Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Pensionierter Arzt nach Tod seiner Frau freigesprochen

Das Obergericht hat einen Arzt (85) freigesprochen. Das Kantonsgericht als Vorinstanz hatte ihn noch wegen fahrlässiger Tötung seiner Ehefrau verurteilt.
Kurt Liembd
Die Bürgerlichen im Kanton Nidwalden wollen Anpassungen bei der Medikamentenabgabe. (Symbolbild Neue NZ)

Die Bürgerlichen im Kanton Nidwalden wollen Anpassungen bei der Medikamentenabgabe. (Symbolbild Neue NZ)

Der Fall aus einer Nidwaldner Gemeinde ist alles andere als alltäglich. Im November 2010 ist eine 55-jährige Frau «unerwartet und überraschend» verstorben, wie es in der Todesanzeige hiess. Behandelt und gepflegt wurde sie von ihrem Ehemann, einem Allgemeinarzt und Radiologen. Die Frau litt an Fibromyalgie (eine Form von Weichteilrheuma) und später an Magen-Darm-Geschwüren, einer Schwäche des unteren Speiseröhrenverschlusses und einer chronischen Magenschleimhautentzündung.

Spezialisten kamen damals bei der Leichenschau zum Schluss, dass die Frau falsch behandelt worden war, weshalb sich die Staatsanwaltschaft einschaltete. «Er war als Arzt und Pflegender seiner Frau heillos überfordert», sagte Staatsanwalt Tobias Reimann vor einem Jahr an der Verhandlung des Kantonsgerichts, die fast sieben Stunden dauerte. Der Arzt verlangte einen Freispruch und sagte, dass er alles richtig gemacht habe. Sein Verteidiger argumentierte, sein Mandant habe seine Ehefrau ganzheitlich und kompetent behandelt und betreut. Zudem erklärte der Arzt, dass seine Frau ohne sein Wissen zusätzliche Medikamente eingenommen habe. Trotzdem verurteilte ihn das Kantonsgericht wegen fahrlässiger Tötung und brummte ihm Verfahrenskosten und eine Geldstrafe von total über 30 000 Franken auf.

Freispruch auf der ganzen Linie

Der Arzt akzeptierte das Urteil trotz der umfangreichen Begründung von 55 Seiten nicht und gelangte ans Obergericht. Dieses tagte am 22. März rund vier Stunden und kam dabei zu einem ganz anderen, nun veröffentlichten Urteil, welches lautet: Freispruch. Damit wurde das Urteil des Kantonsgerichtes vollumfänglich aufgehoben. Alle Gerichts- und Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. Zudem erhielt der pensionierte Arzt eine Genugtuung von über 25 000 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es liegt erst im Dispositiv vor. Staatsanwalt Tobias Reimann kann im Moment noch nicht sagen, ob er das Urteil ans Bundesgericht Lausanne weiterzieht. Er wolle erst mal die Begründung abwarten, sagte er unserer Zeitung auf Anfrage.

«Zutiefst befremdet, dass mir niemand glaubt»

Bemerkenswert am Prozess des Obergerichts war das Schlusswort des Angeklagten. Obwohl über 85 Jahre alt, holte er zu einer umfangreichen Erklärung aus, welche fast 30 Minuten dauerte und zu einem «halben Plädoyer» wurde. «Ich trage keine Schuld am Tod meiner Frau und bin zutiefst befremdet, dass mir niemand glaubt.» Jetzt dürfte er umso glücklicher sein, da er von jeglicher Schuld freigesprochen wurde. Dass das Obergericht ein Urteil wegen fahrlässiger Tötung kippt, ist kein Einzelfall. Bereits beim Stanserhorn-Fall war dies kürzlich so, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Damals wurde der Sicherheitsverantwortliche der Bahn vom Kantonsgericht freigesprochen und dann vom Obergericht verurteilt wegen fahrlässiger Tötung. Im vorliegenden Fall des pensionierten Arztes ist es genau umgekehrt.

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.