NIDWALDEN: Mobilfunkantenne: Hergiswil erlaubt Ausnahme

Anstatt beim Kreisel Schlüssel soll die umstrittene Mobilfunkantenne auf dem Dach des Parkhauses Allmendli gebaut werden.

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Die umstrittene Mobilfunkantenne (Bildmitte) beim
Gasthaus Schlüssel wird wohl nicht gebaut. (Bild Kurt Liembd)

Die umstrittene Mobilfunkantenne (Bildmitte) beim Gasthaus Schlüssel wird wohl nicht gebaut. (Bild Kurt Liembd)

Kurt Liembd

Normalerweise sorgen Musikvorträge zu Beginn einer Gemeindeversammlung kaum für Aufsehen. Nicht so in Hergiswil. Mit Begleitung von Gaby Keller am Piano interpretierte die 10-jährige Geigerin Anju Hunziker das «Violinkonzert in ungarischer Weise» des deutschen Komponisten Oskar Rieding. Das Publikum spendete tosenden Applaus. Allein schon dieser Musikvortrag wäre ein Grund gewesen, die Gemeindeversammlung zu besuchen. Ein weiterer Grund könnte auch der anschliessende Apéro riche sein, diesmal mit Köstlichkeiten aus der Gemeinde Silenen UR. Silenen ist die Partnergemeinde von Hergiswil und erhält alljährlich eine Spende von 20 000 Franken aus dem Lopperdorf. Im Vergleich der Finanzkraft geht diese Spende eher unter die Kategorie «kleine Geschenke erhalten die Freundschaft». Denn während Hergiswil ein Budget von rund 38 Millionen Franken verwaltet, beträgt dieses in Silenen rund 500 000 Franken.

Wider Erwarten keine Diskussion

Am meisten zu reden im Vorfeld zur gestrigen Gemeindeversammlung, die von rund 200 Leuten besucht wurde, gab eine Mobilfunkantenne. Seit über zwei Jahren steht dafür am Bahnbord beim Kreisel Schlüssel ein Baugespann. Dieser Standort ärgert nicht nur viele Bürger, sondern auch den Gemeinderat, denn die Antenne käme mitten ins Wohngebiet zu stehen. Dazu Gemeinderat Walter Mösch, der das Geschäft vorstellte: «Wir erachten diesen Standort für eine Antenne als ungeeignet, denn es gilt das Ortsbild am Dorfeingang zu schützen.» Deshalb hat der Gemeinderat mit der Swisscom folgende Lösung gefunden: Wenn die Swisscom ihre Antenne auf dem Dach des Parkhauses Allmendli bauen kann, verzichtet sie auf den Standort beim Schlüssel (Bild) und zieht das Baugesuch zurück. Die Krux dabei ist, dass die Hergiswiler vor acht Jahren entschieden haben, dass auf öffentlichen Gebäuden keine Antennen erstellt werden dürfen. Deshalb haben sie gestern Abend entschieden, den Allmendli-Standort im Sinne einer Ausnahme trotzdem zur Verfügung zu stellen. Gemeindepräsident Remo Zberg war sichtlich überrascht, dass es weder eine Diskussion noch einen Gegenantrag gab.

Ebenfalls diskussionslos wurde dem Tennisclub Hergiswil ein Betrag von 80 000 Franken an den Neubau eines Klubhauses gewährt. Genehmigt wurden zudem die Revision des Feuerwehrreglements sowie die Rechnungen der politischen und der Kirchgemeinde. Die Rechnung der politischen Gemeinde schliesst bei Gesamteinnahmen von rund 38 Millionen Franken mit einem Gewinn von rund 3,35 Millionen ab. Dies trotz Finanzausgleich von rund 8,84 Millionen, den Hergiswil 2014 an den Kanton ablieferte.