Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Nur Spielzeug oder eine Waffe? Feriensouvenir mit teuren Folgen

Aus einem jugendlichen Spass wurde bitterer Ernst. Ein Lehrling wurde verurteilt wegen illegaler Waffeneinfuhr. Dabei hatte er nur eine Spielzeugpistole gekauft.
Kurt Liembd
Der Lehrling kaufte in Italien eine billige Imitation einer solchen Kentucky-Steinschloss-Pistole. (Bild: PD)

Der Lehrling kaufte in Italien eine billige Imitation einer solchen Kentucky-Steinschloss-Pistole. (Bild: PD)

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Das Drama begann 2012 in der Lagunenstadt Venedig. Dort kaufte der Lehrling, damals 17 Jahre alt, in einem Antiquitätenshop ein Feriensouvenir in Form einer Imitationswaffe beziehungsweise Spielzeugpistole. Kostenpunkt: 20 Euro. Bei der Waffe handelt sich um eine Fantasiekopie einer Kentucky-Steinschloss-Pistole, wie sie im amerikanischen Bürgerkrieg verwendet wurde. Da es sich um ein Imitat handelt, kann man damit gar nicht schiessen, auch wenn die Pistole äusserlich täuschend echt aussieht.

Diese Pistole führte er nichts ahnend von Italien in die Schweiz ein. Um damit einen Videoclip zu drehen, baute er die Imitationswaffe zu einer funktionierenden Feuerwaffe um. Konkret steckte er einen sogenannten Chinaböller (zylindrischer Knallkörper) in die Pistole und bastelte mit einer Streichholzschachtel einen Zündmechanismus. Damit gelang es ihm, im Wald ein paar Stahlkügelchen zu verschiessen.

Freispruch vor Kantonsgericht

Nachdem er den Videoclip gedreht hatte, vergass er die Pistole auf dem Rücksitz seines Autos und führte diese zwei Wochen lang im Auto herum, inklusive einer Schachtel mit Chinaböllern und ein paar Metallkügelchen. Auf dem Parkplatz bei der Sporthalle Eichli in Stans entdeckte die Nidwaldner Polizei die vermeintliche Waffe und zeigte den Lehrling an. Nun begannen die Mühlen der Justiz zu mahlen. Es folgte ein Strafbefehl, danach Einvernahmen, und bald landete der Fall vor Kantonsgericht. Dieses sah in der Imitationspistole jedoch keine funktionstüchtige Waffe, sondern vielmehr ein Feriensouvenir und sprach ihn frei.

Staatsanwältin Natalie Vonmüllenen jedoch sah das anders und zog den Fall ans Obergericht. Dieses kam zu einer ganz andern Beurteilung und folgte der Staatsanwaltschaft. Imitationswaffen seien dann dem Waffengesetz unterstellt, wenn sie aufgrund ihres Aussehens mit echten Feuerwaffen verwechselt werden können, argumentierte das Obergericht. Indem der Angeklagte diese funktionsfähig gemacht habe, so die weitere Begründung, habe er bewiesen, dass es sich eben doch um eine funktionstüchtige Feuerwaffe handle. Ob die Kugeln dabei viel oder wenig Durchschlagskraft gehabt hätten, sei nicht relevant.

Das Obergericht hob das Urteil des Kantonsgerichtes vollumfänglich auf und verurteilte den Lehrling wegen mehrfacher vorsätzlicher Widerhandlung gegen das Waffengesetz durch unberechtigtes Tragen von Waffen und Munition, wegen des Bringens einer Waffe auf schweizerisches Staatsgebiet sowie wegen Missachtung der Transportvorschriften von Feuerwaffen und Munition.

Bundesgericht stützt das Obergericht

Das war aber noch nicht das letzte Wort, und der Fall landete beim Bundesgericht. Wurde der Lehrling bis Obergericht vom Stanser Anwalt Karl Tschopp verteidigt, übernahm jetzt ein Anwalt aus Baden die Verteidigung. Weshalb die Verteidigung mitten im Verfahren wechselte, will Karl Tschopp nicht sagen und beruft sich aufs Anwaltsgeheimnis. Vor Bundesgericht argumentierte der Badener Anwalt erfolglos, das Schweizer Waffenrecht sei restriktiver als EU-Normen und der Angeklagte habe nie etwas Verbotenes tun wollen.

Das Bundesgericht sah das ganz anders und bestätigte das Urteil des Obergerichtes vollumfänglich. Die umgebaute Pistole könne von einer einzigen Person getragen und bedient werden und gelte damit als Feuerwaffe im Sinne des Waffengesetzes. Die Leistungsstärke der Triebladung sei dabei nicht relevant, heisst es weiter im Urteil aus Lausanne.

Der Lehrling erhielt nebst einer bedingten Geldstrafe eine Busse von 300 Franken und muss rund 2100 Franken an die Verfahrenskosten zahlen. Der ganze Rest von rund 13 000 Franken, unter anderem für Honorare für die Verteidigung, wird von der Staatskasse Nidwalden und der Bundesgerichtskasse bezahlt. Speziell: In diesem Fall erhob das Bundesgericht für einmal keine Gerichtskosten, da das Gesuch des Lehrlings um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen wurde.

Urteil 6B_524/2016 des Bundesgerichts vom 13. Februar 2017.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.