NIDWALDEN: Kanton prüft eigene Vollzeit-Berufsmatura

Wer die Berufsmatura in Vollzeit machen will, muss nach Luzern oder Sarnen. Noch.

Matthias Piazza
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Absolventinnen der kaufmännischen Berufsmatura 2014 freuen sich. (Bild: Izedin Arnautovic / Neue OZ)

Absolventinnen der kaufmännischen Berufsmatura 2014 freuen sich. (Bild: Izedin Arnautovic / Neue OZ)

Nach der Lehre noch in einem Jahr die Berufsmatura nachholen – und sich damit das Ticket für eine Fachhochschule lösen oder über die Matura für Erwachsene gar den Zugang zu einer Universität erhalten: Für diesen Weg entscheiden sich auch immer mehr Nidwaldner Lehrabgänger, zurzeit sind es rund 10 Prozent.

Allerdings müssen diese aktuell 40 Schüler dafür ausserkantonal die Schulbank drücken. Der Kanton Nidwalden bietet zurzeit nur das Modell der lehrbegleitenden Berufsmatura, nicht aber den Vollzeitlehrgang an. Das könnte sich in naher Zukunft ändern. Das zuständige Amt für Berufsbildung und Mittelschule will bis Ende Jahr einen Bericht verfassen, der dem Regierungsrat als Grundlage dienen soll. Spricht er sich für die Schaffung des Vollzeitlehrgangs aus, soll dieser frühestens ab dem Schuljahr 2018/19 in Kraft treten.

Rund 15 000 Franken pro Schüler

«Die Berufsmatura wird seit Einführung Ende der 1990er-Jahre immer beliebter», erklärt Pius Felder, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Mittelschule. Nun überlege man sich darum, den Vollzeitlehrgang auch an der Berufsfachschule in Stans anzubieten. Nicht zuletzt aus Kostengründen. Denn Nidwalden muss für jeden auswärtigen Berufsmaturanden rund 15 000 Franken an den Standortkanton zahlen, was in diesem Schuljahr rund 600 000 Franken ergibt. «Bieten wir den Lehrgang selber an, können wir uns diese Kosten sparen und erhalten noch Bundesbeiträge von 5000 Franken pro Schüler und Jahr.» Darum gehe man unter dem Strich von niedrigeren Kosten aus.

Allerdings würden voraussichtlich nur die zwei oder drei nachfragestärksten Fachrichtungen angeboten – voraussichtlich Technik, Architektur, Life-Sciences und Wirtschaft/Dienstleistungen. Für die übrigen Richtungen müssten die Schüler weiterhin nach Luzern oder an andere Standorte.

Nachfrage dürfte zunehmen

Mit dem neuen Angebot sei auch die Absicht verknüpft, die Berufsmatura bei Nidwaldner Lehrabgängern beliebter zu machen. Pius Felder geht denn auch von einer stärkeren Nachfrage aus, sollte das Angebot realisiert sein. «Das war auch in Obwalden so, als der Kanton vor einigen Jahren den Vollzeitlehrgang einführte.»

Noch unklar ist, was für personelle Auswirkungen das neue Angebot hat. Fest steht für Pius Felder aber, dass der Platz vorhanden ist, da 2004 das Berufs- und Weiterbildungszentrum in Stans erweitert wurde. Man brauchte Platz wegen des damals neu eingeführten Vollzeitblocks der kaufmännischen Berufslehre, der 2012 wieder abgeschafft wurde.

Matthias Piazza