Nidwalden
Kantonspolizei versteigert rund 60 gestohlene Velos

Sie werden gestohlen und dann liegen gelassen. Fünf Dutzend solcher Fahrräder, die sich keinem Besitzer zuordnen liessen, wurden nun in Stans versteigert.

Richard Greuter
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Der Bike-Boom scheint sich auch auf die alljährliche Veloversteigerung der Kantonspolizei Nidwalden auszuwirken. Insgesamt 60 Velos, Bikes Kinderräder, zwei E-Bikes und ein Elektro-Trottinett kamen am vergangenen Samstag auf dem Werkhof der Polizei in Stans unter den Hammer. Rund 90 Personen interessierten sich für die Versteigerung und lauerten auf ein Schnäppchen. Die meisten dieser Velos seien entwendet worden, um einmal schnell nach Hause oder zum Bahnhof zu gelangen, berichtete Roman Schmid von der Kantonspolizei. Diese würden dann einfach irgendwo liegen gelassen. Ab und zu werde auch ein alter «Göppel» auf diese Weise entsorgt.

Besucher begutachten die Velos, die später versteigert werden.

Besucher begutachten die Velos, die später versteigert werden.

Bild: Richard Greuter (Stans, 24. April 2021)

Vereinzelt wird auch eingebrochen, um an teure Fahrräder zu gelangen. «Diese sehen wir nie wieder», sagte Schmid. Auch vor E-Bikes schrecken Diebe nicht zurück. Ein fehlender Bordcomputer könne mühelos im Internet beschafft werden. Alle aufgefundenen Velos werden mit Rahmennummer, Marke, Typ und Farbe in einem gesamtschweizerischen Polizeiregister erfasst. So sei es relativ einfach, ein gestohlenes Rad einer Person zuzuordnen, sagte Schmid, der die Versteigerung durchführte.

Bikes in gutem Zustand erzielten die besten Preise

Jährlich sind es gegen 80 Zweiräder, welche die Kantonspolizei an Strassenrändern, in Gebüschen oder auch einmal in einem Bach während des Jahres einsammelt. Da die letztjährige Versteigerung mit 120 Velos coronabedingt erst im Herbst stattfand, waren es diesmal etwas weniger. Vor der Auktion hatten die ursprünglichen Besitzer Gelegenheit, ihre gestohlenen Velos abzuholen. Gemäss Schmid sei dies nur in einem Fall geschehen.

Pünktlich um halb zehn ging die Auktion los. Als Erster ersteigerte Joe Feubli aus Stansstad für zehn Franken ein Fahrrad. «Es ist günstig und meines ist letzte Woche gestohlen worden», sagte der 21-jährige. Die Gelegenheit, günstig an Fahrräder zu gelangen, nutzte auch die Familie Arnold aus Wolfenschiessen. Mutter Karin Arnold, die mit Fabio und den Zwillingssöhnen Nico und Kilian auf dem Platz war, hatte soeben zwei Velos ersteigert.

Polizisten bei der Versteigerung.

Polizisten bei der Versteigerung.

Bild: Richard Greuter (Stans, 24. April 2021)

Immer mehr kam die Gant in Fahrt: Es wurde mehr geboten und die Preise stiegen entsprechend. Das bekam auch Pirmin Mathis aus Dallenwil zu spüren. Er bot für ein gut erhaltenes Bike, für das sich auch ein anderer interessierte. Der 21-jährige Elektromonteur ging schliesslich als Sieger hervor, musste aber 500 Franken hinblättern.

Rund 90 Interessierte besuchten die Versteigerung.

Rund 90 Interessierte besuchten die Versteigerung.

Bild: Richard Greuter (Stans, 24. April 2021)

Vier Velos gehen nach Luzern

Doch die Nidwaldner waren nicht unter sich. Patrick und Natasa waren mit ihren Kleinen aus Emmenbrücke angereist. «Wir möchten zwei Velos für unsere Kinder», so Vater Patrick. Am Schluss waren es vier. Damit die achtjährige Helena und ihr fünfjähriger Bruder Philip auf den Pumptrack können, ersteigerte der Vater zwei geeignete Kindervelos. Ein weiteres Kindervelo für den Schulweg erhielt Helena und Vater Patrick gönnte sich einen E-Scooter. «In Luzern gibt es keine Veloversteigerung», sagte er.

Ein Käufer bezahlt sein ersteigertes Velo.

Ein Käufer bezahlt sein ersteigertes Velo.

Bild: Richard Greuter (Stans, 24. April 2021)

Nach etwas mehr als einer Stunde hatte auch das letzte herrenlose Vehikel einen neuen Besitzer gefunden. Schmid und sein Team zeigten sich zufrieden. Die meisten Drahtesel gingen mit guten Preisen weg. «Bikes in einem guten Zustand erzielten die besten Preise», so das Fazit von Schmid. Normale Strassenvelos brachten bis etwa 100 Franken und Mountainbikes bis zu 500 Franken ein. Ein E-Bike in gutem Zustand ging für 630 Franken weg.