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NIDWALDEN: Lawinen-Fall zieht sich weiter hin

Fahrlässige Tötung? Der tödliche Lawinenunfall am Stanserhorn wurde gestern am Obergericht neu aufgerollt – und dann doch wieder vertagt.
Rot eingezeichnet ist die Stelle, wo sich am 24. Februar 2012 am Stanserhorn die Lawine gelöst hatte. Es ist das Gebiet Bluematt/Chalcherli. (Bild: Kapo Nidwalden)

Rot eingezeichnet ist die Stelle, wo sich am 24. Februar 2012 am Stanserhorn die Lawine gelöst hatte. Es ist das Gebiet Bluematt/Chalcherli. (Bild: Kapo Nidwalden)

Kurt Liembd

Auch vier Jahre nach dem Bau liegt über der Weltneuheit Cabrio-Bahn immer noch ein grauer Schatten. Noch immer ist der Prozess zum Lawinenunglück vom Februar 2012 nicht abgeschlossen, bei dem ein Baggerführer der Genossenkorporation Stans ums Leben kam (siehe Kasten). Die Frage lautet: Schuldig oder nicht schuldig der fahrlässigen Tötung? Darum dreht sich alles in diesem langwierigen Prozess.

Die Staatsanwaltschaft entschied in erster Instanz im Fall eines Mitarbeiters der Stanserhorn-Bahn per Strafbefehl auf schuldig, das Kantonsgericht auf unschuldig, das Obergericht wieder auf schuldig. Und das Bundesgericht hat diesen Schuldspruch wieder aufgehoben und die Akten ans Obergericht zur Neubeurteilung zurückgesandt – mangels ausführlicher Begründung.

Zweieinhalb Stunden lang befragt

Gestern traf sich das Obergericht zur Neuverhandlung. Aufgeboten zur Befragung, und das ist neu, war Stephan Harvey, Lawinenspezialist beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos. Während voller zweieinhalb Stunden ohne Pause wurde Harvey mit Fragen gelöchert, erst von Gerichtspräsident Albert Müller, danach von Staatsanwalt Alexandre Vonwil und von Verteidiger André Britschgi. Die Befragung spielte sich auf sehr hohem Niveau ab, wie selbst Staatsanwalt Vonwil gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Man musste schon sehr gute Kenntnisse über Lawinen haben, um dem Inhalt der Befragung vollständig folgen zu können. Es ging dabei um Themen wie Gleitschneelawinen, Meteorologie, Schneestrukturen, Wetterprognosen, Temperaturen, Schneeoberflächen oder Einfluss von Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung auf den Schnee.

Dies alles diente dazu, der Frage auf den Grund zu kommen, ob den Sicherheitsverantwortlichen der Stanserhorn-Bahn ein Verschulden trifft. Dieser hatte am Vorabend des Unglückstages die Strasse zum Unglücksort gesperrt und dies abends um 21.07 Uhr per E-Mail mitgeteilt. Leider hatte er dabei vergessen, die Korporation Stans, welche für die Schneeräumung zuständig ist, in den E-Mail-Verteiler zu nehmen. Deshalb wussten am andern Tag die drei Angestellten der Korporation nichts von dieser Sperrung, einer von ihnen kam dabei ums Leben. Juristisch gesehen geht es dabei auch um die Frage, ob der Sicherheitsverantwortliche eine Garantenpflicht gegenüber der Korporation Stans habe und ob er den Lawinenniedergang hätte voraussehen müssen.

Fortsetzung im Januar 2016

Nach der gestrigen Befragung des Lawinenexperten hätten noch die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung folgen sollen. Doch so weit kam es nicht. Verteidiger André Britschgi stellt den Antrag, auch den Förster der Korporation Stans, der vom Obergericht freigesprochen wurde, als Zeugen zu vernehmen.

Nach einer kurzen Beratung hat das Obergericht diesem Antrag stattgegeben und den Prozess abgebrochen. «Die Verhandlung wird im Januar 2016 fortgesetzt», erklärte Gerichtspräsident Albert Müller.

Ein Baggerführer wurde getötet

Stanserhorn KL. Das Lawinenunglück ereignete sich am 24. Februar 2012. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Cabrio-Bahn der Stanserhorn-Bahn führte die Genossenkorporation Stans diverse Aufträge aus. Ein 33-jähriger einheimischer Baggerführer wurde dabei von einer Lawine erfasst und getötet. In der Folge klagte die Staatsanwaltschaft Nidwalden den Förster der Korporation und den Sicherheitsverantwortlichen der Stanserhorn-Bahn wegen fahrlässiger Tötung an.

Am 24. September 2013 sprach das Kantonsgericht Nidwalden beide Angeklagten frei, worauf die Staatsanwaltschaft den Fall ans Obergericht zog. Am 3. April 2014 bestätigte das Obergericht Nidwalden den Freispruch für den Förster der Genossenkorporation, verurteilte jedoch den Mitarbeiter der Stanserhorn-Bahn wegen fahrlässiger Tötung. Die Stanserhorn-Bahn akzeptierte dieses Urteil nicht und gelangte ans Bundesgericht in Lausanne.

Dieses hob den Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung mangels ausführlicher Begründung auf und rügte die Ausführungen des Nidwaldner Obergerichtes. Gleichzeitig schickte das Bundesgericht die Unterlagen zur Neubeurteilung nach Stans zurück.

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