NIDWALDEN: Kleine Luftseilbahnen kämpfen um ihre Existenz

Mehrere kleine Seilbahnen müssen für viel Geld saniert werden. Für die Betreiber eine schier unlösbare Hürde. Nun wollen sie den Kanton um Hilfe bitten.

Matthias Piazza
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Alois Odermatt bei der Bergstation der Seilbahn auf die Alp Sinsgäu. (Bild Matthias Piazza)

Alois Odermatt bei der Bergstation der Seilbahn auf die Alp Sinsgäu. (Bild Matthias Piazza)

In kleinen, roten Gondeln gehts vom Fell oberhalb von Wolfenschiessen hinauf zum Spies. Dann wirds noch abenteuerlicher. Der Gast steigt in ein offenes Holz-Blech-Gefährt, um hoch auf die Alp Sinsgäu zu gelangen. Nidwalden ist voll von solchen originellen Kleinluftseilbahnen, die maximal acht Personen befördern. Viele sind zu Zeiten gebaut worden, als höher gelegene Höfe noch nicht mit Strassen erschlossen waren. Kinder benutzen diese Bahnen auf ihrem Schulweg. Aber auch Wanderer steigen ein, um ihren Weg abzukürzen oder das Adrenalin ansteigen zu lassen.

Indes: Die Zukunft dieser Mini-Seilbahnen ist ungewiss. Viele sind in die Jahre gekommen. Teure Reparaturen stehen an. «Auf unsere Alpgenossenschaft kommen Kosten von 10 000 Franken zu, um den Betrieb für die nächsten zwei Jahre aufrechtzuerhalten», meint Alois Odermatt, der als Erster Bannwart die eingangs erwähnte Seilbahn Spies–Sinsgäu mit Baujahr 1979 verwaltet. Eine Gehänge- und Laufwerkrevision steht bevor. Je nachdem fallen teure Reparaturen an. «Manchmal haben wir das Gefühl, die gesetzlichen Vorschriften seien lediglich auf grosse Seilbahnen ausgelegt», meint Alois Odermatt. Natürlich sei ihm aber bewusst, dass die Sicherheit der Gäste an oberster Stelle stehe.

Bei Wanderern sehr beliebt

Die Kosten aber seien für die Betreiber von derartigen Bahnen, vielfach Landwirte, eine grosse Belastung. So auch für Klara von Büren, die mit ihrem Mann das Restaurant Langbodenstübli in Wiesenberg führt. Sie müssten gar rund eine halbe Million Franken in die Erneuerung der Seilbahn aufs Eggli stecken. «Das rentiert nicht.» Ende Sommer sei Schluss.

Weil im Fall von Alois Odermatt mittlerweile eine Erschliessungsstrasse gebaut wurde, gibt es keine landwirtschaftlichen Beiträge mehr vom Kanton. Auch hier lag die Stilllegung der Bahnen bereits in der Luft. «Doch verschiedene Leute kamen auf mich zu und drückten ihren Wunsch aus, die Seilbahnen zu erhalten», erzählt er. «Vor allem touristisch wäre die Stilllegung ein Verlust. Ohne die Bahn sind viele beliebte Wanderrouten gar nicht mehr möglich.»

Kampf gegen Überreglementierung

Alois Odermatt setzt sich nun aktiv in einer Arbeitsgruppe ein, der auch Niklaus Reinhard, Vorstandsmitglied der Genossenschaft der Dallenwil-Wiesenberg-Bahn angehört. «Wir wollen beim Kanton vorstellig werden und eine Lösung suchen, um den Betrieb längerfristig aufrechterhalten zu können. Es wäre schade, wenn solche Bähnli mit der Zeit von der Landkarte verschwinden – vor allem für den Tourismus», meint der Hergiswiler FDP-Landrat, der sein Engagement mehr mit Solidarität denn als Betroffener begründet. Weitere Seilbähnli-Besitzer sollen zur Gruppe stossen, die erste Versammlung ist auf Mitte November geplant. Dann will man das weitere Vorgehen besprechen. «Solche Kleinseilbahnen sind Kulturgut und muss man erhalten», so Reinhard. Zudem wolle er auch seine Haltung gegen die «allgemein grassierende Überreglementierung» zum Ausdruck bringen.

Zukunft von Bergbetrieben offen

Urs Braschler, im Kanton Nidwalden für die Konzession der Kleinseilbahnen zuständig und Präsident des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte (IKSS), macht mehrere Gründe für die Probleme aus. Bahnen, die vor 40 oder 50 Jahren gebaut worden sind, zeigen Abnützungserscheinungen und müssen erneuert werden, um die Sicherheit weiter zu gewährleisten. Mit den zunehmenden Strassen stehen für anstehende Sanierungen der Seilbahnen aber keine Beiträge mehr zur Verfügung. Doppelerschliessungen werden von der öffentlichen Hand nicht subventioniert.

Besitzer können Gesuch stellen

Laut Urs Braschler ist momentan bei einer Hand voll der rund 30 Kleinseilbahnen die Situation akut. Sofern es die Sicherheit erlaubt, hat man bisher nach Übergangslösungen gesucht. Eine andere Option wäre, beim Regionalentwicklungsverband Nidwalden & Engelberg ein Gesuch zu stellen für ein zinsloses Darlehen aus Geldern der Neuen Regionalpolitik (NRP) – sofern die Bahnbetreiber nicht schon landwirtschaftliche Beiträge zur Strukturverbesserung erhalten. Allerdings gibts via NRP nur für die Infrastruktur Darlehen und keine Beiträge an den Betrieb. «Bedingung ist, dass die Bahn wirtschaftlich tragbar ist», erklärt Philipp Zumbühl, Direktionssekretär der Volkswirtschaftsdirektion.

Matthias Piazza

Uri: Landrätin fühlt Puls der Regierung

map. Auch im Kanton Uri ist das Thema aktuell. Die Andermatter CVP-Landrätin Frieda Steffen fordert in einem Vorstoss, dass der Kanton zu den Seilbahnen Sorge trägt. Wegen der steigenden Anforderungen des Bundes an die Sicherheit und den Unterhalt ergäben sich immer häufiger finanzielle Engpässe. Sie will wissen, ob die Bahnen mit Geldern aus der Neuen Regionalpolitik oder anderen finanziellen Mitteln unterstützt werden können.