Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

NIDWALDEN: Phil Carmen: «Hier spüre ich, was es heisst, wahre Freunde zu haben.»

Alte Weggefährten zu treffen: Das war der Wunsch des vor Jahren nach Amerika ausgewanderten Musikers Phil Carmen (64). Am Freitagabend kam es zu diesem Wiedersehen. Und dabei wurde ordentlich in die Saiten gegriffen.
Beat Christen
Phil Carmen (links) und Ajay Mathur bei ihrem Auftritt im «Happy Day». (Bild: Philipp Schmidli (Wolfenschiessen, 18. August 2017))

Phil Carmen (links) und Ajay Mathur bei ihrem Auftritt im «Happy Day». (Bild: Philipp Schmidli (Wolfenschiessen, 18. August 2017))

Lange ist es her. Doch irgendwie schien am Freitagabend im «Happy Day» in Wolfenschiessen die Zeit vor gut dreissig Jahren stehen geblieben zu sein. Es war eine handverlesene Gästeschar, die an diesem Abend auf Einladung von Bruno Murer in der – Ende der 1970er- und 1980er-Jahre angesagtesten – Disco der Zentralschweiz Einlass begehrte. Sie alle hatten damals, sei es als Musiker oder als Discjockey, die regionale Musikszene geprägt.

Und mitten drin jener Mann, der es tatsächlich geschafft hatte und heute auf eine Weltkarriere als Musiker zurückblicken kann – Phil Carmen. Im beschaulichen Nidwalden gross geworden, wurde 1985 sein jazziger Popsong «On My Way in L. A.» praktisch über Nacht zu einem Welthit.

Graue Haare, aber noch lange nicht müde

Obwohl Phil Carmen seit Jahren in Boynton Beach in Florida lebt und auch dort arbeitet – den Nidwaldner Dialekt hat er immer noch intus. Auch wenn sein letzter Besuch in seiner alten Heimat schon Jahre zurückliegt. Fliegt er über den grossen Teich in die Schweiz, dann gibt es einen fixen Punkt in seinem dann immer randvollen Terminkalender: das Treffen mit alten Musikfreunden. Fachsimpeln, Small Talk und natürlich das gemeinsame Musizieren stehen dann im Mittelpunkt. Das gilt auch für den Freitagabend im «Happy Day».

Die Haare von Phil Carmen haben heute wie bei einem Grossteil der Gäste einen grauen oder gar schon weisslichen Farbton. Er quittiert dies mit einem Lachen und der Feststellung: «Schliesslich bin ich auch schon fast im Pensionsalter.» Auch wenn es bei ihm ab und zu mal im Rücken zwickt – «ist wohl eine Alterserscheinung» –, spätestens beim Griff zu den Instrumenten ist davon nichts mehr zu spüren. Er und seine Freunde aus längst vergangenen gemeinsamen Musikertagen legten im «Happy Day» los wie damals vor 30 Jahren.

«Der junge, hinter der Ladentheke seines Schallplattengeschäfts in Stans stehende und pfeifenschmauchende Phil Carmen war eine der ersten Begegnungen von mir in der Schweiz», sagt der als Überraschungsgast auftretende Ajay Mathur. Erst eben aus Indien in die Schweiz gekommen, war diese Welt für ihn noch fremd. Doch bekanntlich überwindet Musik Grenzen, und so fand er sich bald in der Band von Phil Carmen wieder. «An unseren ersten Auftritt erinnere ich mich noch so, als ob dieser erst gestern gewesen wäre. Wir spielten im ‹Down Down› in Sachseln.» Die Wege der beiden Musiker trennten sich dann bis zum Wiedersehen am Freitagabend nach gut dreissig Jahren. Und gerade so, als würden sie täglich gemeinsam in die Saiten greifen, harmonierte das Duo Ajay Mathur/Phil Carmen gleich wieder auf Anhieb. «Da merkt man, dass Phil durch und durch ein Profi ist», zollt der Singer-Songwriter und Produzent Ma­thur dem Heimweh-Nidwaldner ein grosses Kompliment.

Neue Platte wäre fertig – doch erscheint sie auch?

Dass Phil Carmen den Boden unter den Füssen trotz Weltstarstatus nie verloren hat, bewies er bei den zwei Sets zusammen mit seinen Musikerfreunden. Beinahe schon fast scheu stand er im Hintergrund. «Ich habe diesen Abend in vollen Zügen genossen. Hier in der Zentralschweiz spüre ich immer wieder, was es heisst, wahre Freunde zu haben.»

Dass er in seinem Leben schon so manche Enttäuschung erleben musste, daraus macht er keinen Hehl. So liegt seit drei Jahren ein fixfertiges Album bei seiner Plattenfirma. Vom Besuch in der nächsten Woche bei eben diesem Unternehmen erhofft er sich klare Aussagen darüber, ob dieses Album doch noch auf den Markt kommt. «Der Glaube stirbt bekanntlich zuletzt», sagt der Musiker, um es gleich wieder mit seinen alten Kumpels so richtig krachen zu lassen.

«Diese Besuche und die Kontakte mit meinen alten Kollegen tun gut.» Es sei irgendwie wie ein Klassentreffen. Dabei haben die Ad-hoc-Formationen am Freitagabend gezeigt, dass es viel öfter solche Treffen geben sollte. Denn dass sie ihr Handwerk beherrschen, haben die ergrauten Zentralschweizer Rock ’n’ Roller eindrücklich bewiesen.

Beat Christen

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.