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NIDWALDEN: Sein Tüftler-Herz schlägt für die Welt der Bühnen

Othmar Käslin plant die Bühnentechnik von Theatern und Konzertsälen. Mit seiner Passion für die Bühne hat der Einzelkämpfer eine Nische für seine Firma gefunden.
Martin Uebelhart
Er bringt das Theater in Schwung: Othmar Käslin im Luzerner Theater, dessen neue Bestuhlung er konzipiert hat. (Bild: Martin Uebelhart / Neue NZ)

Er bringt das Theater in Schwung: Othmar Käslin im Luzerner Theater, dessen neue Bestuhlung er konzipiert hat. (Bild: Martin Uebelhart / Neue NZ)

«Eingang hinter dem Haus» steht ganz bescheiden an einem Geschäftshaus in Stans. Im ersten Stock befinden sich die Büros der Szeno Engineering GmbH. Die Firma gehört Othmar Käslin. Der Beckenrieder hat sich auf die Planung und Umsetzung von Bühnen- und Beleuchtungstechnik spezialisiert. Auf der Liste seiner Referenzen stehen auch renommierteste Häuser in der Schweiz: das Luzerner Theater, das Kultur- und Kongresszentrum in Thun, das Theater Basel oder das Kunsthaus Zürich. Aber auch kleinere Theater oder Mehrzweckhallen wie der Theatersaal in Sarnen oder der Lorzensaal in Cham verschaffen ihm Arbeit.

Schlüsselmoment im Fernsehen

Bei seiner Tätigkeit beschäftigt sich Käslin mit der gesamten Infrastruktur, die es in einem Theater oder Konzertsaal gibt: die Bühnenmaschinerie, die Beleuchtung, die Beschallung, Audio-/Video-Technik. Dazu gehören aber auch Holzarbeiten zum Beispiel für einen Ballettboden mit besonderen Anforderungen oder Textilien – etwa der Hauptvorhang – und nicht zuletzt die komplette Theaterbestuhlung.

Wie kommt man auf die Idee, eine eigene Firma in so einem spezialisierten Bereich zu gründen? Othmar Käslin erzählt von einem Schlüsselmoment: «Als ich sechs Jahre alt war, erhielten wir zu Weihnachten unseren ersten Fernseher. Am Neujahrsmorgen schaute ich per Zufall das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.» Die Bilder könne er heute noch zeichnen, so der 55-Jährige. «Das war für mich eine Welt so weit weg von allem, was ich kannte.» Das Elternhaus in Beckenried sei eher volkstümlich geprägt gewesen, der Vater Präsident der Trachtenleute. «Klassische Musik ist bei uns nie gelaufen, ich kam mir vor wie auf einem anderen Planeten.»

Zunächst sei dieses Erlebnis wieder in Vergessenheit geraten. Nach einer Elektromonteur-Lehre beim örtlichen Gemeindewerk hängte er gleich die technische Fachschule in Winterthur an. Dann seien die Gedanken an die Bühne wieder aufgekommen. «Ich bin künstlerisch nicht so begabt, dass ich direkt auf die Bühne gekonnt hätte», sagt Käslin, «ich bin Techniker, das liegt mir.» So habe er versucht, die beiden Welten in Einklang zu bringen. «Das Planen von Theatern hatte mir schon lange vorgeschwebt.» So liess er sich in Wien erst zum Beleuchtungsmeister und später noch zum Bühnenmeister ausbilden. Daneben absolvierte er zahlreiche Weiterbildungen, etwa in der Sparte Maschinenbau. Als Angestellter konnte er zudem mit der Projektleitung im KKL oder Sanierung des Zürcher Opernhauses bei zwei grossen Projekten mitwirken.

Tüfteln für den Lebensunterhalt

Dann ist der Wunsch nach der Selbstständigkeit entstanden, und er hat seine Firma gegründet. «Die ersten Jahre waren nicht einfach», räumt er ein. Man könne bei keinem Projekt einen Vorschlag machen, hingehen und bauen. «Meist geht es um relativ viel Geld. Man macht zunächst ein Vorprojekt und eine Kostenschätzung.» Vom ersten Kontakt bis zur Umsetzung könnten so Jahre vergehen, sagt Othmar Käslin. Und als junge, unbekannte Firma habe man sich zunächst ein Renommee aufbauen müssen.

Zur Überbrückung hat er sich mit Produktentwicklung befasst – man könnte wohl dazu auch Tüfteln sagen. Für die Stanser Firma Montana International, ein Ausrüster im Skiservice-Bereich, hat er etwa Skiaufbewahrungssysteme für Mietstationen entwickelt. Auch ein eigenes innovatives Produkt entstand in jenen Jahren: der Controlino. Ein Gerät, das bei einer undichten Schlauchleitung warnt, bevor Küche oder Keller mit Wasser vollgelaufen sind. Nebenbei ist der Bereich Bühnentechnik stetig gewachsen, für Produktentwicklungen reiche die Zeit heute nicht mehr, sagt Käslin. «Das ist etwas Spannendes, doch mein Herz schlägt für die Bühne.»

Zwei Grossprojekte, ein Mitarbeiter

Der vergangene 5. Juni war ein guter Sonntag für Käslin. An der Urne wurden zwei Projekte bewilligt, in die er involviert ist: die 240 Millionen Franken teure Sanierung des Kongresshauses und der Tonhalle in Zürich sowie die Renovation des Theaters Palace in Biel. Jetzt geht es an die Detailplanung, an Submissionen. Auch die Umsetzung begleitet Käslin. In seinem Bereich hat er die Fachbauleitung inne. «Die Abnahmen laufen über mich, und ich schule das Personal, das dann die Einrichtungen bedient.» Über die Grundauslastung seiner Firma brauche er sich in den kommenden Jahren keine Sorgen zu machen, betont er. Es bleibe auch noch Luft für kleinere Projekte zwischendurch. Heute sei seine Firma etabliert und habe einen schönen Marktanteil in der Schweiz. «Vieles läuft in diesem Bereich über Mund-zu-Mund-Propaganda.»

Besonders freut er sich auf den 1. November: «Ab dann habe ich meinen ersten Angestellten – im 17. Betriebsjahr.» Die Zeit als Einzelkämpfer sei dann vorbei, und es gebe eine Entlastung. Und wer weiss, dann kann der zweifache Familienvater auch wieder einmal Sommerferien machen. «Die hatte ich seit bald 30 Jahren nicht mehr» – denn Sanierungen werden gerne auf den Sommer gelegt, wenn die Häuser geschlossen sind.

Martin Uebelhart

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