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NIDWALDEN: Schulgeld erzürnt Schüler und Lehrer

Der Kanton will von Mittelschülern Schulgeld erheben und 150 000 Franken sparen. Nun führen Lehrer und Schüler erstmals gemeinsam einen Abstimmungskampf.
Matthias Piazza
Wehren sich gegen die Schulgelder: Carolina dos Santos (Schüler­kommission) und Rafael Schneuwly vom Mittelschullehrerverein Nidwalden. (Bild Matthias Piazza)

Wehren sich gegen die Schulgelder: Carolina dos Santos (Schüler­kommission) und Rafael Schneuwly vom Mittelschullehrerverein Nidwalden. (Bild Matthias Piazza)

Matthias Piazza

«Ein Schulgeld zu erheben ist ungerecht – vor allem für wirtschaftlich nicht so gut gestellte Familien», sagt Carolina dos Santos, Präsidentin der Schülerkommission am Kollegi Stans. «Ich kenne Eltern, die jetzt schon Mühe haben, die Kosten von rund 400 Franken jährlich für Schulmaterial aufzubringen.» Es komme nämlich heute schon vor, dass nicht alle ihre Kollegen an einer Bildungsreise teilnehmen könnten – aus finanziellen Gründen. Dos Santos befürchtet, dass sich solche Kontraste, die sich schon heute abzeichnen, verschärfen würden, wenn Eltern neu ab dem vierten Jahr noch zusätzlich ein Schulgeld von jährlich 500 Franken bezahlen müssten, wie es die Nidwaldner Regierung einführen will.

Eine elitäre Schule verhindern

«Wir wollen keine elitäre Schule werden, die nur noch für Schüler gut betuchter Eltern erschwinglich ist. Alle, die fähig sind, sollen die Möglichkeit haben, die Matura zu machen», sagt Dos Santos. Es dürfe nicht sein, dass Eltern aus finanziellen Gründen ihr Kind in eine Lehre schicken müssten, obwohl das Gymnasium das richtige wäre. «Bei der Bildung darf man nicht sparen.» Auch das Argument, wer studiere, verdiene in der Regel später gut, lässt Dos Santos nicht gelten. «Ein guter Lohn später nützt mir nichts, mir fehlt das Geld jetzt.»

Lehrerverein investiert in Kampagne

Die siebenköpfige Schülerkommission machte darum mobil gegen das neue Gesetz. Sie begründete in einem Brief an die Eltern sämtlicher Kollegischüler, warum diese an der Abstimmung vom 29. November ein Nein in die Urne legen sollen. Und ermunterte auch ihre volljährigen Mitschüler, an die Urne zu gehen – mit Erfolg. «Ich habe von vielen stimmberechtigten Kollegen gehört, dass sie diesmal abstimmen, auch wenn sie sonst der Abstimmung fernbleiben.»

Unterstützung erhält die Schülerkommission vom Mittelschullehrerverein Nidwalden, dem rund 90 Prozent der Kollegilehrer angehören. Er beteiligt sich mit 3000 Franken am Abstimmungskampf. «Wir wollen, dass das Kollegi bleibt, wie es ist. Nämlich ein Abbild der Gesellschaft, eine Schule, die für alle Schichten zugänglich ist, wo sich alle wohlfühlen», bekräftigt Vereinsmitglied und Mittelschullehrer Rafael Schneuwly. Wie Carolina dos Santos befürchtet auch er bei einer Einführung des Schulgeldes eine ungewollte Selektion. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass auch Schüler des Brückenangebotes, das heisst aus der Berufsschule, betroffen wären, sagt Schneuwly.

Erstmals enge Zusammenarbeit

«Lehrer politisch zu bewegen, ist schwierig, doch diesmal ist es gelungen. Das zeigt, wie stark das Thema uns bewegt», sagt Schneuwly. Der vereinte Kampf gegen die Gesetzesänderung bringt gar eine Premiere. «Es ist das erste Mal in meinen 25 Jahren als Lehrer am Kollegium, dass der Mittelschullehrerverband so eng mit der Schülerkommission zusammenarbeitet.» Ihn stört, dass das Schulgeld nicht zweckgebunden ist, sondern in die Staatskasse fliesst. Er bedauert, dass die Parlamentarier nicht zu einem Kompromiss bereit waren und an den 500 Franken festhielten. Zudem könne die Regierung den Betrag in Zukunft jederzeit eigenmächtig noch erhöhen. Schneuwly gibt sich zuversichtlich, dass das Gesetz abgelehnt wird. «Ich attestiere den Nidwaldnern die nötige Reife, Fairness und Weitsicht.»

Acht Massnahmen

Die Einführung des Schulgeldes ist eine von acht Sparmassnahmen, welche die Nidwaldner Regierung jüngst beschlossen hat. Damit ergeben sich für den Kanton Mehreinnahmen von rund 150 000 Franken pro Jahr.

Die Grünen reichten gegen die Schulgeldvorlage sowie gegen die Aufhebung der Übergangsrente für Kantonsangestellte und die Kürzung der persönlichen Auslagen bei Ergänzungsleistungen für Heimbewohner das Referendum ein. Neben den Grünen sprechen sich auch die kantonalen Parteien SP und die CVP gegen Schulgelder aus. SVP und FDP hingegen befürworten die Vorlage.

Stipendien in Härtefällen möglich

Ein Schulgeld im überobligatorischen Bereich sei vertretbar, sagt der Nidwaldner Finanzdirektor Alfred Bossard. Die hohen Kosten für das Studium würden ohnehin nach der Matura an der Universität oder an einer Hochschule anfallen und nicht am Kollegi. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass jeder Jugendliche, welcher aufgrund eines fehlenden kantonalen Angebots ein Gymnasium, eine Wirtschafts-, Gesundheits- oder Fachmittelschule ausserkantonal besuchen müsse, die entsprechenden Schulgeldbeiträge auch entrichte, so Bossard. Zudem könnten bei Härtefällen die Erziehungsberechtigten Stipendien beantragen. Alfred Bossard betont weiter auf Anfrage unserer Zeitung: «Keine Jugendlichen sind von einer nachobligatorischen Bildung ausgeschlossen.»

So sieht es in den anderen Zentralschweizer Kantonen aus

Die meisten Kantone verlangen bereits jetzt schon Schulgeld für die Kantonsschulen, wie ein Überblick zeigt:

Nidwalden: Es gibt noch kein Schulgeld, dafür werden rund 300 Franken jährlich für Schulmaterial ausgegeben. Totalkosten für sechs Jahre: 1800 Franken. Mit der neuen Regelung wären es 3300 Franken (dreimal 500 Franken Schulgeld ab der 4. Klasse).

Obwalden: Das Schulgeld beträgt 500 Franken jährlich ab der 4. Kanti. Das Schulmaterial wird während der obligatorischen Schulzeit vom Kanton bezahlt, ab dem 4. Gymi etwa 250 Franken jährlich pro Schüler. Totalkosten: rund 2300 Franken. Im Rahmen eines kantonalen Sparprogramms ist eine Schulgelderhöhung auf 800 Franken ab Schuljahr 2016/17 geplant.

Luzern: Das Schulgeld beträgt 465 Franken für das 7. bis 9. Kanti-Jahr, dafür wird das Schulmaterial während der obligatorischen Schulzeit vom Kanton bezahlt. Ab dem 4. Jahr zahlen Schüler rund 1000 Franken jährlich für Lehrmittel, Schulmaterial, Studienwochen oder Exkursionen. Das ergibt ein Total von rund 4400 Franken. In Luzern ist im Rahmen des Sparprogramms beabsichtigt, das Schulgeld auf 765 Franken zu erhöhen.

Uri: Das Schulgeld beträgt 500 Franken jährlich (von 1. bis 3. Gymnasium geht dies zu Lasten der Wohngemeinde, von 4. bis 6. Gymi zu Lasten der Eltern). Hinzu kommen jährlich rund 500 bis 1000 Franken für Schulmaterial, was die Eltern zahlen müssen. Totalkosten bis zu 7500 Franken. Derzeit sind keine Änderungen geplant.

Schwyz: Im Kollegium Schwyz bezahlen die Eltern 500 Franken jährlich Schulgeld und 800 bis 1000 Franken jährlich für Schulmaterial. Totalkosten bis zu 6000 Franken für die Eltern. Im Kanton Schwyz wird überlegt, das Schulgeld auf 700 Franken zu erhöhen.

Zug: Im Kanton Zug wird für Zuger Schüler kein Schulgeld erhoben. Es gibt auch im Rahmen des Entlastungsprogramms keine Bestrebungen, ein solches einzuführen. Ab der 4. Gymi-Klasse müssen die Lehrmittel durch die Eltern bezahlt werden.

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