Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Segelfliegen als Stück «Lebenselixier»

Die Segelfluggruppe feiert heuer das 75-Jahr-Jubiläum. Am kommenden Wochenende wird die Saison so richtig lanciert. Hinter den Kulissen weibelt der Verein für «Segelflug-freundliche» Startzeiten übers Wochenende.
Oliver Mattmann
Mitglieder der Segelfluggruppe machen einen Flieger flugtauglich für die bevorstehende Saison. (Bild: Oliver Mattmann (Ennetbürgen, 11. März 2017))

Mitglieder der Segelfluggruppe machen einen Flieger flugtauglich für die bevorstehende Saison. (Bild: Oliver Mattmann (Ennetbürgen, 11. März 2017))

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Es wird geputzt, geschraubt und poliert. Emsiges Treiben herrscht im Baulokal der Segelfluggruppe Nidwalden (SGN) im westlichen Teil des Flugplatzes Buochs. Die elf Segelflugzeuge werden fit gemacht für die bevorstehende Saison von Ende März bis zirka September (mit Föhnflügen bis Dezember). In der Luft knistert es bereits. Kein Wunder, wären die helfenden Mitglieder bei diesem Prachtwetter lieber am Himmel als am Boden mit Unterhaltsarbeiten beschäftigt. «Klar, auch mich kribbelt es. Doch dass wir die Wartung und Flugzeugkontrollen in Eigenregie vornehmen, gehört zu unserer Philosophie», erzählt Obmann Urs Grubenmann (47). «So versuchen wir die Vereinskosten tief zu halten.»

Trotzdem: Die 1500 Franken für den jährlichen Mitgliederbeitrag scheinen auf den ersten Blick hoch. Und noch mal so viel muss man unter anderem mit Schlepp- und Landegeldern beisteuern, wenn man seine Leidenschaft regelmässig ausübt. Dennoch müsse sich das Segelfliegen in Nidwalden im Vergleich zu anderen aviatischen Formen nicht verstecken. «Weil wir unser Hobby in der Gruppe betreiben, sind die Mitglieder nicht darauf angewiesen, selber einen Flieger anzuschaffen», so Grubenmann. Ein neuer Einsitzer würde um die 100 000 Franken kosten, ein moderner Doppelsitzer fast zwei-mal soviel. Daher sieht sich die Segelfluggruppe als Verein, der das Segelfliegen zu einem erschwinglichen Preis ermöglicht. «Wir haben eine sehr heterogene Mitgliederstruktur: Lehrlinge, Studenten, Schreiner, Mechaniker oder Informatiker, und das vom 14- bis zum 79-Jährigen.» Unabhängig vom finanziellen Aspekt hält der Obmann fest: «Segelfliegen ist ein sehr zeitintensives Hobby.» Da sei man nicht einfach schnell zwei, drei Stunden vor Ort. Mit Briefing, Flugzeugmontage, Checks, Fliegen, Hangarierung und Debriefing sei rasch ein Tag vorbei. Daran sei der eine oder andere angehende Pilot schon gescheitert, räumt er ein. Dennoch kann sich die SGN, die ihr 75-jähriges Bestehen feiert, derzeit nicht über mangelnden Nachwuchs beklagen. «Gegenwärtig zählen wir zehn Flugschüler. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein beachtlicher Wert», so Grubenmann (siehe auch Kasten). Insgesamt gehören der SGN 120 Mitglieder an, knapp die Hälfte davon fliegt, darunter etwa 30 «Genussflieger», wie es Grubenmann formuliert, sowie 20 Piloten mit sportlichen Ambitionen. Sportliche Ambitionen? Genau. Es gibt nationale Wettbewerbe, in denen man sich im Streckenflug (eine möglichst lange Strecke ohne Unterbruch fliegen) misst. Und die SGN verfügt mit Alois Bissig über einen der Besten seines Fachs. «Als Obmann ist es mein Ziel», so Grubenmann, «bei den jungen Piloten das Feuer für den Streckenflug zu entfachen. Das ist sozusagen die Kür beim Segelfliegen.»

Vor jeder Saison werden Checkflüge absolviert

Ehrgeiz ist für Urs Grubenmann selbst ebenfalls kein Fremdwort. Auch nach 18 Jahren als Pilot fasziniert ihn nebst der Technologie und dem Naturerlebnis die stete Herausforderung, beim nächsten Mal länger in der Luft zu bleiben. Diese Challenge hat ihn auch schon zu einer unvorhergesehenen Landung in Emmen gezwungen, weil er eine zu geringe Flughöhe aufwies, um nach Buochs zurückzukehren. «Da bin ich schon ein bisschen nervös geworden.» Doch alles ging gut, und «mit den heutigen Flugzeugen, die viel besser und weiter gleiten als ihre Vorgänger, hat sich die Gefahr von Fehleinschätzungen weiter reduziert». Selbst wenn er in der Luft «gedanklich total abstellen» kann, müssen die Piloten jederzeit den Kopf bei der Sache haben und die Checks sorgfältig durchgehen, so Grubenmann. Deshalb absolvieren beim Saisonstart alle Piloten mit dem Fluglehrer einen Checkflug und prüfen die Abläufe und ihre Reaktion bei besonderen Fluglagen.

Grubenmann ist nach einem langen Flug jeweils ziemlich ausgepumpt. «Aber es ist halt unbeschreiblich schön, mit Blick auf den Sonnenuntergang nach Hause zu gleiten.» Wer ihm dies nicht glaube, könne sich bei einem der angebotenen Passagierflüge gerne vom Gegenteil überzeugen, schmunzelt er.

Thermik bestimmt den Zeitplan der Segelflieger

Nach Hause, das ist bei der Segelfluggruppe Nidwalden der Flugplatz Buochs. Und dies soll möglichst lange noch so bleiben, auch wenn ein neues Betriebsreglement und bauliche Veränderungen auf dem Flugplatz anstehen. «Es ist für uns überlebenswichtig, dass wir die Flieger hier hangarieren und unterhalten können.» Grubenmann betont, dass das Einvernehmen mit den Landbesitzern, sprich den Korporationen Ennetbürgen und Stans, ausgezeichnet sei. Die SGN hat die Vision, am jetzigen Standort auszubauen, so fehlt es heute zum Beispiel an sanitären Anlagen. Auch in fliegerischer Hinsicht hegt die Gruppe einen Wunsch: dass sie am Wochenende weiterhin über den Mittag die Starterlaubnis für ihr Schleppflugzeug erhält. «Damit der Streckenflug sportlich ausgeübt werden kann, ist es für uns wichtig, den Startzeitpunkt nach der sich entwickelnden Thermik richten zu können.» Je besser diese ist, desto höher die Erfolgschancen auf einen ausgiebigen Flug. Für Grubenmann ein Stück «Lebenselixier»: «Ich zehre von einem tollen Flug mehr, als wenn ich eine Woche irgendwo am Strand liegen würde.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.