NIDWALDEN: Kanton lässt Schwäne abschiessen

Fütterungs­verbote und Schreckschüsse haben nichts genützt. Nun will man die Schwäne in Buochs/Ennetbürgen mit Einzel­abschüssen vertreiben.

Philipp Unterschütz
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Schwäne in Ennetbürgen beim Landspitz nahe Buochser- und Aumühlestrasse. (Bild Corinne Glanzmann)

Schwäne in Ennetbürgen beim Landspitz nahe Buochser- und Aumühlestrasse. (Bild Corinne Glanzmann)

Seit mehr als zwei Jahren erleiden die Landwirte auf der Allmend Buochs/Ennetbürgen durch Schwäne, die sich auf dem Kulturland niedergelassen haben, grosse Schäden. «Es ist eine Schweinerei», sagt der Buochser Landwirt Walter Barmettler. «Sie fressen das Gras und verkoten die Wiesen. Die Verfütterung an die Kühe ist nicht mehr möglich. Es sind auch schon Kühe verendet, ob das aber daran lag, kann man nicht beweisen.» Der Kanton schrieb zu den Schäden im Massnahmen- und Managementplan für den Umgang mit dem Höckerschwan im Frühsommer 2013: «Durch das massive Verkoten von Futtergraswiesen verliert das Futtergras seinen Nutzwert. Schadenskosten pro Hektare Frühlingsgras etwa 1000 Franken.» Zu diesem Verlust kämen für die Landwirte noch Aufwand und Kosten für die Entsorgung des Grases.

Im Idealfall nur noch 20 Tiere

Nun ergreift der Kanton Massnahmen. In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, teilte die Justiz- und Sicherheitsdirektion den betroffenen Landwirten, Korporationen und Gemeinden mit, dass man sich mit dem Bundesamt für Umwelt auf Einzelabschüsse von Schwänen verständigt habe: «Mit dem erneuten Erscheinen der Schwäne auf der Allmend wird ein Umsetzen der Massnahmen unumgänglich, und sie sollen baldmöglichst realisiert werden.» Im Massnahmenplan heisst es, dass der Bestand im Konfliktgebiet Allmendland bis im Sommer 2015 im Idealfall auf etwa 20 Tiere reduziert werden solle. Im April zählte man über 40.

«Der Entscheid zum Abschuss war schwierig, aber hier liegt wirklich eine Konfliktsituation vor», sagt Sicherheits- und Justizdirektorin Karin Kayser. Einerseits handle es sich um ein beliebtes Tier mit einem hohen Symbolwert, anderseits verursachten die Schwäne einfach zu grosse Schäden. «Wir haben alle anderen möglichen Massnahmen geprüft und auch angewendet, und es hat nicht viel gebracht.»

Fütterungsverbot hat kaum genützt

Tatsächlich erliess der Kanton im Herbst 2013 aufgrund des Massnahmenplans ein Fütterungsverbot, um die natürliche Sterblichkeit und Selektion der Natur vor allem im Winter zu erhalten. In mehreren Seegemeinden stellte man dafür entsprechende Tafeln auf. «Das Verbot wurde gut befolgt», sagt Fabian Bieri, Leiter der kantonalen Fachstelle Jagd und Fischerei. Offenbar hat sich der Erfolg trotzdem in Grenzen gehalten. Die Situation habe sich nicht wirklich verbessert, meint Peter Huser von der Genossenkorporation Ennetbürgen. Nach der Brut seien in den letzten zwei Monaten nur schon auf ihrem Land schon wieder mindestens 20 Tiere vom Seeufer zurückgekommen, und es könnten noch mehr werden.

«Es sind einfach zu viele, ein Fütterungsverbot reicht nicht, die finden im Kulturland auch so genügend zu fressen», sagt Peter Huser. Für ihn ist schwer nachvollziehbar, dass bisher nicht mehr passiert ist. «Man hätte meinen können, einige frei lebende Schwäne seien wichtiger als die Schäden für die betroffenen Landwirte und Hunderte Kühe.»

Mit Einzelabschüssen vertreiben

«Nachdem auch Schreckschüsse in die Luft nichts genützt haben, beginnen wir in den nächsten Wochen, mit gezielten Einzelabschüssen die Schwäne zu vertreiben», sagt Karin Kayser. «Wir machen das zwar nicht in Nacht-undNebel-Aktionen, aber wir bemühen uns natürlich, dass die Öffentlichkeit möglichst wenig davon mitbekommt.»

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach, die sich zu dem Fall auch schon beratend äusserte, kann den Entscheid zum Einzelabschuss nachvollziehen, auch wenn es sich bei den Schwänen um eine geschützte Vogelart handelt. Natürlich seien Abschüsse der letzte Ausweg, sagt der Biologe Michael Schaad von der Vogelwarte. «Aber offensichtlich hat der Kanton vorgängig versucht, den Konflikt mit einem Fütterungsverbot zu lösen. Das scheint nichts genützt zu haben. Deshalb wehren wir uns nicht gegen die Einzelabschüsse.»

Während Landwirt Walter Barmettler deutlich sagt, dass er die Massnahme begrüsse, rechnet Karin Kayser aber auch mit anderen Reaktionen. «Es kann schon sein, dass sich einzelne Personen entrüsten. Bei Rückmeldungen werden wir das Gespräch suchen, um nochmals zu erklären, warum wir diese Abschüsse einfach machen müssen.»