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NIDWALDEN: Nadelöhr Lopper bereitet dem Baudirektor Sorgen

Josef Niederberger hat sein erstes Jahr als Regierungsrat hinter sich. Dass die Sanierung der Kehrsiten­strasse nun beginnen kann, wertet er als Erfolg, obwohl seine Sparmassnahmen grösstenteils durchfielen.
Philipp Unterschütz
Der Nidwaldner Baudirektor Josef Niederberger. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 19. Juli 2017))

Der Nidwaldner Baudirektor Josef Niederberger. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 19. Juli 2017))

Interview: Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

Seit einem Jahr ist der 60-jährige Oberdorfer Josef Niederberger (CVP) als Regierungsrat im Amt. Der ehemalige Unternehmer (Holzbau) und Landrat hat sich als Baudirektor einen Ruf als stiller Schaffer erarbeitet. Im Interview blickt er selbstkritisch auf die ersten zwölf Monate zurück.

Josef Niederberger, in einer ersten Bilanz nach 100 Tagen haben Sie die frühere unternehmerische Freiheit vermisst. Heute scheint es Ihnen als Baudirektor wohl zu sein.

Dieses Gefühl habe ich heute tatsächlich nicht mehr. Natürlich bin ich als Regierungsrat mit Vorgaben aus der Politik konfrontiert und kann nicht einfach machen, was ich will. Aber Entscheide für zweckmässige, ganzheitliche Strassenprojekte oder Hochbauten, sichere Bachverbauungen oder einen guten öffentlichen Verkehr an vorderster Front mitzuprägen und auch bei der Raumplanung mitreden zu dürfen, ist eine sehr schöne Sache. Der Baudirektion vorzustehen, entspricht nach wie vor meinem Wunsch.

Die FDP, die den Sitz von Hans Wicki an Sie verlor, hat für die Gesamterneuerungswahlen 2018 Kampfwahlen angekündigt. Treten Sie wieder an?

Ja, selbstverständlich. Und ich hoffe, dass ich die Wahl im ersten Wahlgang schaffe. Natürlich bin ich mir bewusst, dass es aufgrund meiner kurzen Amtszeit nicht einfach ist, bis dahin viele nachhaltige Projekte abzuschliessen. Immerhin konnten wir aber einige blockierte Projekte wieder in Gang bringen und zum Start freigeben. Ich bin zuversichtlich, dass mir das Volk nochmals die Stimme geben wird. In der CVP haben wir bereits mit Sitzungen zur Wahlstrategie begonnen.

Haben Sie beim Amtsantritt Leichen im Keller gefunden, die Ihnen vom Vorgänger hinterlassen wurden?

Nein (lacht). Aber es gab Projekte, die festgefahren waren, wie beispielsweise die Kehrsiten­strasse. Man sagte auch schon zu mir:«Dies oder das war vor deiner Zeit.» Ich überlege mir aber nicht, ob etwas unter mir anders herausgekommen wäre als unter meinem Vorgänger. Es war ein Entscheid der Baudirektion, und dazu stehe ich.

In der Öffentlichkeit nimmt man Sie weniger wahr als Vorgänger Hans Wicki. Woran liegt das?

Wohl daran, dass wir ganz verschiedene Typen sind. Hans ­Wicki ist ein Macher, der Sachen lancierte und sie nach aussen trug. Ich habe dagegen einen anderen Stil und bin eher ein stiller Schaffer, der auf die Projekte und das Departement fokussiert ist. Aber ich weiss, dass die Kommunikation nach aussen sehr wichtig ist. Insbesondere in unseren Bereichen Raumplanung, Mobilität, Hochbau und Hochwasserschutz.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Bei den Strassenprojekten Wiesenberg, Bürgenstock und Kehrsiten bekamen wir einiges zu hören. Vor wenigen Tagen war ich grad persönlich auf dem Wiesenberg und habe Bürgern, welchen die Baugeschwindigkeit zu langsam war, erklärt, dass wir im Terminprogramm liegen und alles gemäss den getroffenen Abmachungen läuft. Ich kann gut mit ehrlicher und konstruktiver Kritik umgehen. Wenn aber jemand nur auf seinen eigenen Vorteil pocht und damit andere verletzt oder einschränkt, habe ich sehr Mühe.

Wie ist die Zusammenarbeit im Regierungsrat?

Ich erlebe sie als gut, effizient und sehr kooperativ. Kritische Fragen gehören dazu. Auch dass es Geschäfte gibt, die im ersten Anlauf nicht genehmigt werden. Dann heisst es halt, nochmals über die Bücher zu gehen.

Was hat Sie im ersten Amtsjahr am meisten geärgert? Was war Ihr Highlight?

Am meisten geärgert habe ich mich, als der Landrat im April das noch fehlende Teilstück des kantonalen Velowegprojekts von der Schmiedgasse Stans bis nach St. Heinrich in Oberdorf zurückgewiesen hat. Mein Highlight war das Projekt Kehrsitenstrasse.

Die Kehrsitenstrasse? Aber da wurde Ihr Vorschlag, Ausweichstellen zu streichen, abgelehnt. Und die Begleitkommission aus Kehrsiten kritisierte, der Kanton hätte nicht auf Sie gehört.

Es war eines dieser blockierten Projekte, das wir im Landrat durchgebracht haben. Ich kann mit der jetzigen Lösung sehr gut leben. Wir wollten fünf Ausweichstellen sparen, der Landrat hat vier wieder reingepackt. Immerhin wurde also doch eine gespart. Im Zusammenhang mit dem Bürgenstock-Resort soll die Strasse sicherer werden. Den Vorwurf der Begleitgruppe kann ich verstehen. Es ist normal, dass Kritik kommt, wenn eine solche Gruppe, die lange mitgearbeitet hat, überstimmt wird.

Zu reden gaben die hellen A2-Lärmschutzwände in Buochs. Sie haben sich an die Heimatschutzkommission des Bundes gewandt, um das Bundesamt für Strassen (Astra) doch dazu zu bewegen, auf Grün zu wechseln.

Die Antwort der Heimatschutzkommission ist noch ausstehend. Es ist die letzte Hoffnung, dass da noch etwas passieren könnte. Ich wehre mich nach wie vor dagegen, wenn man uns vorwirft, wir hätten es verpasst, uns rechtzeitig zu äussern. Als die Sanierung geplant wurde, haben wir in unserer Stellungnahme klar geschrieben, dass die Farbe der Umgebung angepasst sein müsse. Dass es falsch kommt, sahen wir erst, als die hellen Elemente montiert wurden.

Auch im Zusammenhang mit dem A2-Nadelöhr am Lopper und dem Ausweichverkehr in Hergiswil hat Ihre Direktion vom Astra Massnahmen gefordert. Welche Antwort haben Sie erhalten?

Das Astra hat erneut auf die dritte Spur und die Verlängerung der A8-Einfahrt Richtung Luzern verwiesen, die 2019 zusammen mit den Lärmschutzmassnahmen bei Hergiswil realisiert werden. Wir kämpfen für durchgehende und beidseitige dritte Spuren bis zum Sonnenbergtunnel, sonst nützt die Massnahme nicht viel. Die Zentralschweizer Bau- und Verkehrsdirektoren haben sich zudem darauf verständigt, dass wir uns im Zusammenhang mit der Bypass-Planung und dem Durchgangsbahnhof gegenseitig in Bern unterstützen.

Und was ist mit den vom Umfahrungsverkehr geplagten Hergiswilern?

Wir stehen im engen Kontakt mit der Gemeinde, wie wir das Problem angehen wollen. Dabei reden wir beispielsweise von Lichtsignalanlagen, die den Verkehr auf der Kantonsstrasse Richtung Hergiswil schon in Stans dosieren würden. Zugleich wäre zu überlegen, ob die Ausfahrten Hergiswil, Stans Nord und Stans Süd bei Verkehrsüberlastung geschlossen werden könnten. Einheimische müssten dann schon in Buochs die Autobahn verlassen. Wir sind mit dem Astra in Kontakt, was für Lösungen auf der Nationalstrasse möglich sind.

Wie schätzen Sie denn die Zukunft am Nadelöhr Lopper ein? Fehlen da nicht Visionen?

Ich mache mir Sorgen, weil man kurzfristig nicht viel ändern kann. Momentan sagt das Astra, man habe dringendere Probleme als unseres, was sicher so ist. Es geht ja auch immer um die Finanzierung. Angesichts des zunehmenden Verkehrs und den geplanten Überbauungen in der Agglomeration Luzern frage ich mich aber schon, ob man beim Astra nicht ein wenig unterschätzt, was am Lopper auf uns zukommt. Es gibt in der langfristigen Planung keine Ideen oder Visionen, beispielsweise einen Tunnel von Horw bis Stans.

Eine weitere Frage ist, wie es mit der kantonalen Verwaltung weitergeht. Soll ein zentrales Gebäude her?

Der Regierungsrat will zurzeit kein zentrales Verwaltungsgebäude, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten von rund 92 Millionen. Wir sind der Meinung, mit der Lösung der dezentralen Konzentration funktioniere es gut. Wir möchten nach wie vor auf dem Post- und Bahnhofareal in Stans etwas Grösseres lancieren und dort eventuell eine weitere Direktion unterbringen. Bald findet ein Gespräch statt mit allen Grundstückbesitzern. Bezüglich Swissint-Areal und Nutzung des alten Zeughauses werden wir den vorberatenden Kommissionen verschiedene Projekte zur Stellungnahme vorlegen. Und wir werden, wie vom Landrat gefordert, auch die konkreten Kosten einer Um- und Neunutzung des alten Zeughauses aufzeigen.

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