache gerne Politik und arbeite auch auf dieser Ebene gerne mit Leuten zusammen.» Ob es stimme, dass er lange Verfahren nicht mag, was dem politischen Alltag als Regierungsrat widersprechen würde, wollte der Moderator den CVP-Kandidaten aus der Reserve locken. Die diplomatische Antwort: «Ich weiss, dass in der Politik ein Jahr schnell vorbeigeht. Wenn ich eine Aufgabe erhalte, lasse ich aber nicht locker, bis ein Entscheid gefällt werden kann.»

Konflikte gibt es überall

Angesprochen auf seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat und einen möglichen neuerlichen Interessenskonflikt als Regierungsrat, meinte Landwirt Walter Odermatt: «Ich habe dies mit meiner Familie ausdiskutiert. Mein Sohn Peter steht bereit, den Hof zu übernehmen. So könnte ich mich sauber vom Betrieb trennen.» Jeder habe doch schon mal Interessenskonflikte gehabt, ob privat, im Beruf oder in der Politik. Dies soll kein Argument beim Wählen sein. Auf die Bemerkung, die SVP habe die Wahlplakate schon vor der Nominationsversammlung gedruckt, sonst hätte man diese nicht noch in der gleichen Nacht aufstellen können, sagte Odermatt: «Wir machen vorgängig ein internes Nominationsverfahren, das hat sich bisher bewährt.» Damit verhindere man auch, dass jemand am Parteitag öffentlich verheizt werde.

«Wir werden ernst genommen»

Zu seinem Zitat im Zeitungsporträt, die Angst der Bürgerlichen vor den Grünen sei unbegründet, führte Conrad Wagner aus: «Für mich ist das ein Zeichen, dass wir von den anderen ernst genommen werden.» Wobei nicht wirklich von «Gegner» gesprochen werden kann, wenn man dem Grünen weiter zuhörte: «Wir kommen gut miteinander aus.» Warum er denn im kleinen Kanton Nidwalden regieren wolle, wenn er doch als Mobilitätsfachmann in der weiten Welt herumreise, lautet eine Frage. «Es gibt auch eine Unendlichkeit im Kleinen», zeigte Wagner seine philosophische Ader.
 

Oliver Mattmann
 

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch