Die Nidwaldner Postautohaltestellen schiessen in die Höhe

Die erste Nidwaldner Bushaltestelle ist umgebaut. Rollstuhlfahrer können ohne fremde Hilfe den Bus benutzen. Ganz freiwillig macht dies der Kanton allerdings nicht.

Matthias Piazza
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Thomas Z’Rotz testet die erhöhte Haltestelle.

Thomas Z’Rotz testet die erhöhte Haltestelle.

Bild: Matthias Piazza (Stans, 12. Dezember 2019)

Die Bustüren öffnen sich. Thomas Z’Rotz fährt mit seinem Rollstuhl bei der Haltestelle Engelbergstrasse in Stans in das Postauto und auch wieder raus. Dies problemlos und ohne fremde Hilfe. Möglich ist dies dank des Trottoirs, das auf einem 18 Meter langen Abschnitt auf 22 Zentimeter angehoben wurde, womit es fast keinen Niveauunterschied mehr zum Boden des Postautos gibt.

«Barrierefreie Haltestellen kommen nicht nur uns Rollstuhlfahren zugute, sondern auch Senioren, Gehbehinderten und Leuten mit Kinderwagen», freute sich am Medientermin vom Donnerstag Thomas Z’Rotz, der sich als Präsident des Vereins Hindernisfrei Bauen Nidwalden/Obwalden für den Umbau der Haltestellen einsetzt. Damit würde sich auch die Einsteigezeit und die Wartezeit für die Autofahrer hinter dem Postauto verkürzen.

Er ging auch schon vergessen

Den bald zu Ende gehenden Zeiten, als der Postautochauffeur die Rampe herunterklappen musste, damit der Rollstuhlfahrer mit dem Postauto mitfahren konnte, trauert er nicht nach. «Es passierte auch schon, dass mich der Buschauffeur vergass, mitzunehmen», erinnert er sich.

Mit der Haltestelle Engelbergstrasse in Stans und Hungacher in Beckenried sind nun die ersten beiden Postautohaltestellen in Nidwalden barrierefrei umgebaut. Bis 2023 sollen weitere 40 der 81 Bushaltestellen im Kanton an die Reihe kommen. Damit kommt der Kanton Nidwalden einer Auflage des Behindertengleichstellungsgesetzes nach, welches den Umbau vorschreibt, sofern das Kosten-/Nutzenverhältnis stimmt.

Seit rund 20 Jahren kennt man die Deadline 2023. «Wir priorisierten die Bahnhöfe, welche in Nidwalden bis auf Niederrickenbach nun barrierefrei sind», erklärt Hanspeter Schüpfer, Fachstellenleiter öffentlicher Verkehr Nidwalden, die späte Umsetzung bei den Bushaltestellen.

Auch das Geld dürfte bei den Gemeinden eine Rolle gespielt haben. Sie übernehmen den grössten Teil der Kosten von gesamthaft rund 5 Millionen Franken, da 32 der besagten 42 Haltestellen auf gemeindeeigenen Trottoirs liegen. Bei den übrigen 10 Haltestellen ist der Kanton federführend.

Unter den 9 Bushaltestellen, die in Stans, Beckenried und Buochs demnächst umgebaut werden, ist auch der Busbahnhof in Stans.