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NIDWALDEN: Sie lieben sich noch wie am ersten Tag

Wer kann das schon von sich sagen: Paul und Klara Niederberger sind 70 Jahre verheiratet – und glücklich. Was sie prägt, sind Humor und Zufriedenheit.
Marion Wannemacher
Vor 70 Jahren: Das Ehepaar Niederberger am Tag ihrer Hochzeit. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Vor 70 Jahren: Das Ehepaar Niederberger am Tag ihrer Hochzeit. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Marion Wannemacher

Im Treppenhaus steht ein Strauss mit Rosen in den verschiedensten Farben. 70 Rosen haben Paul und Klara Niederberger-Töngi von ihren Kollegen Klaus und Beatrice Odermatt bekommen – für jedes Jahr ihrer Ehe eine. Und ganz im Gegensatz zu ihrer Hochzeit vor 70 Jahren in der Kirche in Dallenwil kam dieses Mal auch der Chauffeur pünktlich. Damals mussten sie zu Fuss zu ihrer eigenen Trauung laufen.

Jeden Sonntag zu Fuss in die Kirche

«Eigentlich wollten wir dieses Jahr zur Feier auch laufen», erzählt Paul Niederberger mit Augenzwinkern, «aber die Jungen haben uns nicht gelassen.» Von der Fitness her wäre der Weg für beide kein Problem: «Wir gehen jeden Sonntag zu Fuss in die Kirche», erzählen sie.

Vielleicht sind es auch die 20 Treppenstufen bis zu ihrer Wohnung, die beide fit halten. Klara Niederberger bewirtschaftet gar noch einen Teil ihres Gartens selbst: «Kartoffeln und Bohnen baue ich an, vielleicht noch etwas mehr.» Versorgen können sich beide noch selbst. Am Morgen kommt Schwiegertochter Bethli vorbei, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist. Sohn Ueli wohnt seit drei Jahren im frisch gebauten Haus nebenan. «Den Betrieb hat er mittlerweile an seinen Sohn abgegeben», erzählt Paul Niederberger.

Über 100 Gäste

Die Familie ist gross: Die Niederbergers haben 9 Kinder, 25 Grosskinder und 33 Urgrosskinder. Nach der Messe mit Pater Crispin Rohrer, der sehr über die 70 Jahre staunte, und dem Dallenwiler Chifonetcheerli gab es einen Apéro. Paul Niederberger war früher politisch aktiv im Landrat und Gemeinderat und engagierte sich als Gemeindepräsident. Zum Mittagessen kamen die Familie und einige Freunde im «Schlüssel» zusammen. «Mit Partnern über 100 Gäste», freut sich der 91-Jährige über das Staunen, das er damit auslöst. Vor siebzig Jahren wurde eine Sau geschlachtet, und 16 Liter Wein wurden getrunken. Gefeiert wurde damals daheim in der Ober-Lätten. Ein Hochzeitsbild in der Stube zeigt eine strahlende Braut in Weiss und den jungen, schneidigen Ehemann. Kennen gelernt haben sie sich an der Wiesenberger Chilbi. Zahlreiche Briefe und weitere gemeinsame Chilbibesuche folgten.

Strenge Arbeit, wenig Freizeit

Eine Rede zur Platinhochzeit von Tochter Ruth Koch-Niederberger, die in die politischen Fussstapfen ihres Vaters getreten ist («nur halt im falschen Kanton», so Paul schmunzelnd) verfasst und von Sohn Ueli vorgetragen, zeugt vom gastfreundlichen Haus. «Kinder und Freunde fühlten sich immer willkommen, Gotti- und Gottenkinder erinnern sich gern an ihre Ferien im Ober-Lätten zurück.» Und selbst «Truckilikrämer-Frauen» (italienische Hausiererinnen) hätten eine Nacht bleiben dürfen, berichtet Klara Niederberger, die in einem Monat ihren 90. Geburtstag feiert.

Ein einfaches Leben haben Paul und Klara jedenfalls nicht hinter sich. Strenge Arbeit, wenig Freizeit gehörten zum Alltag. Vor 15 Jahren mussten sie den Tod eines Sohnes verkraften, ein Kind starb nach der Geburt.

Arbeit gehört für beide, die sich mit «Dädi» und «Mutti» anreden, auch heute zum erfüllten Alltag. Stolz führt der 91-Jährige zum Holzvorrat in der Scheune. «Stuidäpuschlä haiwä» gehört zu seinen Lieblingsbeschäftigungen im Alltag. Der Tagesablauf ist fix. Das Ehepaar steht früh auf und geht früh zu Bett. Ab und an wird ein «Putzer» gejasst. Täglich kommen die drei Urgrosskinder aus dem Nachbarhaus vorbei. Was beide prägt, ist ihr Sinn für Humor. Bei Niederbergers wird gern und häufig gelacht. Sorgen über die Zukunft machen sich beide nicht. Ihr Wunsch für die nächsten Jahre ist klar: «Wir wünschen uns Gesundheit», sagen sie.

Während heute jede zweite Ehe vor dem Scheidungsrichter landet, war Trennung für Paul und Klara Niederberger, nie ein Thema. «Wieso streitet ihr nie?», habe sie einmal einer ihrer Söhne gefragt. «Krach nitzt neyd» lautete die einfache Devise der Eltern. «Wir haben einfach Glück gehabt, dass es so zusammengepasst hat», sagt Paul Niederberger. «Wir schmusen noch manchmal zusammen, als ob wir ledig wären», erklärt Klara Niederberger und schmunzelt.

Wie eine glückliche Ehe im Einzelnen funktioniert und was man heutigen Paaren raten könnte, das wissen sie auch nicht. Paul Niederbergers Wahlspruch lautet: «Hinter einer langen Ehe steht eine kluge Frau.»

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