Nidwalden
Kantonaler Führungsstab denkt schon an den nächsten Winter

Corona, Ukraine-Krieg, Energieknappheit: Die Krisen des vergangenen Jahres forderten den Führungsstab. Und brachten auch Schwächen zu Tage. Daraus will man lernen.

Matthias Piazza
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Ein Schild weist auf den Notfalltreffpunkt hin.

Ein Schild weist auf den Notfalltreffpunkt hin.

Bild: Florian Pfister (Stansstad, 5. Dezember 2022)

Allen leichten Entwarnungen in Sachen Energieknappheit zum Trotz: Der kantonale Führungsstab Nidwalden rüstet sich für alle denkbaren Szenarien, die von Stromkontingentierung über mehrstündige Abschaltungen bis hin zu ungeplanten Stromausfällen reichen. Ein Problem könnte dabei die Alarmierung werden, wie Stephan Grieder, Kommandant der Nidwaldner Kantonspolizei und Stabschef des kantonalen Führungsstabs, am Jahresrapport der Notorganisation Nidwalden am Freitagabend erläuterte. «Ohne Strom funktionieren Internet, Festnetz und Mobiltelefonie nicht mehr.»

Die Kommunikation der Blaulichtorganisationen würde vollständig über ihr Sicherheitsfunknetz Polycom laufen. Doch auch das funktioniert mit Strom. «Viele, aber nicht alle Polycom-Antennen müssten mit zentral eingelagerten Notstromaggregaten ausgerüstet werden. Wie bringen wir diese in entlegene Orte im Winter oder bei Nebel, wenn auch kein Heli fliegen kann?» Weitere Schwachpunkte ortet Stephan Grieder beim Wasser. «Die Versorgung der Haushalte mit Trinkwasser aus den Reservoiren funktioniert ohne Strom. Fürs Befüllen der Reservoire braucht es aber Pumpen, die keine Notstromversorgung haben.»

Auch für Wasserversorgung braucht's Strom

Ein ähnliches Problem stelle sich auch bei den drei Abwasserreinigungsanlagen in Nidwalden. Von den 86 Pumpwerken seien bloss 16 mit einer Notstromversorgung ausgerüstet. Je nach Dauer des Stromunterbruchs und Menge des anfallenden Abwassers könnte dies zu einem Problem führen, sodass ein Teil des Abwassers im schlimmsten Fall ungeklärt in die Gewässer eingeleitet werden müsste. Ähnliche Fragen stellten sich bei der Stromversorgung der Banken, der Alters- und Pflegeheime oder der Lebensmittelläden, demzufolge sei man mit diesen auch in Kontakt.

Stephan Grieder, Kommandant der Kantonspolizei Nidwalden und Stabschef des kantonalen Führungsstabs.

Stephan Grieder, Kommandant der Kantonspolizei Nidwalden und Stabschef des kantonalen Führungsstabs.

Bild: Urs Hanhart (Oberdorf, 20. Januar 2023)

«Wahrscheinlich werden wir gut durch diesen Winter kommen.» Doch den Sommer wolle die Notorganisation nutzen, um für den nächsten Winter gewappnet zu sein. «Denn die Energiekrise wird uns noch länger beschäftigen», gab sich der Stabschef überzeugt. «Deshalb dahin wollen wir unsere Notfallplanung bis Mitte Februar abgeschlossen und griffbereit haben, sollten wir sie auch im nächsten Winter brauchen.»

Betrieb der Notfalltreffpunkte wird trainiert

Damit die Bevölkerung die Polizei oder sonstige Hilfe anfordern kann, wenn der Strom ausgefallen ist und weder Telefon noch Internet funktionieren, bestehen in jeder Nidwaldner Gemeinde, meistens beim Gemeindehaus oder beim Schulhaus, sogenannte Notfalltreffpunkte. Dort würden Behörden und Gemeindeführungsstäbe die Bürgerinnen und Bürger über die Lage informieren, wenn dies mit der üblichen Kommunikation nicht mehr möglich wäre. Auch Notrufe könnten von dort abgesetzt werden, da diese Notfalltreffpunkte über Polycom mit der Einsatzleitzentrale der Polizei verbunden wären.

In den nächsten Wochen will der Führungsstab die Bevölkerung erneut über die Notfalltreffpunkte mit einer Kampagne informieren und das Betreiben dieser Einrichtungen zusammen mit den Gemeinden, die für den Betrieb der Notfalltreffpunkte verantwortlich sind, trainieren. «Diese Notfalltreffpunkte haben oberste Priorität, sie werden schliesslich auch gebraucht, wenn das Telefonnetz und damit die Notrufnummern aus anderen Gründen ausfallen, was ja in der Vergangenheit mehrmals vorgekommen ist», so Stephan Grieder.