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NIDWALDEN: Motorschiff Rigi wartet auf die Verschrottung

Seit Anfang Juni liegt das Motorschiff Rigi in Beckenried zur Verschrottung bereit. Der Rückbau wäre zu laut, sagt ein Gutachten. Eine Ausnahmebewilligung ist jedoch möglich.
Franziska Herger
Das Motorschiff Rigi liegt im Wasser vor der Wabag Kies AG in Beckenried. (Bild: Corinne Glanzmann (Beckenried, 29. August 2017))

Das Motorschiff Rigi liegt im Wasser vor der Wabag Kies AG in Beckenried. (Bild: Corinne Glanzmann (Beckenried, 29. August 2017))

Franziska Herger

franziska.herger@nidwaldnerzeitung.ch

62 Jahre lang war das Motorschiff Rigi auf dem Vierwaldstättersee unterwegs und transportierte bis zu 600 Passagiere auf einmal von Luzern nach Flüelen und zurück. Anfang Juni unternahm es seine allerletzte Fahrt, zur Verschrottung auf dem Gelände der Wabag Kies AG in Beckenried. Dort liegt das Schiff seither im Wasser, scheinbar unverändert. Tatsächlich sei noch nicht viel passiert, sagt Thomas Breitenstein, Leiter Aussendienst bei der Firma Bieri Alteisen AG aus dem luzernischen Rothenburg, die mit dem Rückbau beauftragt ist: «Wir haben das Öl abgelassen und die Batterien entfernt, damit keine Umweltgefahr von dem Schiff ausgeht. Zudem wurde gleich nach der Ankunft des MS Rigi die Asbestsanierung durchgeführt. Das ist aber auch schon alles.»

Spezialfirma entsorgte Asbest aus dem Schiff

Der in dem 153 Tonnen schweren Schiff enthaltene Asbest sei in Zusammenarbeit mit der dafür spezialisierten Dekonta AG aus Sachseln entfernt worden. «Wir haben die ‹Rigi› mit Unterdruck eingehaust und den Asbest speziell verpackt, bevor er an die Entsorgungsfirma geliefert wurde», erklärt Breitenstein.

Wann es mit dem Rückbau weitergehen könne, sei nun aber unklar, so Breitenstein. Gérald Richner, Leiter des Amts für Umwelt, weiss den Grund: «Das Amt für Umwelt hat im Juni 2016 von der Wabag Kies AG für zukünftige lärmintensive Tätigkeiten auf diesem Areal ein Lärmgutachten verlangt.» Es habe Lärmbeschwerden von Anwohnern des Areals in Beckenried gegeben. «Auch unabhängig davon haben wir jedoch das Gutachten angefordert, weil auf dem Gelände zunehmend industrielle Tätigkeiten stattfinden», so Richner. Erst Ende letzter Woche sei nun das offizielle Gesuch um Bewilligung des Rückbaus des MS Rigi bei der Gemeinde eingetroffen. Das Hochbauamt Beckenried bestätigte auf Anfrage das laufende ­Bewilligungsverfahren. Auch die Wabag AG bestätigt die Einreichung des Gesuchs, möchte aber keine weiteren Informationen abgeben. Die Beurteilung des Lärmgutachtens ist nun Aufgabe des Amts für Umwelt. Sie fällt nicht positiv aus: «Die obere Dezibelgrenze, der sogenannte Planungswert, ist laut Gutachten überschritten», sagt Amtsleiter Richner. Der Rückbau kann daher nur mit zusätzlichen Lärmschutzmassnahmen bewilligt werden.»

Die Bieri Alteisen AG wurde von den Lärmproblemen bei der Wabag AG überrascht, sagt Thomas Breitenstein. «Das konnten wir nicht voraussehen, als wir das Gelände für den Rückbau der ‹Rigi› gemietet haben.» Nicht mehr involviert ist die Shiptec AG, Luzerner Tochterfirma der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), die für den Unterhalt der SGV-Flotte verantwortlich ist. «Wir haben das Schiff nicht in der Werft Luzern verschrottet, weil uns dort der Platz fehlt», sagt Geschäftsführer Rudolf Stadelmann. «Zudem gehört der Rückbau nicht zu unseren Kernkompetenzen. Daher wurde die ‹Rigi› zur Verschrottung an die Bieri Alteisen AG verkauft.»

Braucht es einen Alternativstandort?

So kam das Schiff nach Beckenried. Die neue Eigentümerin hofft nun, bald mit der eigentlichen Verschrottung weitermachen zu können. «Wenn der Rückbau nicht in absehbarer Zeit klappt, müssen wir einen Alternativstandort suchen», sagt Thomas Breitenstein.

Hoffnung kommt aus dem Amt für Umwelt: «Da Lärmschutzmassnahmen geplant sind, und der gesamte Rückbau nur 40 Arbeitstage dauern soll, kann ein Erleichterungsentscheid in Aussicht gestellt werden, das heisst eine Ausnahmebewilligung nach Lärmschutzverordnung», sagt Gérald Richner. ­Worum es sich bei den Lärmschutzmassnahmen genau handelt, würde in einem allfälligen Erleichterungsentscheid festgelegt, so Richner. Bis dahin wird das MS Rigi in Beckenried noch auf ein würdiges Ende warten.

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