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NIDWALDEN: Mandat in Nidwalden «wäre unzulässig»

Hans Wicki sieht kein Dilemma darin, als Regierungsrat Verwaltungsrat zu sein. Auch wenn es ihm im Fall Pfisterer Kritik eintrug. Die Kollegen sehen es teils anders.
Der Nidwaldner Baudirektor Hans Wicki. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Nidwaldner Baudirektor Hans Wicki. (Bild Corinne Glanzmann)

Martin Uebelhart

«Ein schwieriger Entscheid ist immer schwierig», sagt Baudirektor Hans Wicki (FDP) mit Blick auf seine Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident der Firmen Pfisterer in Altdorf und Malters. Der Verwaltungsrat hat vergangenen Monat entschieden, die Fertigung und Logistik der beiden Standorte nach Tschechien zu verlegen, was einen Abbau von 110 Stellen nach sich ziehen dürfte. Im Kanton Nidwalden setzt sich Hans Wicki nach eigenen Worten für Land und Leute ein: Auf seiner Homepage, die derzeit für seine Ständeratskandidatur umgebaut wird, hiess es denn auch: «Mit der mir eigenen Dynamik setze ich mich für eine Politik ein, die den Kanton als Wohn- und Arbeitsort stärkt und in entscheidenden Fragen einen wesentlichen Schritt weiter bringt.» Und: «Die Übernahme sozialer Verantwortung ist mir wichtig.»

«Nachhaltiger» als abwarten

Wie verträgt sich das mit den Firmenentscheidungen in Altdorf und Malters? Hans Wicki: «Manchmal sind in einem Unternehmen schmerzhafte Eingriffe unausweichlich, um es wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Dies war bei den erwähnten Pfisterer-Firmen der Fall. Das erscheint mir sozialer und nachhaltiger als zuzuwarten, bis den Verantwortlichen am Schluss womöglich nur noch die endgültige Schliessung eines Werks bleibt.»

Ein Dilemma zu seiner Tätigkeit als Regierungsrat sieht Wicki nicht. «Wenn man in einem solchen Gremium ist, muss man verantwortungsbewusst und im Sinne des Unternehmens reagieren», hält er fest. Eine Umstrukturierung oder eine Personalreduktion könne eine Chance sein, ein Unternehmen zu retten. «Ein Dilemma wäre es, wenn ich in einem Nidwaldner Unternehmen im Verwaltungsrat sässe und mit meiner Politik die Firma positiv beeinflussen könnte. Das wäre unzulässig.»

Hauptamt entspricht 80 Prozent

Im Kanton Nidwalden sind die Regierungsräte im Hauptamt angestellt. Gemeinhin geht man davon aus, dass dies einem Beschäftigungsgrad von mindestens 80 Prozent entspricht. Diese Regelung ist vom Gesetzgeber beziehungsweise vom Volk bewusst so gewollt. Darauf weist die Staatskanzlei bei der Liste der Nebenerwerbstätigkeiten der Regierungsmitglieder ausdrücklich hin. Diese sollen neben dem Exekutiv-Pensum die Möglichkeit für eine 20-Prozent-Nebenerwerbstätigkeit haben, die den Regierungsratsmitgliedern den unmittelbaren Kontakt zur Wirtschaft erlaubt und den vollen Wiedereintritt ins Berufs- und Wirtschaftsleben nach Beendigung des politischen Mandats erleichtert.

Vorteil für die Regierung

Insbesondere den ersten Punkt hält Wicki für zentral. «Eine Regierungstätigkeit ist eine anspruchsvolle Tätigkeit und durchaus vergleichbar mit einer Top-Führungsposition in einem Unternehmen.» In einem Unternehmen werde man immer wieder mit den Bedürfnissen des Marktes konfrontiert und zum Überdenken der Prozesse und Kosten gezwungen. Als Regierungsrat erhalte man solche äusseren Anschübe nicht ohne weiteres, so Wicki. Darum sei eine Nebenerwerbstätigkeit in der Wirtschaft eine gute Chance für den Regierungsrat als Gremium und für jedes einzelne Mitglied, ist Wicki überzeugt. «Wenn die Verbindung zur Wirtschaft besteht, läuft man weniger Gefahr, abgehoben aus dem Elfenbeinturm zu politisieren, sich einer Parteidoktrin zu unterwerfen oder sich einfach der Verwaltung anzugleichen», sagt Wicki. Auch in einer Direktion der kantonalen Verwaltung sei es wichtig, sich zu fragen, ob es nicht noch Optimierungspotenzial in den Prozessen gebe, man etwas effizienter und kostengünstiger machen könnte.

Die Chemie muss stimmen

Ein Verwaltungsratsmandat werde erteilt. «Eine Firma sucht jemanden und geht auf die Person zu.» Dann müsse man gegenseitig prüfen, ob es funktioniert. Für Wicki ist klar: «Eine Firma, die eine grössere wirtschaftliche Bedeutung in Nidwalden hat, kommt für mich als Regierungsrat nicht in Frage.» Daneben spielten auch Softfaktoren mit: «Manchmal muss man schwierige und emotionale Entscheidungen treffen. Dazu muss die Chemie im Verwaltungsrat stimmen.» In die Pfisterer-Verwaltungsräte kam Wicki nach seiner Zeit als dortiger Geschäftsführer. «Es war den Verantwortlichen wichtig, nach einer Umstrukturierung und der Pensionierung von Führungskräften nach wie vor von meinem Know-how profitieren zu können.» Das sei eine ideale Kombination mit seiner Regierungstätigkeit.

Filliger: «Erachte es als heikel»

Hans Wicki ist neben den beiden Pfisterer-Mandaten auch noch im Verwaltungsrat der Titlis-Bahnen. Finanzdirektor Alfred Bossard (FDP) ist Verwaltungsrat bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees und Präsident der Stiftung Altersfürsorge Buochs. Gesundheits- und Sozialdirektorin Yvonne von Deschwanden (FDP) sitzt im Spitalrat des Kantonsspitals Luzern. Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger (CVP) hat aktuell kein Verwaltungsratsmandat. «Für mich ist meine Unabhängigkeit zentral», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. «In einer Firma im Kanton Nidwalden könnte ich mir ein Mandat nicht vorstellen. Und auch sonst erachte ich es als heikel, wenn ein Unternehmen einen starken Nidwaldner Bezug hätte.»

Kayser: Nicht jedes Mandat geeignet

Justiz und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser (CVP) könnte sich so ein Mandat sehr gut vorstellen. «Massgebend wäre, um was für ein Unternehmen es sich handelt, wo es spezifische Schnittstellen zu meiner Arbeit als Regierungsrätin und direkt zu meiner Direktion gäbe.» Nicht jedes Verwaltungsratsmandat sei für einen Regierungsrat gleich geeignet. «Sowohl für die Arbeit als Regierungsrat als auch als Verwaltungsrat braucht es eine möglichst grosse Unabhängigkeit. Je nach Direktion und Verwaltungsratsmandat kann diese Unabhängigkeit unterschiedlich sein.» Eine Anfrage habe sie bis jetzt noch nicht erhalten. «Ich habe aber auch nicht gesucht.»

Amstad strebt das nicht an

Ausser seinen Mandaten von Amtes wegen beim Elektrizitätswerk Nidwalden hat Umwelt- und Landwirtschaftsdirektor Ueli Amstad (SVP) keinen Verwaltungsratssitz. «Ich strebe das auch nicht an», sagt er. «Wir haben einen gewissen Spielraum mit dem 80-Prozent-Hauptamt», so Amstad weiter. Diesen brauche er unter anderem auch für die Präsenz und Vorstandstätigkeiten in regionalen beziehungsweise schweizerischen Konferenzen der Regierungen. «Für mich stimmt das so», hält er weiter fest.

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