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NIDWALDEN: Spital hat Bürgenstock-Patienten exklusiv

Das Spital in Stans erhofft sich viel von Patienten vom Bürgenstock. Einige Spitalmitarbeiter müssen noch ihr Englisch aufbessern. Privilegien für Ausländer gebe es aber nicht, sagt der Direktor.
Oliver Mattmann
Urs Baumberger, Direktor des Kantonsspitals Nidwalden. (Bild Pius Amrein)

Urs Baumberger, Direktor des Kantonsspitals Nidwalden. (Bild Pius Amrein)

Oliver Mattmann

In etwas mehr als einem Jahr sollen die Arbeiter der Grossbaustelle auf dem Bürgenstock den Gästen von nah und fern weichen. Bis zur Eröffnung im Sommer 2017 wird auch hinter den Kulissen noch kräftig gearbeitet. So stecken Adrian Heini als medizinischer Direktor und Daniela Krienbühl als Betriebsleiterin mitten in den Vorbereitungen für die Inbetriebnahme des neuen Waldhotels, das die medizinische Versorgung fürs ganze Resort übernehmen wird.

Dass mit dem Kantonsspital Nidwalden zusammengearbeitet wird, ist seit längerem bekannt. Nach und nach kristallisiert sich jedoch heraus, wie diese Kooperation im Detail aussehen wird. «Zurzeit werden die verschiedenen medizinischen Konzepte ausgearbeitet», erklärt Urs Baumberger, Direktor des Kantonsspitals in Stans. Ziel sei es, dass der bisherige Vorvertrag in den nächsten Monaten in einen definitiven umgewandelt werden könne. Laut Baumberger ist darin ein «Exklusivrecht» auf die Patienten vom Bürgenstock vorgesehen. Anders formuliert: Sind Eingriffe oder Untersuchungen notwendig, die nicht auf dem Berg vorgenommen werden können, kommen das Spital in Stans oder im Bedarfsfall – etwa bei Herzkatheter- oder Augenoperationen – Spezialisten des Partnerspitals in Luzern zum Zug. In gewissen Fällen ist auch der Zuzug lokaler Fachärzte denkbar.

Patientenzustand massgebend

Für sein Spital sei dies «ein Glücksfall», sagt Urs Baumberger. Dass in Zukunft gut betuchte Patienten aus dem Fernen Osten oder anderen Ländern im Spital in Stans ein- und ausgehen, löst jedoch auch Unsicherheiten aus. Wird diese Klientel gegenüber den einheimischen Allgemeinversicherten bevorzugt? Was ist am Gerücht dran, dass es einen speziellen Notfallzugang für solche Kunden geben soll? Baumberger verneint: «Für die Nidwaldner entstehen keine Nachteile. Die medizinischen Gegebenheiten geben auch in Zukunft den Takt an, welcher Patient wann an der Reihe ist – egal, von wo er kommt und wie er versichert ist.» Die Grundversorgung des Kantonsgebiets bleibe fürs Spital oberstes Gebot. Die vermeintliche Triage beim Notfall sei obsolet, weil Resort-Patienten in aller Regel geplante Termine wahrnehmen.

Das Kantonsspital hofft, mit der Bürgenstock-Klientel – darunter mutmasslich viele Selbstzahler – die eigene Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Baumberger: «Wenn ein Patient mit seiner Entourage vier Zimmer haben will, versuchen wir diesen Wunsch zu erfüllen.» Der Aufwand werde dann aber auch vorgängig in Rechnung gestellt, mit entsprechender Marge. «Diese Einnahmen werden wieder den Allgemeinversicherten zugutekommen, indem wir in Infrastruktur oder Weiterbildung der Mitarbeiter investieren können», rechnet Baumberger vor. «Und wenn wir weniger vom Kantonsbeitrag brauchen, profitiert ebenfalls wieder jeder Bürger.»

Noch freie Bettkapazitäten

Befürchtungen, dass es mit der Anzahl Betten in Stans plötzlich knapp werden könnte, hat der Spitaldirektor keine. «Wir verfügen aktuell noch über Kapazitäten sowohl bei den Betten als auch in den Operationssälen.» Eine volle Auslastung komme höchstens zu Spitzenzeiten im Winter vor, und dies auch nur an wenigen Tagen. Baumberger warnt zudem vor einer falschen Erwartungshaltung: «Da werden nicht täglich zwanzig Limousinen mit Bürgenstock-Patienten bei uns vorfahren.» Er geht davon aus, dass der zusätzliche Kundenzustrom mit dem jetzigen Personal bewältigt werden kann. Sollten die Erfahrungen das Gegenteil zeigen, werde man auf die Suche gehen. Könne man etwa einem Assistenzarzt anbieten, teils im Resort tätig zu sein, werde dies einen positiven Effekt auf die Rekrutierung haben, glaubt Baumberger.

Testlauf vor der Eröffnung

Er bestätigt damit, dass einzelne Spitalmitarbeiter teilzeitlich auf dem Bürgenstock arbeiten werden. Die Patientenpfade seien sehr gut abgestimmt. «Für den Gast wird alles wie aus einem Guss sein.» Baumberger bezeichnet dieses medizinische Gesamtpaket als «weltweit einzigartig. Wir können auf engstem Raum von A bis Z alles anbieten.» Er sieht darin grosses Potenzial, denn Reisen mit präventiven Abklärungen oder geplanten Eingriffen mit anschliessenden Kuren sei «ein Megatrend». Und die Schweiz geniesse punkto medizinischen Dienstleistungen, Zuverlässigkeit und Diskretion einen ausgezeichneten Ruf.

Die Zusammenarbeit mit dem Bürgenstock-Resort bringt neben neuen Einnahmequellen auch einige Herausforderungen. «Unsere Schlüsselmitarbeiter müssen sich in Englisch unterhalten können. Da und dort muss die Sprache noch aufgebessert werden», so Urs Baumberger. Je nach Herkunftsland der Patienten muss das Spital zudem bei Untersuchungen oder Operationen auf gewisse Gepflogenheiten Rücksicht nehmen. Baumberger: «Wir werden vor der Resort-Eröffnung die ganzen Abläufe durchspielen, damit wir vom ersten Tag an bereit sein werden.» Auf der Infrastrukturseite brauche es nur geringe Anpassungen. «Unsere Patientenzimmer und medizinischen Abteilungen befinden sich bereits auf hohem Standard.»

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