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NIDWALDEN: Sie leisten als erste Beistand

Das Care-Team ist sozusagen die Blaulicht- Organisation für die Seele. Fritz Dängeli leitete zahlreiche Einsätze. Sie prägten ihn.
Matthias Piazza
Ende Jahr gibt Fritz Dängeli (73) sein Amt als Chef des Care-Teams Nidwalden/Engelberg ab. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Ende Jahr gibt Fritz Dängeli (73) sein Amt als Chef des Care-Teams Nidwalden/Engelberg ab. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Frau ist beunruhigt. Nach einem Streit packte ihr Mann spätabends wütend die Töffkleidung und brauste mit seinem Töff davon. Sie ruft die Polizei an, welche umgehend nach dem Mann sucht – und später den Töff findet. Auch bei Fritz Dängeli (73) läutet noch in derselben Nacht das Telefon. Die Polizei bittet um Unterstützung durch das Care-Team Nidwalden/Engelberg. Fritz Dängeli als Care-Team-Chef spricht sich mit seinen zwei Kollegen ab, um festzulegen, wer den Einsatz leitet. Dann werden die sogenannten Care Givers aufgeboten, welche innert Stundenfrist ausrücken und der Frau und ihren halbwüchsigen Kindern Beistand leisten.

So könnte einer von etwa zwölf jährlichen Einsätzen des Care-Teams Nidwalden aussehen. «Die Polizei oder der Rettungsdienst ruft uns, wenn sie beispielsweise nach einem tödlichen Verkehrsunfall nichts mehr tun können und Angehörige psychologischen Beistand brauchen», erklärt Fritz Dängeli. Dabei gehe es oft um einfache Dinge, die plötzlich wichtig würden. «Oft sind es Kleinigkeiten, die zählen: zuhören, Beistand leisten, sich Zeit nehmen. Zeit spielt bei unseren Einsätzen keine Rolle. Wir stehen den Betroffenen so lange bei, wie es nötig ist.»

Todesanzeige gemeinsam verfasst

Die Dienste werden auch benötigt, wenn es etwa darum geht, einen toten Angehörigen zu identifizieren oder einen schwerverletzten Verwandten auf der Intensivstation zu besuchen. «Am meisten rücken wir bei Verkehrsunfällen und Bergunfällen aus», erzählt Dängeli. Auch das Titlis-Gebiet sei ein häufiger Einsatzort. «Viele Angehörige von verunglückten oder verletzten Schneesportlern reisen extra aus dem Ausland an, um mit uns die Unfallstelle zu besichtigen.» Daneben unterstützt das zwölfköpfige Care-Team Angehörige auch bei praktischen Sachen. «Er habe noch nie in seinem Leben eine Todesanzeige geschrieben, wisse nicht, wie das gehe, wandte sich ein Angehöriger eines Verstorbenen an mich. So verfassten wir die Todesanzeige eben gemeinsam.»

Er erinnert sich auch an den tödlichen Taucherunfall bei Beckenried vor einigen Jahren, als man die Angehörigen aus dem Elsass betreut habe und mit ihnen zum Unfallort ging.

Ob ein schlimmes Ereignis während der Weihnachtszeit oder unter dem Jahr passiere, spiele für die Betroffenen übrigens keine grosse Rolle. «Wenn jemand etwa seinen Lebenspartner durch einen tragischen Unfall verliert, ist das immer schlimm», hält Fritz Dängeli fest.

Je besser das soziale Netz eines Betroffenen, desto eher könne sich die Institution zurückziehen. Normalerweise sei dies nach wenigen Stunden oder Tagen der Fall. «Für längerfristige Betreuung sind wir nicht zuständig. Dafür verweisen wir an andere Stellen.»

Früher auf sich alleine gestellt

Zu verdanken ist das Care-Team Nidwalden massgeblich Fritz Dängeli, der die jetzige Organisation vor rund fünf Jahren ins Leben rief. Von der Notwendigkeit einer notfallpsychologischen Betreuung ist er überzeugt. «Früher waren die Leute bei der Verarbeitung schlimmer Ereignisse auf sich alleine gestellt. Ging es ihnen seelisch nicht gut, telefonierte vielleicht die Sachbearbeiterin der Polizei mit ihnen nochmals am Folgetag. Das wars dann. Mit psychologischer Nothilfe hatte dies nichts zu tun», erinnert sich der 73-Jährige an seine langjährigen Einsätze bei der Polizei zurück – von 1994 bis 2006 als Nidwaldner Kripochef, davor als Chef Fahndung bei der damaligen Luzerner Kantonspolizei.

Regelmässige Gespräche

Er verhehlt nicht, dass solche Einsätze auch belastend für das Care-Team sind. Dafür stehe im Team eine Person zur Verfügung, die das absolute Vertrauen aller Teammitglieder geniesse und mit ihnen über belastende Einsätze spreche. Daneben gebe es auch einen regelmässigen Erfahrungsaustausch.

«Wer bei uns mitarbeiten will, muss mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, stabil sein und schon eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen», umschreibt er das Anforderungsprofil dieses Milizjobs. Nicht geeignet seien Leute mit Helfersyndrom, da sie ungefragt und überall helfen wollten und sich nicht genügend abgrenzen könnten. Einfach so ins kalte Wasser geworfen wird niemand. Nach einer dreitägigen Grundausbildung in Schwarzenburg stehen den Neulingen während eines Jahres erfahrene Kollegen zur Seite. «Das bewährte sich. Es braucht einige Zeit, bis jemand sattelfest ist.»

Carole Fallegger übernimmt

Ihn selber hat der spezielle Job geprägt. «Wir bekommen schlimme Ereignisse hautnah mit, die gehen nicht spurlos an einem vorbei.»

Auf Ende Jahr zieht Fritz Dängeli nun einen Schlussstrich unter das Kapitel. «Ich machte den Job sehr gerne, aber nun ist der Zeitpunkt günstig, aufzuhören, nachdem wir mit Carole Fallegger eine geeignete Nachfolgerin gefunden haben.» Als ehemalige Obwaldner Kripochefin sei sie für den Job ideal geeignet.

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