NIDWALDEN: Neuer Anlauf für Übergänge

Gefährliche Bahnübergänge sollen noch dieses Jahr saniert werden. Gegenüber dem ersten Anlauf sparte die Regierung eine halbe Million Franken. Trotzdem sind nicht alle zufrieden.

Martin Uebelhart
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Ein Bahnübergang in Wolfenschiessen, der gesichert werden muss. (Bild Corinne Glanzmann)

Ein Bahnübergang in Wolfenschiessen, der gesichert werden muss. (Bild Corinne Glanzmann)

Die ungesicherten Bahnübergänge auf dem Streckennetz der Zentralbahn (ZB) sollen so schnell wie möglich saniert werden. Das habe der jüngste, tragische Unfall beim Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen im August (siehe Kasten) einmal mehr verdeutlicht, schreiben die ZB und die Nidwaldner Regierung in einer Mitteilung. ZB-Geschäftsführer Renato Fasciati betont auf Anfrage: «Wir tun alles, damit wir die Bahnübergänge termingerecht bis Ende 2014 sanieren können.»

Der Regierungsrat beantragt dem Landrat einen Zusatzkredit von 3,8 Millionen Franken, um die 36 ungesicherten Bahnübergänge im Kanton zu sanieren oder aufzuheben. Hauptgrund für den Zusatzkredit seien die notwendigen Strassenanpassungen. Den ursprünglichen Kredit von 4,3 Millionen Franken hatte der Landrat im Mai zurückge­wiesen und Einsparungen verlangt. Das Parlament hatte sich am Vorgehen der Regierung gestört, kurz vor Auslauf eines 2009 bewilligten Kredites einen Zusatzkredit in fast gleicher Höhe zu verlangen.

Sparmöglichkeiten haben ZB und Kanton Nidwalden bei verschiedenen Strassenknoten gefunden. Diese hätten optimiert werden können, ohne die Sicherheit auf der Strasse zu gefährden. Das bringe eine Einsparung von 500 000 Franken. Die Anpassungen hätten zur Folge, dass bei einem Bahnübergang im Bereich Vorder Ey die 60er-Beschränkung auf der Kantonsstrasse um 150 Meter verlängert würde, sagt Baudirektor Hans Wicki. «Bei der Parketterie in Wolfenschiessen, wo heute Tempo 70 gilt, würde eine Beschränkung auf 60 signalisiert», so Wicki weiter. Die Begrenzung habe es erlaubt, die Knoten bei diesen Bahnübergängen etwas anders zu gestalten.

Weiteres Sparpotenzial

Eine weitere mögliche Einsparung um eine halbe Millionen Franken orten ZB und Regierung beim Verzicht auf den Bahnübergang auf Höhe der Bettermann AG in Wolfenschiessen. Dadurch müssten allerdings einige landwirtschaftliche Flächen anders erschlossen werden. Die betroffenen Landwirte würden mittels Landabtausch und Realersatz entschädigt. Die Verhandlungen mit den Grundeigentümern sind im Gang. Hans Wicki hofft, dass bis zur Landratssitzung im Oktober ein Resultat vorliegt.

Im Landrat stösst die neue Vorlage des Regierungsrats nicht bei allen auf Begeisterung. Martin Zimmermann (SVP, Ennetbürgen): «Es wurde zu wenig eingespart, und nicht alle Optionen wurden berücksichtigt.» Natürlich stehe die Sicherheit im Vordergrund, doch liege der Betrag noch immer 80 Prozent über dem ursprünglichen Kredit. «Nicht den Wahnsinn» findet die Vorlage auch Niklaus Reinhard (FDP, Hergiswil). «Die Pläne widerspiegeln unser Sicherheitsbedürfnis. Letztlich müssen wir überlegen, was uns unsere Sicherheit wert ist.»

Während im Kanton Nidwalden noch unsicher ist, ob alle Bahnübergänge wie vom Bund verlangt bis Ende Jahr gesichert werden können, haben dies Luzern, Obwalden und Bern zugesichert.

Warten auf Expertenbericht

Untersuchung cgl. Nach dem Unfall mit drei Todesopfern und fünf Schwerverletzten auf einem Bahnübergang in Wolfenschiessen hat die Nidwaldner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie klärt ab, ob strafbare Handlungen vorliegen. Laut Auskunft von Staatsanwältin Carmen Lingg wurden dazu diverse Personen befragt und vor Ort Abklärungen getroffen. Nun wartet die Staatsanwaltschaft den Untersuchungsbericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) ab, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Die Untersuchungen seien abgeschlossen, erklärt Philippe Thürler, Leiter des Bereichs Bahnen und Schiffe bei der Sust, auf Anfrage. Diese hätten gezeigt, dass der Zug einwandfrei funktioniert habe. Da es sich um einen unbewachten Bahnübergang handelte, waren dort keine Untersuchungen nötig. Der noch zu erstellende Sust-Bericht werde frühestens im Januar nächsten Jahres vorliegen.