NIDWALDEN: Schneemangel hat auch positive Seiten

Weniger Salzeinsatz auf den Kantonsstrassen und kaum Schneeräumungseinsätze: Nicht alle vermissen den Schnee. Der Kanton etwa kann Kosten sparen.

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Stört sich nicht an zu wenig Schnee: der Strassendienst. (Bild: Werner Schelbert)

Stört sich nicht an zu wenig Schnee: der Strassendienst. (Bild: Werner Schelbert)

Trotz der Niederschläge in der Nacht auf gestern liegt nur wenig Schnee bis hoch hinauf, vom Talboden ganz zu schweigen. Während der Schneemangel dem Tourismus arg zusetzt, kann der Kanton Nidwalden gar ein wenig sparen. «Es braucht weniger Salz», sagt Sepp Herger, stellvertretender Strassenmeister beim Strasseninspektorat. Einen genauen Vergleichswert hat er nicht, doch seien auf den Kantonsstrassen diesen Winter erst einige wenige Tonnen ausgebracht worden. «Es braucht auch weniger Fahrzeuge und deren Abnutzung ist geringer.» Auch hier entstehen für den Kanton geringere Kosten: «Bei der Schneeräumung arbeiten wir auch mit Drittfirmen zusammen, die im Bedarfsfall aufgeboten werden. Wenn
diese nicht zum Einsatz kommen, entfallen auch die entsprechenden Entschädigungen.»

Gleichwohl behalten die Mitarbeiter des Strasseninspektorats vor allem die Bergstrecken im Auge: «Wir kontrollieren jeden Tag die Strecken nach Oberrickenbach, Emmetten, Wiesenberg und Obbürgen, insbesondere bei kalten Temperaturen.» Die ganzen Einrichtungsarbeiten für den Winterdienst seien ebenfalls vonstattengegangen. «Am 1. November sind jeweils Material und Fahrzeuge bereit und die Mitarbeiter auf dem neusten Stand instruiert.»

Statt Schneeräumung gibt es Grünpflege

Auch wenn es kaum was zu räumen gibt auf den Strassen, haben Sepp Herger und seine Kollegen genug zu tun. «Weil der Winter noch nicht Einzug gehalten hat, haben wir andere Beschäftigungen», erzählt Sepp Herger. «Bis vor wenigen Tagen sind wir vor allem mit Grün- und Gehölzpflege beschäftigt gewesen.» Zum Beispiel entlang des Aawassers von Wolfenschiessen bis nach Buochs oder am Scheidgraben in Ennetbürgen.

Nicht nur unglücklich über die Strassenverhältnisse sind die Postautofahrer in Ob- und Nidwalden, sagt Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto Schweiz. Besonders im Fokus stehen die Strecke Sarnen–Langis und die Verbindungen auf die Stöckalp und von Beckenried Richtung Seelisberg. «Auf diesen Strecken haben wir sehr erfahrene Fahrerinnen und Fahrer im Einsatz, die bei jeder Witterung fahren können. Aber wenn eine Strasse aper ist, ist das immer das Idealste.»

Weniger Postauto-Beiwagen zur Verstärkung

Bei Schnee fahren sei in der Regel weniger ein Problem als bei Eis. Eine der grössten Herausforderungen sei Schmelzwasser auf der Strasse, das dann gefriere. Bei Schnee müsse man ab und zu Schneeketten aufziehen, was zu Verspätungen führen könne. «Unsere Devise ist, dass die Sicherheit der Fahrer und der Passagiere an oberster Stelle steht», so Bloch.

Bloch ortet allerdings auch Nachteile der gegenwärtigen Witterungsverhältnisse: «Wenn es oben hinaus Schnee hat, transportieren wir zwischen Weihnachten und Neujahr mehr Leute, die Ski fahren gehen oder im Langis Langlauf machen.» Das zeige sich auch daran, dass über die Festtage viel weniger Beiwagen zur Verstärkung hätten eingesetzt werden müssen als in anderen Jahren. «Ich hatte auch Kontakt mit Leuten, die langjährige Erfahrung haben. Diese sagen, Schnee und Eis auf den Strassen hätten in den vergangenen Jahren abgenommen im Vergleich zur Situation noch vor 15 oder 20 Jahren.

Keinen grossen Unterschied macht der ausbleibende Schnee für die Kantonspolizei. «Wir haben deswegen nicht weniger zu tun. Ausflugsverkehr hat es trotzdem», sagt Lorenz Muhmenthaler, Leiter der Verkehrs- und Sicherheitspolizei. «Auch ohne Schnee geschehen Unfälle.» Und auch jetzt werde es nachts kalt, und die Polizei habe den Auftrag, die Strassen zu kontrollieren. «Personen- und Fahrzeugkontrollen machen wir ebenfalls unabhängig von der Wetterlage.»

Briefträger sind auf geräumte Strassen und Wege angewiesen

Mit den Widrigkeiten des Wetters haben mitunter auch die Briefträger zu kämpfen. «Natürlich ist jeder Briefträger froh, wenn er gegenwärtig trockene, unvereiste Strassen vorfindet», sagt Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post. Die ganze Zustellung von Briefen und Paketen quer durch die Schweiz sei ein «minutengenaues Laufwerk». Sobald ein Zug oder ein Lastwagen wegen prekärer Schneeverhältnisse auf dem Weg zur verteilenden Postfiliale stecken bleibe, werde die rechtzeitige Zustellung beim Endkunden zu einer Herausforderung. Entsprechend seien die Briefträger darauf angewiesen, dass die Strassen jeweils schnell vom Schnee befreit werden, um im Verkehr gut vorwärtszukommen. «Das Gleiche gilt übrigens auch für private Zufahrtsstrassen oder kleine Pfade zum Hausbriefkasten», so Flüeler. Je besser die Wege geräumt seien, desto speditiver könnten die Briefträger und Paketzusteller ihre Arbeit erledigen.

Martin Uebelhart

Skigebiete warten auf mehr Schnee-Zentimeter

OB-/NIDWALDEN Der Schnee ist in den Niederungen angekommen. Gar noch etwas mehr hat es in den höheren Lagen geschneit. «Der Schneezuwachs ist genau so eingetroffen, wie ihn die Meteorologen vorausgesagt haben», sagt Sepp Odermatt, Geschäftsführer der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG. «Oben haben wir rund 10 Zentimeter erhalten.» Und jetzt hoffe er, dass auch die weiteren Prognosen stimmen. «Dann haben wir am Freitag einen halben Meter Schnee. Ganz ohne Wirkung ist der Schnee jedoch nicht: «Wir sind am Präparieren auf dem Klewenboden», sagt Odermatt. Man werde den kurzen Tellerlift und das Kinderland heute Mittwoch öffnen können. Zudem sei man in der guten Lage, dass die Böden gefroren sind. Die nun wirklich winterlichen Temperaturen von unter null Grad erlaubten es, die Beschneiungsanlagen auf Hochtouren laufen zu lassen. Das Ziel von Sepp Odermatt und seinem Team ist, so schnell wie möglich den Skilift Ergglen laufen lassen zu können. Neben dem Ergglen-Lift liege die Priorität vor allem auch auf dem Verbindungslift Stockhütte–Twäregg. Bereits seit Silvester war der Junior-Skilift in Betrieb. «Wir hatten Skibetrieb, wenn auch sehr limitiert», so Odermatt.

Nebel brachte die Leute in die Höhe

«Dank des Nebels hatten wir ab dem 28. Dezember bis am Berchtoldstag sehr gute Frequenzen», hält der Geschäftsführer weiter fest. Mitgeholfen habe auch die Aktion «Sommer über Nebel». «Wir haben den Sommerbereich heraufgefahren, die Kinderspielplätze aktiviert, die Wegweiser für die Wanderwege wieder moniert, Trampoline aufgestellt oder die Grillstellen mit Brennholz ausgestattet.» Man habe versucht, die Attraktivität zu steigern. Allerdings: «An die Frequenzen eines guten Skiwochenendes kamen wir natürlich nicht heran.»

Das war auch auf Melchsee-Frutt nicht anders, wie Sportbahnen Geschäftsführer Daniel Dommann auf Anfrage sagt. An Weihnachten und Neujahr sowie auch an den Tagen dazwischen habe man gleichwohl einen erfreulichen Besucherstrom verzeichnet. Die Wanderwege in Richtung Tannalp seien frequentiert worden wie im Sommer, und viele Gäste hätten auch das Angebot des Eisfelds geschätzt. Noch seien nicht alle Zahlen beisammen, doch zeigte sich, dass bei den Bahnen eine Einbusse hingenommen werden müsse. Dommann spricht von rund 50 Prozent verglichen mit einem perfekten Weihnachts- und Neujahrsgeschäft. Bei der Hotellerie und der Gastronomie hingegen seien die Einbussen deutlich geringer ausgefallen, «nicht zuletzt dank der Angebote, die wir auf die Beine gestellt hatten». Die Gäste, die den Weg auf die Frutt gefunden hätten, seien glücklich gewesen mit dem Wetter und den Möglichkeiten auf und neben der Piste.

Rund 8 Zentimeter Neuschnee habe man gestern Morgen gemessen, so Dommann. «Das war mehr ein kosmetischer Beitrag des Wetters als der Schnee, auf den wir warten.»

Frutt hofft auf wenigstens 20 Zentimeter

Immerhin: Dort, wo bereits Pisten oder Loipen in Betrieb seien, verbessere der frisch gefallene Schnee das Feeling beim Fahren. «Dort dürfen wir von Pulverschnee sprechen.» An anderen Orten sei die Menge nicht ausreichend, um weitere Pisten oder den Schlittelweg präparieren zu können. Für die kommenden angekündigten Niederschläge hofft Dommann auf wenigstens 20 Zentimeter der weissen Pracht. «Dann wären wir so weit, dass wir den grössten Teil des Skigebietes in Betrieb nehmen könnten», sagt er. Auch auf der Frutt helfen die tiefen Temperaturen beim Beschneien: «Seit gestern am frühen Morgen die Temperaturen gesunken sind, sind wir da wieder voll dran.»

Martin Uebelhart