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NIDWALDEN: So gelingt der Einstieg – auch wenns noch hapert mit Deutsch

Schulabgänger, die noch nicht fit sind für eine Lehre, können fehlende Kompetenzen in einem Brückenangebot erlangen. Das gilt auch für Ausländer mit mangelnden Deutschkenntnissen.
Alex Piazza/Apimedia
Sie bereiten sich im integrativen Brückenangebot intensiv auf ihre berufliche Zukunft vor: Betiel (15) und Yonas (19) aus Eritrea. (Bild: apimedia)

Sie bereiten sich im integrativen Brückenangebot intensiv auf ihre berufliche Zukunft vor: Betiel (15) und Yonas (19) aus Eritrea. (Bild: apimedia)

Viele Jugendliche finden nach der obligatorischen Schulzeit nicht auf Anhieb eine Lehrstelle. Kein Grund jedoch, den Kopf in den Sand zu stecken. Ein Brückenangebot kann helfen, allfällige schulische Defizite aufzuarbeiten und in einem Jahr einen zweiten Versuch zu starten. Der Kanton Nidwalden verfügt über zwei Formen solcher Brückenangebote.

Beim kombinierten Brückenangebot (KBA) besuchen die Lernenden zwei Tage den Schulunterricht an der Berufsfachschule Nidwalden in Stans. An den restlichen drei Tagen arbeiten sie in einem Praktikumsbetrieb.

Anders beim integrativen Brückenangebot (IBA), das sich als Vollzeitschule versteht. Nicht weniger als zwei Drittel der Lektionen sind dem Erlernen der deutschen Sprache gewidmet. Das geschieht nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch in Mathematik und Geografie. Oder im Bereich der Berufswelt, die im zweiten Halbjahr – im Zusammenhang mit der Lehrstellen- und Praktikumssuche – im Vordergrund steht. Vergangene Woche stattete Bildungsdirektor Res Schmid dem IBA einen Besuch ab und stellte mit Genugtuung fest: «Wir verfügen über bestens qualifiziertes Lehrpersonal und eine optimale Infrastruktur.»

Aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen

Das integrative Brückenangebot, das der Kanton Nidwalden vor 22 Jahren eingeführt hat, dauert ein Jahr und umfasst 34 Wochenlektionen. Zurzeit nutzen 22 Schülerinnen und Schüler dieses Angebot, verteilt auf zwei Klassen. Dabei handelt es sich grösstenteils um Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea, Syrien und Irak, vereinzelt auch aus der Ukraine, aus Russland oder der Dominikanischen Republik. Gerade in diesem Zusammenhang stach Schmid eines besonders ins Auge: «Die Lernenden sind nicht nur motiviert und fleissig, sie gehen auch sehr friedlich miteinander um, obwohl sie aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen kommen.»

Diesen Eindruck bestätigt Ruedi Eigensatz, Leiter der ­Nidwaldner Brückenangebote: «Unsere Schüler respektieren die landesüblichen Gepflogenheiten voll und ganz.» Dazu gehört zum Beispiel das Händeschütteln zur Begrüssung am Morgen. Auch die Tatsache, dass sie von einer weiblichen Lehrperson unterrichtet werden, ist für die vorwiegend männlichen Muslime kein Problem.

«Die meisten finden Anschluss»

Einer der 22 IBA-Schüler ist Yonas Araya. Der 19-jährige Eritreer flüchtete vor zwei Jahren allein aus seinem Heimatland in die Schweiz. Heute lebt er in Kerns, wo es ihm ausgezeichnet gefällt. «Die Leute sind sehr nett», sagt er in gut verständlichem Deutsch. Yonas ist dem Kanton dankbar für die Möglichkeit, an einem Brückenangebot teilnehmen zu dürfen. Er will Maler werden und erhofft sich nun mit Hilfe von Deutsch- und Mathematikunterricht, die für eine Lehrstelle erforderlichen schulischen Kompetenzen zu erwerben.

Erst seit Mai dieses Jahres ist die 15-jährige Betiel Haileab in der Schweiz. Sie reiste ihrer Familie nach, die bereits vor zwei Jahren aus Eritrea nach Hergiswil kam. Auch Betiel hat bereits klare Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft: «Ich möchte Fachfrau Gesundheit werden.» Und die Erfolgsaussichten von Yonas und Betiel sind durchaus intakt: 95 Prozent der IBA-Absolventen haben spätestens nach zwei Jahren (Grundjahr im IBA und Aufbaujahr im KBA) eine Anschlusslösung. 80 Prozent davon steigen in eine Berufslehre ein.

Alex Piazza/apimedia

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