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NIDWALDEN: Klavierhändler weist Vorwürfe zurück

Ein Klavier­händler steht vor Gericht. Er soll gewusst haben, dass seine weiterverkauften Pianos gestohlen waren. Der Beschuldigte streitet dies ab.
Ein Klavierhändler soll gestohlene Pianos weiterverkauft haben. (Bild Roger Zbinden)

Ein Klavierhändler soll gestohlene Pianos weiterverkauft haben. (Bild Roger Zbinden)

Oliver Mattmann

Ist ein Klavierhändler aus Nidwalden in die Falle von Ganoven getappt, oder hätte er merken müssen, dass es beim Deal mit zwei neuen Pianos nicht mit rechten Dingen zuging? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Kantonsgericht in einer Verhandlung von heute Mittwoch. Doch wie hat sich der Fall überhaupt abgespielt? Es geschah im Juli 2011: Der inzwischen 85-jährige Klavierhändler erhielt einen Flügel geliefert von derselben Transportfirma aus Deutschland, mit der er schon jahrelang zu tun hatte.

Chauffeure wurden verurteilt

Dieses Mal aber traten die beiden Chauffeure unverblümt mit einem weiteren Angebot an ihn heran: zwei neue Pianos, wobei sie angaben, dass es sich um «Liquidationsware» handle, wie dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft zu entnehmen ist. Die Mitarbeiter der Trans­portfirma und der Händler einigten sich schliesslich auf einen Preis von 6000 Franken für beide Instrumente. Später stellte sich heraus, dass die Chauffeure die Pianos bei ihrer Arbeitgeberin entwendet hatten. Das Duo wurde inzwischen in Deutschland rechtskräftig verurteilt. Der beschuldigte Nidwaldner stellt sich auf den Standpunkt, dass er keine Kenntnis davon haben konnte, dass es sich bei den angebotenen Pianos um Diebesgut handelte. Anderer Meinung ist die Staatsanwaltschaft. «Der langjährige Klavierhändler wusste oder musste zumindest annehmen, dass die beiden Pianos gestohlen waren oder sonst aus einer strafbaren Handlung herrührten. So wusste er aufgrund seiner Erfahrung, dass Chauffeure keine neuen Pianos gegen Bargeld verkaufen konnten», steht im Strafbefehl.

Expertise zu Preisen erstellt

Auch hätte ihm auffallen müssen, dass keine Speditionspapiere vorlagen, die sonst der Norm entsprechen. Zudem sei er seit mehreren Jahrzehnten in diesem Business tätig und deshalb mit den marktüblichen Preisen bestens vertraut. Spätestens da hätten bei ihm die Alarmglocken läuten müssen. «Der Beschuldigte hat in den Befragungen indes stets angegeben, dass es sehr wohl möglich ist, aus Liquidationen Klaviere zu diesem Preis zu erhalten», sagt die zuständige Kantonsgerichtspräsidentin Corin Brunner-Siegrist auf Anfrage.

Der Listenpreis für die beiden Pianos betrug 2011 rund 14 000 respektive 15 800 Franken. Auch für Händler seien beide zusammen nicht unter 18 900 Franken erhältlich, wie die renommierte Yamaha Music Europe GmbH gegenüber der Staatsanwaltschaft festhielt. Aus dieser Optik scheint der Klavierhändler kein schlechtes Geschäft abgeschlossen zu haben: Die beiden für 6000 Franken erstandenen Pianos hat er für 10 400 sowie 10 800 Franken weiterverkauft.

Geldstrafe beantragt

Die Staatsanwaltschaft fordert nun, den Klavierhändler der Hehlerei schuldig zu sprechen und ihn mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 100 Franken zu belegen. Die Strafe verfällt allerdings, sollte er sich in der Probezeit von zwei Jahren nichts weiter zu Schulden kommen lassen. Zudem sei der Beschuldigte mit einer Busse von 2000 Franken zu bestrafen. Daneben tritt auch die Transportfirma als Privatklägerin auf. Sie verlangt vom Beschuldigten eine Rückzahlung im Wert der beiden Pianos sowie Schadenersatz für die Aufwendungen zur Aufklärung der Diebstähle, wie Gerichtspräsidentin Corin Brunner festhält. Der Klavierhändler bestreitet alle Vorwürfe. Er plädiert auf nicht schuldig.

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