NIDWALDEN: Kollegilehrer bekämpfen das Schulgeld

Künftig sollen Eltern von Gymnasiasten Schulgeld entrichten. Das ruft die Mittelschullehrer auf den Plan. Sie wollten einen Antrag einreichen, warten nun aber ab.

Oliver Mattmann
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Das Kollegi in Stans. (Bild: Archiv Matthias Piazza / Neue NZ)

Das Kollegi in Stans. (Bild: Archiv Matthias Piazza / Neue NZ)

Oliver Mattmann

Es ist absehbar, dass der Landrat an seiner morgigen Sitzung das Massnahmenpaket zur Sanierung der Kantonsfinanzen definitiv absegnen wird. Bereits haben die Grünen für diesen Fall drei Referenden angedroht, so auch gegen die Einführung eines Schulgelds ab dem 10. Schuljahr (Ausgabe vom Samstag). Auch der Mittelschullehrerverband Nidwalden (MLN) bekämpft die geplante Massnahme, wie aus einem Brief an die Landräte hervorgeht, der unserer Zeitung vorliegt. Ihre Intervention gegen ein Schulgeld von jährlich 500 Franken in der gymnasialen Oberstufe (4. bis 6. Klasse) begründen sie damit, dass «wir uns verpflichtet fühlen mitzuhelfen, dass unsere Schüler unter fairen finanziellen Bedingungen die Matura machen können».

Unterschied bei Materialkosten

Bloss: Ein Blick auf andere Zentralschweizer Kantone zeigt, dass ein Schulgeld in dieser Höhe durchaus Standard ist. Das mag stimmen, doch der MLN gibt zu bedenken, dass «Nidwalden der einzige Kanton sein wird, in dem die Eltern auch die Materialkosten in der gymnasialen Unterstufe bezahlen müssen». Und gemäss Berechnungen belaufen sich diese eben gerade um die 500 Franken. In Uri, Luzern oder Obwalden übernehme beispielsweise der Staat diese Kosten oder richte eine Pauschale an die Eltern aus.

Nicht zu vergessen seien auch Ausgaben für obligatorische Exkursionen oder Bildungsreisen, die für die Eltern zusätzlich anfallen. «Sollte das Schulgeld ab der 10. Klasse dazukommen, könnten aus finanziellen Gründen wohl nicht mehr alle Nidwaldner Jugendlichen am Kollegium studieren, auch wenn sie die Begabung dazu hätten», fürchtet MLN-Präsident Felix Mattenberger mit Blick auf Schüler, die teils aus bescheidenen Verhältnissen kommen. Das Stipendienwesen greife hier nicht in allen schwierigen Fällen, weil es bei den Beiträgen im schweizweiten Vergleich einen der letzten Plätze einnehme. «Familien mit Kindern, die an der Mittelschule interessiert sind, werden es sich zweimal überlegen, ob sie in Nidwalden Wohnsitz nehmen», ortet er zudem einen Standortnachteil für den Kanton.

Ertrag bescheiden, Preis dafür hoch

Nach Angaben der Regierung würde die Einführung eines Schuldgeldes jährliche Einnahmen von 150 000 Franken generieren. Ein «bescheidener Ertrag zu einem hohen Preis», lautet Mattenbergers Kommentar dazu. Fraglich ist für ihn auch, ob von einem jetzigen Viertklässler in der 5. und 6. Klasse plötzlich Schulgeld verlangt werden kann oder ob eine Übergangsfrist von drei Jahren notwendig ist. Vielleicht sehe die finanzielle Lage des Kantons dann schon wieder besser aus, mutmasst er.

Ursprünglich wollte der Mittelschullehrerverein morgen über Landratsmitglieder den Antrag auf Verzicht eines Schulgeldes einreichen. Wäre dieser abgelehnt worden, hätten sie als Kompromiss in einem weiteren Antrag gefordert, dass der Kanton zumindest während der obligatorischen Schulzeit für die Schulmaterialkosten aufkommt und diese nicht auf die Eltern abwälzt. «Es hat sich aber bereits im Vorfeld gezeigt, dass unsere Anträge bei den bürgerlichen Parteien keine Chancen haben werden», begründet MLN-Sprecher Rafael Schneuwly den Rückzug des Mittelschullehrervereins. Zudem habe sich mit dem angekündigten Referendum der Grünen eine neue Ausgangslage ergeben. «Wir warten nun ab und verfolgen mit Interesse, was die Parteibasis der Grünen effektiv beschliessen wird», so Schneuwly.