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NIDWALDEN: Sie könnte seine Grossmutter sein

Sie ist über 50 Jahre älter als er. Doch beide haben das gleiche Ziel: einen Landratssitz erobern – Dino Tsakmaklis für die Juso, Ruth Wagner für die Grünen.
Kurt Liembd
Ruth Wagner (68) und Dino Tsakmaklis (18) vor ihrem künftigen möglichen Wirkungsort, dem Rathaus in Stans. (Bild Kurt Liembd)

Ruth Wagner (68) und Dino Tsakmaklis (18) vor ihrem künftigen möglichen Wirkungsort, dem Rathaus in Stans. (Bild Kurt Liembd)

Politik kennt kaum Grenzen, weder nach unten noch nach oben. Während manche in seinem Alter mit Politik nicht viel am Hut haben, kandidiert der 18-jährige Dino Tsakmaklis für den Landrat. Und während andere in ihrem Alter sich langsam aus der Politik zurückziehen, will Ruth Wagner (68) erst einsteigen. Wir haben die beiden zum gemeinsamen Gespräch eingeladen, sie selber kannten einander bisher nicht.

Bewunderung für jungen Mann

Die Begegnung zwischen dem jüngsten Kandidaten und der ältesten Kandidatin ist von Anfang an sehr locker und unverkrampft, und es wird auch viel gelacht. In einem sind sich beide einig: Ihr Jahrgang darf kein Nachteil sein. Auch politisch gibt es erstaunlich viele Übereinstimmungen, schliesslich ist die Juso ja nicht allzu weit von den Grünen entfernt. «Ich habe Freude an diesem jungen Mann, er ist so herzig», sagt Ruth Wagner. Ob sie für das gemeinsame Foto einen Schemel organisieren solle, denn Dino Tsakmaklis ist 2,02 Meter gross, Ruth Wagner ist von durchschnittlicher Statur. «Ich liebe grosse Männer», verrät Wagner mit einer grossen Portion Schalk. Doch sie sagt auch Ernsthaftes bezüglich des Teenagers: «Ich finde es grossartig, dass junge Leute wie Dino über so viel Po­wer und Ernsthaftigkeit verfügen und sich für politische Fragen interessieren.» Sie selber sei energiemässig schon etwas verbraucht, dafür mit mehr Lebenserfahrung bestückt.

Steuern, Verkehr und Bürgenstock

Keine Berührungsängste mit einer Frau, die vom Alter her seine Grossmutter sein könnte, zeigt der 18-jährige Teenager. Auch wenn er sie anfänglich nicht so recht zu duzen getraut, ist das Eis aber schnell geschmolzen. «Ich finde es wichtig und sinnvoll, dass sie ihre Lebenserfahrung in die Politik einbringt», so Tsakmaklis. Für ihn sei das Kantonsparlament ein Abbild der Gesellschaft, wo Männer wie Frauen, jüngere wie ältere, Platz haben sollen. Und was will er als 18-Jähriger in der Politik ausrichten? Ohne eine Sekunde zu studieren, zählt Dino Tsakmaklis eine ganze Reihe Themen auf, die ihn bewegen. Dabei zeugen seine Ausführungen von eindrücklicher Reife des 18-Jährigen und von politischer Sachkenntnis. Man spürt, dass er sich schon eingehend mit Sozial-, Energie- und Finanzpolitik beschäftigt hat und ihm auch die Verkehrspolitik am Herzen liegt. «Das Bürgenstock-Megaprojekt darf keine verkehrstechnischen Nachteile für die Einheimischen bringen», sagt er unter anderem. Oder: «Nidwalden schützt man nicht mit kurzsichtigen und schädlichen Sparmassnahmen, sondern mit einer ausgewogenen und gerechten Steuerpolitik.» Auch zu aktuellen Fragen hat er eine klare Meinung. So ist er dafür, das Französisch an der Primarschule belassen wird, worauf Ruth Wagner zustimmend nickt. Dino Tsakmaklis studiert Germanistik und Geschichte. Wo und wie er sich beruflich positionieren möchte, weiss er noch nicht. «Ich lese und schreibe gerne, vielleicht möchte ich mal Journalist werden.»

Kunst, Religion, Philosophie

Nicht mehr mit der Berufswahl befassen muss sich Ruth Wagner. Sie hat in ihrem Leben schon viel Interessantes erlebt – als Pharmaassistentin, Betagtenbetreuerin, Stationsleiterin und dabei Chefin von 36 Angestellten, als Kinesiologin und Naturheilpraktikerin mit eigener Praxis. Bis heute ist sie sehr aktiv, nimmt Flötenstunden bei Profimusikerin Verena Kesseli und beschäftigt sich mit Kunst, Religion und Philosophie – und mit «Lismen». Über ihre Motivation, in die Politik einzusteigen, erwähnt sie ihre grosse Lebenserfahrung in verschiedenen Bereichen. Über seine eigene Motivation sagt Tsakmaklis, dass er politisch sehr interessiert sei und viel Tatendrang verspüre, sich für den Kanton Nidwalden zu engagieren. «Ich bin nicht für halbe Sachen. Sollte ich gewählt werden, werde ich mich voll einsetzen.» In den meisten politischen Fragen sind sich die beiden erstaunlich nahe, auch wenn zwischen ihnen über 50 Jahre liegen. Sollten beide gewählt werden, gäbe es im neuen Parlament zumindest keinen Generationenkonflikt.

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