Nidwalden
Kinder und Eltern haben den Waldkindergarten in Ennetbürgen neu gestaltet

Kindergärtler und ihre Väter und Mütter haben während der Osterferien den Waldkindergarten Ennetbürgen erneuert. Borkenkäfer hatten sich am alten Ort an den Bäumen zu schaffen gemacht.

Sepp Odermatt
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Seit mehr als zehn Jahren darf ein grosser Teil der Ennetbürger Kinder den Unterricht im Waldkindergarten besuchen. «Das ist ein grosses Privileg und ein Glücksfall für unser Dorf», sagt Gemeinderätin Katja Durrer. Sie bekomme von den Eltern und vom Umfeld der Schule nur positive Rückmeldungen, was auch auf die ausgezeichnete Qualität der Lehrpersonen zurückzuführen sei, sagt die Verantwortliche der Schule Ennetbürgen. Etwa die Hälfte der Kinder entscheidet sich jeweils für den Wald, wo der Unterricht während mehrerer Monate zwischen Buchen und Tannen stattfindet. Egal ob Sonne, Regen, Wärme oder Kälte – man trifft sich im Honeggwald zum Spielen und Lernen. Einzig in der Winterpause, von November bis Februar, sind die Kinder in der warmen Schulstube im Dorf anzutreffen.

Allerdings hat im Verlauf der Jahre der Borkenkäfer an den schattenspendenden Bäumen kräftig genagt, sodass ein neuer Platz für die Arena gesucht werden musste. Mit viel Engagement und grosser Begeisterung haben die beiden Lehrpersonen Rahel Christen und Martin Berger das Zepter in die Hand genommen und ein neues «Waldsofa» geplant. Die Bewilligung der Schule kam umgehend – und auch der Revierförster und Waldpädagoge Ruedi Scherer gab grünes Licht.

20 Kinder halfen tatkräftig mit

Nun musste das Projekt nur noch realisiert werden. «Wir haben die Eltern informiert und sie gebeten, uns während der Osterferien zu helfen – selbstverständlich mit ihren Kindern zusammen», erzählt Rahel Christen. An den beiden Arbeitstagen erschienen rund 20 Kinder zur freiwilligen Unterstützung, zusammen mit ihren Vätern, Müttern, Grossvätern oder Göttis und legten kräftig Hand an. Auch Förster Ruedi Scherer war im Einsatz und schnitt fachmännisch die Haseläste heraus, die für den Umbau benötigt wurden. Klassenlehrer Martin Berger, der das Projekt leitete und koordinierte, zeigte sich hoch erfreut: «Ich bin vom guten Gelingen positiv überrascht und freue mich riesig, wenn ich die Kinder im neu gestalteten Reich erlebnispädagogisch begleiten darf.» Zur Belohnung gab es für die Helferinnen und Helfer zum Mittagessen eine feine Gemüsesuppe und Würstchen, zubereitet und gespendet von einem Grossvater.

Rahel Christen und Martin Berger sind als engagierte Lehrpersonen im Einsatz.

Rahel Christen und Martin Berger sind als engagierte Lehrpersonen im Einsatz.

Bild: Sepp Odermatt (Ennetbürgen, 19. April 2021)

Am Montag stiegen die erwartungsvollen Kinder voller Begeisterung aus dem Schulbus, der sie zum Waldkindergarten gebracht hatte. Ihre Augen glänzten, als sie das neu erstellte, grosszügige «Waldsofa» sahen. Ein grosser Teil von ihnen hatte selber an diesem Projekt mitgearbeitet. Und darauf sind die Kinder besonders stolz. Schnell suchten sie ihr Namensschild und nahmen auf dem entsprechenden Hocker Platz. Nach einer kurzen Begrüssung und einigen Erklärungen, was sich alles verändert hat im Waldkindergarten, sangen die Kinder für die beiden «Gschpändli», die heute krank sind, ein aufmunterndes Lied. Danach wurde in Gruppen gearbeitet und gespielt.

Auf ihrem neuen «Waldsofa» fühlen sich die Kinder wohl.

Auf ihrem neuen «Waldsofa» fühlen sich die Kinder wohl.

Bild: Sepp Odermatt (Ennetbürgen, 19. April 2021)

Die Erinnerungen werden bleiben

Normalerweise kochen die Kinder mit ihren Lehrpersonen das Mittagessen jeweils am Montag selber. Nicht so an diesem Montag: Der Grossvater eines Mädchens bringt die besten Älplermagronen, was natürlich sehr geschätzt wird. Am Dienstag und Donnerstag wird das Essen geliefert. Für die Kosten kommen die Eltern auf.

Rahel Christen und Martin Berger hören den Kindern zu, helfen ihnen, geben Anweisungen und Tipps, animieren und organisieren, sodass der Tag im Waldkindergarten zum Erlebnis wird. Schon bald aber ist das Schuljahr zu Ende, und sie müssen sich von rund der Hälfte der Kleinen verabschieden. Dann werden die Vollzeitkindergärtler als «grosse» Erstklässler den Platz im Schulzimmer einnehmen und sich gerne an die Spiele und Ereignisse im Waldkindergarten erinnern.