NIDWALDEN: Sein Abfalltauchen wird gewürdigt

Thomas Niederer befreit mit anderen freiwilligen Tauchern den Vierwaldstättersee von Abfall. Dafür wird er als «Held des Alltags» nominiert. Auch wenn er diese Bezeichnung nicht mag.

Matthias Piazza
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Thomas Niederer ist als «Held des Alltags 2016» nominiert. (Bild: PD)

Thomas Niederer ist als «Held des Alltags 2016» nominiert. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Im Vierwaldstättersee erheben sich Abfallberge. Thomas Niederer hat diesem See-Littering den Kampf angesagt. Fast jedes Wochenende ist der 52-jährige Hergiswiler mit bis zu 30 Freiwilligen für sogenannte Clean-ups auf Putzmission in den Schweizer Gewässern. In diesem Jahr stehen unter anderem die Buchten von Hergiswil, Ennetbürgen, Beckenried und Buochs auf dem Programm.

Die Aktionen sind bitter nötig: In sechs Jahren haben die Abfalltaucher 300 Tonnen Müll aus Schweizer Gewässern geholt – vom Feuerzeug bis zum Kühlschrank, ganze Töffs, halbe Autos, Autobatterien, Computer, Fernsehgeräte. Vor sechs Jahren hat der Servicetechniker den Verein Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher (Suat) ins Leben gerufen. Und opfert fürs Abfalltauchen fast seine ganze Freizeit.

Dafür haben Radio SRF 1 und die Fernsehsendung «Schweiz aktuell» Thomas Niederer für den «Helden des Alltags 2016» nominiert. Zusammen mit Katrin Jaggi und Jan Capol, welche in Zürich eine Schule für jugendliche Asylsuchende gründeten. Der dritte Nominierte ist Yannick Cavallin, der sich für die Integration von Behindertenfussball beim FC Kreuzlingen einsetzt. «Die Nominierung ist für mich eine grosse Ehre und eine Anerkennung für das Engagement der vergangenen sechs Jahre», meint Thomas Niederer darauf angesprochen. Fügt aber bescheiden an, dass 1000 andere diese Ehre mindestens so verdient hätten. «Doch ich habe innerlich eine Riesenfreude, dass wir in die Kränze gekommen sind. Die Publizität bringt unsere Sache hoffentlich weiter. Mir geht es dabei vor allem um die Umwelt und den Dienst an der Allgemeinheit.»

Der Preis dafür ist hoch: Nebst vielen Stunden des Frondienstes kostet das Engagement auch Geld. Ein Einsatz beispielsweise im Luzerner Seebecken beziffert er auf rund 1200 Franken, die der Verein aus der eigenen Tasche bezahlen müsse – für Verpflegung, Druckluft, Benzin und das Boot, das 120 Franken in der Stunde koste. Der Verein sei daher auch auf Sponsoren, Gönner und Spender angewiesen.

Frust kommt bei ihm nicht auf

Und wie würde sich der Titel «Held des Alltags 2016» für ihn anhören, sollte das SRF-Publikum tatsächlich ihn wählen? «Als Held fühle ich mich nicht. Es ist unsere Pflicht, Sorge zur Natur zu tragen und aufzuräumen.» Sein Verein befreit den See vom Müll, der achtlos dorthin geworfen wurde. Das müsste nicht sein. Doch Frust kommt bei Thomas Niederer nicht auf. «Man darf nicht zu böse sein. Bis vor rund 40 Jahren hat man den Abfall offiziell im See versenkt und in der Erde vergraben. Und heute haben wir es eben mit der Volkskrankheit Littering zu tun. Das ist eben Charaktersache, ob man seinen Abfall korrekt entsorgt oder nicht. Wenn ich jemanden zufällig in flagranti erwische, spreche ich ihn darauf an.»

Hinweis

Auf www.srf1.ch kann man seinen «Helden des Alltags 2016» noch bis am 27. Januar wählen.