NIDWALDEN: Sepp Durrer: «Das Volk sind dann die Gäste»

Sepp Durrer liebt seinen Beruf als Wirt. Trotzdem kandidiert der Wolfenschiesser «Happy Day»-Inhaber als Regierungsrat. Zwischen den beiden Jobs sieht der FDP-Landrat Parallelen.

Matthias Piazza
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Regierungsratskandidat Sepp Durrer (56) in seinem «Happy Day» in Wolfenschiessen. (Bild Corinne Glanzmann)

Regierungsratskandidat Sepp Durrer (56) in seinem «Happy Day» in Wolfenschiessen. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

Fürs Gespräch empfängt uns Sepp Durrer im «Happy Day». Dass er auch noch am Montag, dem einzigen Ruhetag, in seinem Lokal anzutreffen ist, wundert wohl niemanden, der ihn kennt. Es ist sein Reich, sein Lebenswerk, sein Leben. 29 Jahre lang führt er schon mit Leidenschaft diese Bar mit Disco, die vor allem bei den Jüngeren ein beliebter Treffpunkt ist. Seit 32 Jahren wirtet der 56-jährige Single – in Spitzenzeiten führte er fünf Gastrobetriebe in der Region. Von Verdruss oder Ermüdungserscheinungen keine Spur.

«Ich bleibe einer vom Volk»

Da taucht die Frage auf, warum so jemand für das Amt des Regierungsrates kandidiert – mit der Konsequenz, im Falle einer Wahl sich von seinem Metier verabschieden zu müssen. Sepp Durrer sieht das nicht so eng: «Die Arbeit des Regierungsrates reizt mich sehr. Ich komme nah an die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ran, kann bei vielen spannenden Themen mitarbeiten, den Kanton mitgestalten und Dinge, die mich als Landrat störten, wenn möglich anders entscheiden», erzählt er zu seiner Motivation.

Die Geschäftsführung des Lokals, dessen Besitzer er ist, würde er im Falle einer Wahl abtreten. Doch er würde sich auch als Regierungsrat bei den Gästen blicken lassen. Überhaupt erkenne er viele Parallelen zwischen Wirt und Regierungsrat: «Als Regierungsrat ist man auch Gastgeber – das Volk sind dann die Gäste.» Und diese Offenheit und Zugänglichkeit gegenüber Menschen wolle er als potenzieller Regierungsrat beibehalten. «Ich werde auch dann unter die Leute gehen, bleibe einer vom Volk.»

Grosse Wertschätzung erfahren

Und von diesem Volk beziehungsweise seinen Gästen habe er viel Zustimmung erfahren, als er seine Kandidatur bekannt gegeben habe – auch von ungewohnter Seite. «Ältere Herrschaften verrieten mir, dass sie mir die Stimme geben und damit das erste Mal in ihrem Leben eine andere Partei wählen.» Die Leute schätzten, dass er sich zur Verfügung stelle. «Eine so grosse Wertschätzung erlebte ich das letzte Mal als Frohsinnvater 2012.»

Auf die Frage, was ihn als Regierungsrat qualifiziere, zögert er nicht lange: «Mit drei Jahrzehnten Selbstständigkeit als Gastronom und zehn Jahren im Landrat, davon fünf als Fraktionschef, fühle ich mich dank dieses Erfahrungsschatzes bereit für das Exekutivamt.» Und zwar für praktisch jede Direktion, auch für die Baudirektion, die ihm zufallen würde, wenn die Bisherigen ihre Departemente behalten würden. «Man kann sich in alles einarbeiten.»

Leute zu führen und zu überzeugen, bezeichnet er als eine seiner Stärken, das habe er in seiner Partei gelernt. «Einen Liberalen kann man nicht überreden, man muss ihn überzeugen.» Zu seinen Schwächen gehöre die Ungeduld, das heisse aber nicht, dass ihm bei langwierigen Landratsdebatten der Geduldsfaden reissen würde. «Das gehört zur politischen Auseinandersetzung und ist wichtig.»

Hätte er als Regierungsrat einen Wunsch frei, würde er die Rahmenbedingungen für junge Leute vereinfachen, um sie für die berufliche Selbstständigkeit zu begeistern. «Die immer strengeren Vorgaben halten wohl viele davon ab, ihr eigener Chef zu werden.»

Politik war im Elternhaus tabu

Dass er überhaupt vom Politvirus erfasst wurde, erstaunt, denn in seinem Elternhaus war Politik kein Thema. «Meine Eltern führten das Restaurant Seeblick an der Pilatus­flanke oberhalb von Hergiswil. Sie getrauten sich nicht, über Politik zu sprechen – aus Angst, die Gäste mit anderer politischer Gesinnung zu verlieren», erinnert er sich an seine Kindheit und Jugend zurück.

Anders im «Happy Day»: «Die Gäste politisieren viel und gerne.» Oft auch mit Beteiligung des FDP-Wirtes. Dabei sei es überhaupt nicht so, dass er nur liberale Meinungen akzeptiere. «Als Gastgeber versuche ich, den Gästen immer beide Seiten einer Sache aufzuzeigen. Und so die jungen Leute in ihrer Meinungsbildung zu unterstützen.»

Es war auch in seinem Lokal, wo der Funke der Politik auf ihn übersprang. «Man will für alles und jedes ein neues Gesetz oder ein Gesetz anpassen und denkt dann, die Arbeit sei gemacht. Dieser Haltung wollte ich Gegensteuer geben.» Nur habe er zu Beginn kein passendes politisches «Ämtli» in Wolfenschiessen gefunden.

2006 folgte dann der Startschuss seiner Politkarriere, als er mit dem besten Ergebnis seiner Gemeinde in den Landrat gewählt wurde. Bereits 2014 schielte Durrer auf einen Regierungsratssitz. Bei der internen Ausmarchung für ein neues FDP-Mitglied in der Regierung (Nachfolge von Gerhard Odermatt) entschied sich die Partei jedoch, Alfred Bossard – den heutigen Regierungsrat – ins Rennen zu schicken.

Dass ihn als Regierungsrat ein arbeitsreiches Amt erwartet, stört den engagierten Wirt nicht. «In den vergangenen drei Jahren hatte ich gar keine Ferien. Aber ich will nicht jammern, ich habe diesen Weg gewählt.»

Hinweis

Mit Sepp Durrer startet unsere Porträtserie über die Nidwaldner Regierungsratskandidaten. In den nächsten Tagen folgen: Josef Niederberger (CVP), Walter Odermatt (SVP), Conrad Wagner (Grüne).

Acht Fragen an Sepp Durrer

1) Was machen Sie als Erstes, wenn Sie morgens aufstehen?

Ich starte die Kaffeemaschine, checke die Mails und lese die «Neue Nidwaldner Zeitung».

2) Welcher Anlass gehört jeweils fest in Ihre Agenda?

Die Landratssitzungen. Ich habe in den fast zehn Jahren als Landrat nur ein einziges Mal gefehlt.

3) Was bringt Sie auf die Palme?

Das sind vor allem Ungerechtigkeit und Unfairness.

4) Was kommt bei Ihnen auswärts auf den Teller?

Etwas Einfaches, zum Beispiel Kutteln oder Wurstsalat mit Rösti.

5) Was ärgert Sie am meisten in der Politik?

Wenn sich einzelne Politiker auf Kosten anderer in die Öffentlichkeit bringen, um sich zu profilieren.

6) In welchem Bereich hat Nidwalden Nachholbedarf?

Ich bin der Meinung, dass der Kanton nicht wirklich Nachholbedarf hat. Er hat seine Aufgaben stets gemacht, und wenn etwas brennt, wird es sofort an die Hand genommen.

7) Wenn Sie Bundesrat wären: Was würden Sie sofort ändern?

Ich würde die Diskussion um den Nationalen Finanzausgleich (NFA) aufnehmen, das Gespräch mit den anderen Kantonen suchen, ihnen vor Augen halten, was abgemacht wurde, als der NFA ausgehandelt wurde.

8) Was unternehmen Sie, um vom Politalltag abzuschalten?

Ich spiele Badminton. Dann denke ich an gar nichts anderes.