NIDWALDEN: Noch wenige Elektromotorräder – doch ein Fachmann sieht die Wende

Die Lenker elektrischer Fahrzeuge sind noch in der Minderheit. Der Organisator des Elektro-Fun-Day hält den Durchbruch aber in absehbarer Zeit für möglich. Ein Indiz: Auto- und Töffhersteller denken allmählich um.

Oliver Mattmann
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Die mit Batterie betriebenen Töffs zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. (Bild: PD/Kaspar Walter (Buochs, 27. Mai 2017))

Die mit Batterie betriebenen Töffs zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. (Bild: PD/Kaspar Walter (Buochs, 27. Mai 2017))

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Noch ist elektrischen Fahrzeugen der Durchbruch bisher verwehrt geblieben. «Viele Leute haben Zweifel, ob sich die Technologie durchsetzen wird oder noch etwas Revolutionäreres kommt», weiss Adrian von Büren, der sich täglich mit dem Thema E-Mobilität befasst, aus Dutzenden Gesprächen mit Kunden und Bekannten. Doch der 52-Jährige aus Kehrsiten, der in seinem Geschäft in Stans batteriebetriebene Töffs vertreibt, ist überzeugt: «Noch ein paar Jahre, und dann werden die Leute plötzlich merken, dass es auch ohne Benzin geht.»

In seiner Prognose bestärkt hat ihn der Aufmarsch am 3. Elektro-Fun-Day auf dem Flugplatz Buochs, der am Samstag gegen 4000 Besucher anlockte – deutlich mehr als in den Vorjahren. «Es wurden über 1000 Testfahrten mit den neusten Elektrofahrzeugen gemacht. Auch die aktuellen Elektrotöffs wurden fleissig Probe gefahren», erzählt Veranstalter Adrian von Büren. Und alle, denen er selber zugeschaut hat, seien mit einem zufriedenen Lächeln aus dem Auto respektive vom Töff gestiegen. «Der Moderator des Anlasses hat mir noch am selben Abend geschrieben, wie laut ihm auf einmal der Klang seines Autos auf der Heimfahrt vorkam.» Und von Büren selbst sagt: «Ich bin Fan von Oldtimern und pflege selbst drei Exemplare. Doch mit keinem konventionellen Auto ist es so entspannend zu fahren wie mit einem elektrischen Fahrzeug.»

Preise bei herkömmlichen Töffs sind eingebrochen

Dass die E-Mobilität nicht schneller voranschreite, habe auch mit der defensiven Haltung der Fahrzeugbauer zu tun, meint er. «Bis vor kurzem wurde man das Gefühl nicht los, dass sich die Hersteller sagen, ‹wir können mit Verbrennungsmotoren immer noch gutes Geld verdienen, also was sollen wir in elektrische Fahrzeuge investieren›?» Entsprechend sei es auch für ihn teils schwierig gewesen, von Autohändlern und Importeuren Modelle zur Präsentation am Elektro-Fun-Day in Buochs zu erhalten. Wenn er neusten Berichten Glauben schenkt, zeichnet sich allmählich eine Wende ab. Hersteller seien dran, verstärkt auf die Strategie elektrische Zukunft zu setzen. Das hat er am Anlass ebenfalls gespürt. «Viele Hersteller vor Ort haben gesehen, dass das Interesse der Leute vorhanden ist. Sie haben sich jetzt schon gesprächsbereit gezeigt für eine nächste Ausgabe des Anlasses.»

Bei der Wahl zwischen Benzin-Töff und der elektrischen Variante spielt derzeit der Preis ebenfalls eine gewichtige Rolle. «Die Preise in der herkömmlichen Töffbranche sind in den letzten Jahren total zusammengefallen. Die Marge ist um das Dreifache geschrumpft», weiss der Experte aus Kehrsiten. Hintergrund: Die Angst geht um, dass die neue Technologie Arbeitsplätze wegnimmt, denn elektrische Modelle brauchen praktisch keine Wartung mehr. Für von Büren ist klar: Dieser Fall wird früher oder später eintreffen. «Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Die Hersteller sind gut beraten, genug früh neue Geschäftsfelder auszuloten.»

Energiestrategie 2050 spielt in die Hände

Adrian von Büren ist bewusst, dass es bei den Kapazitäten und Ladezeiten von Batterien und auch allgemein bei der Speicherung von elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen noch Schritte vorwärts braucht, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Er sagt aber: «Da ist allein in den vergangenen zehn Jahren bei der Weiterentwicklung so viel passiert, dass ich in dieser Hinsicht beruhigt in die Zukunft blicke.» Was ihn besonders beeindruckt, ist die Effizienz, welche elektrische Fahrzeuge inzwischen an den Tag legen. So haben diese laut seinen Aussagen einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent, während die Verbrennungsmotoren immer noch bei 30 Prozent seien. Der Rest gehe als Abwärme an die Umwelt.

Zuversichtlich stimmt ihn auch die Annahme der Energiestrategie 2050, über die das Volk kürzlich abgestimmt hat. «Wir haben so viele tolle Tüftler in unserem Land. Dank dem neuen Gesetz erhalten Entwickler mehr Spielraum, was sich positiv auf den Werdegang von elektrischen Fahrzeugen auswirken wird.»