NIDWALDEN: So fühlt sich die Armee an

Mit dem Orientierungstag kommen diese Woche die 18-Jährigen das erste Mal in Kontakt mit der Armee. Dabei bleibt es nicht beim blossen Zuhören und Zuschauen.

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Sven Gräni probiert die Schutzweste an, dabei hilft ihm Miriam von Gunten. (Bild: Matthias Piazza (Oberdorf, 4. Mai 2017))

Sven Gräni probiert die Schutzweste an, dabei hilft ihm Miriam von Gunten. (Bild: Matthias Piazza (Oberdorf, 4. Mai 2017))

Matthias Piazza
matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Wie fühlt sich eine 12 Kilo schwere Schutzweste am eigenen Leibe an? Sven Gräni nutzt die Gelegenheit und zieht mithilfe der Moderatorin Miriam von Gunten die Weste an. «Es hat schon noch Gewicht», meint er nach einem kurzen Rundgang. Zusammen mit rund 200 Altersgenossen ist der 18-Jährige aus Oberrickenbach diese Woche vom Kreiskommando Nidwalden für den Orientierungstag der Armee aufgeboten worden. Gerade befasst sich seine Gruppe mit der militärischen Ausrüstung. Eine Puppe in einem Tarnanzug steht Modell. Weitere Gegenstände sind ausgestellt. Da die «Präsentation» in einem richtigen Kasernenschlag stattfindet, erhalten die Neulinge auch einen ersten Eindruck vom Soldatenleben. 

Wie ein roter Faden ziehen sich Anfassen, Ausprobieren und Interaktion durch den Orientierungstag. Am Vormittag stellten die Jugendlichen ihre favorisierte Truppengattung, die sie im Vorfeld studiert hatten, in einer Art Minivortrag ihren Kollegen vor, erarbeiten am Nachmittag in der Gruppenarbeit auch Fragen zur Armee allgemein, zu Rechten und Pflichten, über die Planung der Rekrutenschule und das Weitermachen. Dies alles als Vorbereitung für die eigentliche Rekrutierung, welche die Nidwaldner in Windisch AG (ab 1. Juli 2018 in Aarau) absolvieren werden.

Sven Gräni spricht von einem positiven ersten Eindruck über die Armee. «Der Rekrutenschule blicke ich mit guten Gefühlen entgegen. Ich will das durchziehen. Das wird eine Lebenserfahrung.» Den Weg des geringsten Widerstandes ist dabei nicht sein Ding. «Ich will an meine Grenzen gehen», begründet er seinen Wunsch, Panzergrenadier zu werden. «Es war sehr informativ», fasst Marco Barmettler (18) aus Buochs seine Eindrücke vom Orientierungstag zusammen. Auch schätze er, dass er seine Anliegen im persönlichen Gespräch habe vorbringen können. Den Militärdienst empfindet er nicht als Zwang, sondern als moralische Verpflichtung.

Nidwalden mit hoher Tauglichkeitsquote

Kreiskommandant Theo Küchler ist voll des Lobes über «seinen» militärischen Nachwuchs. «Die jungen Nidwaldner sind sehr interessiert und pflegeleicht, ich arbeite gerne mit ihnen zusammen.» Nicht ohne Stolz fügt er an, dass die Nidwaldner generell in der Armee positiv auffielen. «Mit den anderen Innerschweizer Kantonen steht Nidwalden weit oben, was die Tauglichkeitsquote betrifft. Und auch bei den Sporttests sind wir im oberen Drittel.» In ländlichen Gegenden sei man eben noch geerdeter und würden solche Werten noch mehr als anderswo zählen, erklärt er sich das gute Abschneiden. Trotz der hohen Tauglichkeitsquote im Kanton Nidwalden von rund 80 Prozent: Über zu viele Soldaten kann sich die Armee nicht beklagen – im Gegenteil. 

Es bräuchte doppelt so viele Köche

Es herrscht Nachwuchsmangel. «Obwohl der Personalbedarf der Armee zurückging, fehlt es an Fachkräften. Die Armee bräuchte rund doppelt so viele Köche. Auch fehlen Sanitätssoldaten, Mechaniker, Elektroniker, Automatiker und Informatiker. Darum ist es erst recht schade, wenn man einen Spezialisten nicht für die Armee gewinnen kann», erläuterte Theo Küchler.