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NIDWALDEN: So bleiben die Wörter im Gedächtnis

Beim Büffeln von Fremdsprachen geht viel Gelerntes schnell wieder vergessen. Céline Britschgi forschte nach den Gründen und möglichen Lösungen.
Lukas Tschopp
Maturandin Céline Britschgi plädiert für systematisches Wiederholen beim Lernen. (Bild Corinne Glanzmann)

Maturandin Céline Britschgi plädiert für systematisches Wiederholen beim Lernen. (Bild Corinne Glanzmann)

So manchem Schüler dürfte die Situation bekannt sein: Es steht eine Französischvokabular-Prüfung an. Zwei Tage zuvor lernt man die Wörter auswendig, schreibt sie am Stichtag mehr schlecht als recht aufs Prüfungsblatt, um das Auswendiggelernte kurz danach wieder zu vergessen. «Ich finde es falsch, wenn man Fremdsprachenvokabular bloss auswendig lernt, um an der Prüfung gut abzuschneiden», meint die 18-jährige Céline Britschgi, Maturandin am Kollegi Stans. «Trotzdem lässt es der vollgestopfte Stundenplan oftmals gar nicht zu, sich mit dem Erlernen des Fremdsprachenvokabulars langfristig auseinanderzusetzen.» Darum wollte Céline Britschgi ihre Maturaarbeit dazu nutzen, dem Phänomen des nachhaltigen Erlernens von Fremdsprachenvokabular auf die Spur zu kommen.

Vergessenskurve nach Ebbinghaus

«Am Kollegi Stans müssen in der fünften Klasse rund 1500 Englisch- und 2000 Französisch-Wörter gelernt werden», hat Céline Britschgi festgestellt. «Entscheidet man sich für Spanisch als Schwerpunktfach, kommen in der vierten und fünften Klasse weitere 4000 Wörter hinzu.» Wie schafft es ein Schüler, derart viel Fremdsprachenvokabular ins Langzeitgedächtnis aufzunehmen? Céline Britschgi vertiefte sich in die Theorie: Sie beschäftigte sich mit den lernpsychologischen und neurologischen Aspekten des Lernprozesses, las sich ein in die komplexen Funktionsweisen des menschlichen Gehirns und verschaffte sich Wissen über die unzähligen Faktoren, die den Lernprozess beeinflussen. Schliesslich wurde sie bei der Ebbinghaus’schen Vergessenskurve fündig: In seinen Nachforschungen über das menschliche Vergessen hat der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus herausgefunden, dass sich der Lernstoff durch regelmässiges, systematisches Wiederholen leichter behalten lässt.

Experiment auf Finnisch

Dem Vergessen kann durch Repetition des Gelernten also gezielt Gegensteuer gegeben werden. «Systematisches Wiederholen führt dazu, dass man das Gelernte besser ins Langzeitgedächtnis aufnimmt. Dabei muss der Lernstoff in regelmässigen, immer grösser werdenden Zeitabständen wieder und wieder repetiert werden», führt Céline Britschgi ihre Erkenntnisse aus. Nun begann die Maturandin zu handeln: Sie trommelte 33 Kollegischüler aus der vierten und fünften Klasse zusammen, setzte sie in ein Prüfungszimmer und liess sie während einer Schullektion insgesamt 50 Wörter aus dem finnischen Grundwortschatz büffeln.

Prognosen bestätigen sich

Anschliessend teilte sie die Probanden in drei Gruppen ein: Die erste Gruppe hat die Wörter nach einmaligem Lernen nie wieder repetiert. Die zweite und dritte Gruppe bekam den Lernstoff im Zeitraum von einem Monat an vier bestimmten Terminen wieder vorgesetzt, um das Gelernte aufzufrischen. Gruppe zwei fokussierte dabei den Lerntyp «Schreiben», Gruppe drei den Lerntyp «Lesen».

Zehn Wochen nach dem erstmaligen Lernen des Finnischen hatten alle drei Gruppen eine Prüfung abzulegen. Welche Gruppe konnte die gelernten Wörter am besten wiedergeben? «Wie zu erwarten, hat jene Gruppe, welche die Wörter bloss einmal vorgesetzt bekam, deutlich schlechter abgeschnitten. Von den 50 Wörtern haben diese Schüler nur etwa zehn Prozent korrekt wiedergegeben», fasst Céline Britschgi ihre Ergebnisse zusammen. «Deutlich höher liegen die Mittelwerte bei den zwei anderen Gruppen: Beide haben über 60 Prozent der Wörter gewusst.» Nebst diesem Feldversuch liess Céline Britschgi die Probanden zusätzlich einen Fragebogen zum persönlichen Lernverhalten ausfüllen. Auch hier bestätigten sich Britschgis Prognosen: Die Auswertung hat ergeben, dass der Lernaufwand der Schüler vor einer Vokabularprüfung im Schnitt nur etwa zwei Tage beträgt. «Weiter gaben alle 33 Probanden an, die Wörter nach der Prüfung nicht wieder zu repetieren, meist aufgrund fehlender Motivation oder fehlender Zeit.»

Die Mutter der Studien ...

«Repetitio est mater studiorum» (lateinisch: Das Repetieren ist die Mutter der Studien) – diesen Grundsatz hat der römische Gelehrte Cassiodor schon vor 1500 Jahren verkündet. Eine Weisheit, die für Céline Britschgi nach der Fertigstellung ihrer Maturaarbeit mitten ins Schwarze trifft: «Dass die Schüler das Fremdsprachenvokabular nicht regelmässig repetieren, ist gerade beim Lernen von Fremdsprachen tatsächlich ein Problem. Möglicherweise würde es helfen, bereits im Sprachunterricht mehr Zeit dafür aufzuwenden, den gelernten Wortschatz zu repetieren und aufzufrischen.»

Lukas Tschopp

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