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NIDWALDEN: Linker Zürcher versucht Paroli zu bieten

Die Ausgangslage für den 18. Oktober macht neugierig. Dies zeigte ein Wahlpodium. Drei vertraute Gesichter, ein Zürcher und ein kurioser Einzelkämpfer traten an.
Oliver Mattmann
Journalisten unter sich: Die Nationalratskandidaten Andreas Fagetti (links) und Peter Keller. (Bild Roger Zbinden)

Journalisten unter sich: Die Nationalratskandidaten Andreas Fagetti (links) und Peter Keller. (Bild Roger Zbinden)

Oliver Mattmann

War es die brisante Ausgangslage CVP (Therese Rotzer) gegen FDP (Hans Wicki) um den Ständeratssitz? Oder die spezielle Konstellation bei der Nationalratswahl mit dem Zürcher «Wochenzeitung»-Redaktor Andreas Fagetti als Last-Minute-Kandidat? Oder war es die sonderbare Erscheinung in der Person von Sepp Käslin, selbst ernannter Kandidat um die Nachfolge von Paul Niederberger (CVP) in die Kleine Kammer? Vermutlich von allem etwas. Das Wahlpodium unserer Zeitung vom Freitagabend lockte jedenfalls gegen 260 Zuhörer in den bis auf den letzten Platz gefüllten «Engel»-Saal in Stans.

Das Wahlpodium 2015 für den Stände- und Nationalrat (von links): Die Nationalratskandidaten Andreas Fagetti und Peter Keller, Moderator Markus von Rotz sowie die Ständeratskandidaten Therese Rotzer und Hans Wicki. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Sie werden das Rennen um den Ständeratssitz unter sich ausmachen: Therese Rotzer (im Gespräch mit Moderator Markus von Rotz)... (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
und Hans Wicki. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Journalisten unter sich: Die Nationalratskandidaten Andreas Fagetti (links) und Peter Keller. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Es ist schwierig, seine Kandidatur ernst zu nehmen: Sepp Käslin im Gespräch mit Markus von Rotz. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Wem würden Sie die beiden Badges fürs Bundeshaus geben? Keller: Ich bin einer von 20 Bundesparlamentariern, die ihre Zutrittskarten nicht vergeben. Fagetti: Einem Lobbyisten würde ich keinen Badge geben, die haben im Bundeshaus nichts zu suchen. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Rotzer: Meinem Mann und allenfalls meinem Sohn. Wicki: Ein Badge kann ein Türöffner sein. Ich würde es situativ handhaben. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Wie würden Sie die Nidwaldner charakterisieren? Fagetti: Das, was ich mitbekommen habe, erinnert mich an meine Heimatregion Rheintal. Dort herrschte auch ein rauer Ton. Keller: Direkt. Rotzer: Offen und sympathisch. Wicki: Geerdet und ehrlich. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Es war praktisch ein unmögliches Unterfangen, mit Sepp Käslin ein vernünftiges Gespräch zu führen. Bei politischen Fragen driftete er immer wieder ab, gab wirre Aussagen von sich. Das Einzige, das sich herausziehen liess: «Ich kann die Bauern vertreten. Ich würde mich für mehr Zulagen für die Bergbauern gegenüber den Flachländlern einsetzen.» Ansonsten weckte der 68-Jährige nicht ansatzweise den Anschein, ein ernst zu nehmender Gegner von Therese Rotzer und Hans Wicki zu sein. Offenbar war ihm dies zumindest zu einem Teil auch bewusst, als er ins Publikum rief: «Ich bin Politcabaret. Jetzt ist es lustig, nachher sitze ich unten und bin ruhig.» Seine Aufforderung nach einem Schlussapplaus blieb unerhört. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Von den eigentlichen Podiumsteilnehmern fiel hingegen keiner ab. Der Gesprächsabend zeigte auch, dass sie sich bei gewissen Themen einig sind. So sprachen sich Rotzer, Wicki, Keller und Fagetti gegen einen EU-Beitritt aus und orteten beim NFA erhebliche Mängel. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Bei Umwelt- oder Sozialfragen wurde hingegen Fagettis Sonderrolle als Linker offensichtlich: Als Einziger befürwortete der WOZ-Journalist Mindestlöhne oder das Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene für Ausländer, die schon zehn Jahre in der Schweiz leben. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
«Weltwoche»-Journalist Keller nahm wie gewohnt kein Blatt vor den Mund: «Die europäische Asyl- und Migrationspolitik gibt es zwar, aber sie funktioniert nicht.» Längst nicht alle Staaten würden das Schengen-Dublin-Abkommen umsetzen. Das Scheitern werde in der jetzigen Phase deutlich sichtbar. Faktisch habe die Schweiz Verträge mit der EU, diese würden aber nicht eingehalten. «Deshalb sollte die Schweiz Massnahmen ergreifen.» (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Der linksorientierte Fagetti, der abermals betonte, die Nidwaldner Stimmbevölkerung mit seiner Kandidatur nicht verulken zu wollen, bezeichnete den Nahen Osten als «Pulverfass». Das, was Europa und Amerika dort gesät hätten, «kommt nun zurück». Er fürchtet, dass der Bürgerkrieg auch auf die Türkei übergreifen könnte. Und er stört sich daran, dass das rechte Lager immer wieder argumentiere, die Schweiz werde von «Wirtschaftsflüchtlingen» heimgesucht. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Die Bilder von Flüchtlingsdramen machen Therese Rotzer betroffen und gleichzeitig Angst – «Angst, wenn man sich das Ausmass vor Augen führt». Zwei Millionen Menschen rund um Syrien hätten nur einen Gedanken: Sie wollen nach Nordeuropa. Das Problem werde noch andauern. Das Schlimme daran: «Es gibt keine einfachen Lösungen.» (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Auch Hans Wicki hielt fest, «dass Gesamteuropa gefordert ist in dieser Ausnahmesituation». Solidarität sei nicht nur bei der Aufnahme von Flüchtlingen gefragt, sondern auch bei der Suche nach Lösungen, damit sich solche Krisen nicht wiederholen. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Die Kandidaten selbst sorgten mit einigen Aussagen ebenfalls für Erheiterung im Publikum. So sagte Andreas Fagetti, der sich in Bern am «ehesten den Grünen» anschliessen würde, auf die Frage eines Zuschauers, ob er einem zweiten SVP-Bundesrat die Stimme geben werde: «Wenn ein zweiter SVP-Vertreter, dann eine wirklich liberale Figur.» (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Was Peter Keller dazu bewog, «von Journalist zu Journalist» nachzufragen: «Wer wäre denn so eine liberale Figur?» Darauf Fagetti: «Jene, die in Frage kommen, sind alle in die BDP abgewandert.» (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Nicht verheimlichen konnte er, dass er über Nidwalden bislang nur wenig weiss. So gab Fagetti zu, einen Bratchäs – ein Geschenk seines Gegners bei einer früheren Begegnung – einfach so gegessen zu haben, «wie er ist». Was Therese Rotzer prompt dazu veranlasste, ihn zu einem Brachtchäs-Kochkurs einzuladen. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Das Wahlpodium unserer Zeitung vom Freitagabend lockte gegen 260 Zuhörer in den bis auf den letzten Platz gefüllten «Engel»-Saal in Stans. (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
Gesprächsleiter Markus von Rotz (Bild: Roger Zbinden / Neue NZ)
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Wahlpodium in Stans

Flüchtlingskrise ein grosses Thema

Bevor die vier ernst zu nehmenden Kandidaten ins Rampenlicht traten, erhielt Sepp Käslin – wie zuvor mit ihm abgemacht – Redezeit in Form eines Interviews mit Gesprächsleiter Markus von Rotz, Redaktionsleiter unserer Zeitung. Allerdings vermochte der 68-jährige Doktor in Naturwissenschaften diese Gelegenheit nicht zu nutzen, um Werbung in eigener Sache zu machen (siehe Kasten). Zwischen ihm und den anderen Protagonisten lagen Welten.

Ein Problem, das zurzeit fast die ganze Welt beschäftigt, war dann Ausgangspunkt für eine ausgiebige Diskussion auf der Bühne zwischen dem parteilosen Andreas Fagetti (55) und dem amtierenden SVP-Nationalrat Peter Keller (44) sowie CVP-Landrätin Therese Rotzer (50) und FDP-Regierungsrat Hans Wicki (51): die Flüchtlingskrise. «Weltwoche»-Journalist Keller nahm wie gewohnt kein Blatt vor den Mund: «Die europäische Asyl- und Migrationspolitik gibt es zwar, aber sie funktioniert nicht.» Längst nicht alle Staaten würden das Schengen-Dublin-Abkommen umsetzen. Das Scheitern werde in der jetzigen Phase deutlich sichtbar. Faktisch habe die Schweiz Verträge mit der EU, diese würden aber nicht eingehalten. «Deshalb sollte die Schweiz Massnahmen ergreifen.»

Der linksorientierte Fagetti, der abermals betonte, die Nidwaldner Stimmbevölkerung mit seiner Kandidatur nicht verulken zu wollen, bezeichnete den Nahen Osten als «Pulverfass». Das, was Europa und Amerika dort gesät hätten, «kommt nun zurück». Er fürchtet, dass der Bürgerkrieg auch auf die Türkei übergreifen könnte. Und er stört sich daran, dass das rechte Lager immer wieder argumentiere, die Schweiz werde von «Wirtschaftsflüchtlingen» heimgesucht. «Ich bin selber schon in diese Gegenden gereist. Freiwillig ergreifen dort die wenigsten die Flucht. Die Menschen leben gerne dort, auch wenn sie arm sind.» Keller wandte ein, die wenigsten Asylgesuche in der Schweiz stammten von Syrern oder Irakern.

Rotzers Angst, Wickis Zuversicht

Die Bilder von Flüchtlingsdramen machen Therese Rotzer betroffen und gleichzeitig Angst – «Angst, wenn man sich das Ausmass vor Augen führt». Zwei Millionen Menschen rund um Syrien hätten nur einen Gedanken: Sie wollen nach Nordeuropa. Das Problem werde noch andauern. Das Schlimme daran: «Es gibt keine einfachen Lösungen.» Auf der einen Seite spüre man den Drang, diesen Leuten zu helfen. Auf der anderen Seite wisse man, dass man nicht alle Flüchtlinge aufnehmen könne. «Dies würde zu sozialen Spannungen und Fremdenhass in der Schweiz führen.» Sie hoffe, dass sich Europa finden werde in dieser Frage.

Auch Hans Wicki hielt fest, «dass Gesamteuropa gefordert ist in dieser Ausnahmesituation». Solidarität sei nicht nur bei der Aufnahme von Flüchtlingen gefragt, sondern auch bei der Suche nach Lösungen, damit sich solche Krisen nicht wiederholen. «Ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird und man irgendwann wieder zum Courant normal übergehen kann.» Man müsse sich aber nichts vormachen: «Es wird immer Menschen geben, die aus irgendwelchen Motiven in andere Länder gehen wollen.» Diese Problematik werde sich nicht in Luft auflösen, doch Europa werde aus der gegenwärtigen Situation seine Lehren ziehen.

Sozialfragen machen Unterschied

Der Gesprächsabend zeigte, dass die Kandidaten bei bestimmten politischen Themen durchaus «nidwaldnerische» Ansichten teilen – selbst der Zürcher Fagetti, der für seine teils pointierten und direkten Aussagen von einem Grüppchen Zuhörer sporadisch Applaus erntete. So sprachen sich alle Podiumsteilnehmer, von denen übrigens keiner abfiel, gegen einen EU-Betritt aus oder orteten erhebliche Mängel beim NFA, in den Nidwalden laufend höhere Summen einspeisen muss. Die Spreu vom Weizen trennte sich wie erwartet bei Umwelt- oder Sozialfragen. So bejahte Fagetti als Einziger die Frage, ob Ausländern, die schon zehn Jahre in der Schweiz leben, das Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene zugesprochen werden soll. Ebenso würde der «WoZ»-Journalist gesetzlich verankerte Mindestlöhne von 4000 Franken begrüssen, die bürgerlichen Keller, Rotzer und Wicki hingegen vertreten eine andere Haltung. Dasselbe Resultat bei der zweiten Gotthardröhre: Die drei heimischen Politiker können das Vorhaben unterstützen, der als Gegenpol wirkende Fagetti will beim Status quo bleiben. Seine simple Begründung: «Mehr Strassen ziehen mehr Verkehr an.»

Bratchäs-Kochkurs für Fagetti

Zwischen allen politischen Wortgefechten durften am Podium aber auch lockere Intermezzi Platz haben, darunter etwa die Frage, wem sie mit ihren Badges Zutritt verschaffen würden ins Bundeshaus (siehe Kasten). Die Kandidaten selbst sorgten mit einigen Aussagen ebenfalls für Erheiterung im Publikum. So sagte Andreas Fagetti, der sich in Bern am «ehesten den Grünen» anschliessen würde, auf die Frage eines Zuschauers, ob er einem zweiten SVP-Bundesrat die Stimme geben werde: «Wenn ein zweiter SVP-Vertreter, dann eine wirklich liberale Figur.» Was Peter Keller dazu bewog, «von Journalist zu Journalist» nachzufragen: «Wer wäre denn so eine liberale Figur?» Darauf Fagetti: «Jene, die in Frage kommen, sind alle in die BDP abgewandert.» (Gelächter im Saal) Nicht verheimlichen konnte er, dass er über Nidwalden bislang nur wenig weiss. So gab Fagetti zu, einen Bratchäs – ein Geschenk seines Gegners bei einer früheren Begegnung – einfach so gegessen zu haben, «wie er ist». Was Therese Rotzer prompt dazu veranlasste, ihn zu einem Brachtchäs-Kochkurs einzuladen.

Gekocht und die Suppe dann auch ausgegessen wird spätestens am Wahlsonntag vom 18. Oktober. Dann entscheiden die Stimmberechtigten, wessen politischen Rezepte ihnen am meisten geschmeckt haben.

Zwei Müsterchen aus der Fragerunde

Wem würden Sie die beiden Badges fürs Bundeshaus geben?
Keller: Ich bin einer von 20 Bundesparlamentariern, die ihre Zutrittskarten nicht vergeben.
Fagetti: Einem Lobbyisten würde ich keinen Badge geben, die haben im Bundeshaus nichts zu suchen.
Rotzer: Meinem Mann und allenfalls meinem Sohn.
Wicki: Ein Badge kann ein Türöffner sein. Ich würde es situativ handhaben.
Wie würden Sie die Nidwaldner charakterisieren?
Fagetti: Das, was ich mitbekommen habe, erinnert mich an meine Heimatregion Rheintal. Dort herrschte auch ein rauer Ton.
Keller: Direkt.
Rotzer: Offen und sympathisch.
Wicki: Geerdet und ehrlich.

Er veranstaltet «ein Politcabaret»

Es war praktisch ein unmögliches Unterfangen, mit Sepp Käslin ein vernünftiges Gespräch zu führen. Bei politischen Fragen driftete er immer wieder ab, gab wirre Aussagen von sich. Das Einzige, das sich herausziehen liess: «Ich kann die Bauern vertreten. Ich würde mich für mehr Zulagen für die Bergbauern gegenüber den Flachländlern einsetzen.»
Ansonsten weckte der 68-Jährige nicht ansatzweise den Anschein, ein ernst zu nehmender Gegner von Therese Rotzer und Hans Wicki zu sein. Offenbar war ihm dies zumindest zu einem Teil auch bewusst, als er ins Publikum rief: «Ich bin Politcabaret. Jetzt ist es lustig, nachher sitze ich unten und bin ruhig.» Seine Aufforderung nach einem Schlussapplaus blieb unerhört.

Kandidaten messen sich auch im Kollegi

Alle, die das Podium unserer Zeitung verpasst haben oder die Kandidaten nochmals hören wollen, haben am öffentlichen Podiumsgespräch im Kollegi St. Fidelis in Stans neuerlich Gelegenheit dazu. Dieses findet am kommenden Donnerstag, 24. September, um 17.15 Uhr (bis 18.45 Uhr) im Theatersaal statt. Es nehmen sämtliche Nidwaldner Nationalrats- und Ständeratskandidaten daran teil.
Für die Moderation ist Stefan Eiholzer vom Regionaljournal Zentralschweiz verantwortlich. Die Präsentation der Kandidaten wird von Kollegischülern übernommen. Am Gespräch werden unter anderem Themen zur Sprache kommen, welche Jugendliche besonders interessieren. Es können auch Fragen aus dem Publikum gestellt werden.

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