NIDWALDEN: Spitex bereitet sich auf die Zukunft vor

Die Spitex leistet stetig mehr Einsätze. Angesichts der Herausforderung, genug qualifiziertes Personal zu finden, setzt sie auch vermehrt auf selbst ausgebildeten Nachwuchs. Auch die Finanzierung bleibt eine grosse Aufgabe.

Martin Uebelhart
Drucken
Teilen
Ein Büro der Spitex im Kanton Luzern (Symbolbild). (Bild: Dominik Wunderli)

Ein Büro der Spitex im Kanton Luzern (Symbolbild). (Bild: Dominik Wunderli)

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Der Blick in die Statistiken von Spitex Nidwalden zeigt: Die Zahl der Leistungsstunden im Pflegedienst nimmt stark und kontinuierlich zu. Von 2009 bis 2015 von 26 632 auf 39 477 oder 37,8 Prozent. Etwas weniger akzentuiert ist das Wachstum im gleichen Zeitraum mit knapp 16 Prozent bei den Hauswirtschaftsleis­tungen. Das Jahr 2016 sei noch nicht definitiv abgerechnet, sagt Spitex-Geschäftsführer Walter Wyrsch: «Doch wird die Tendenz der vergangenen Jahre bestätigt.» Stark gewachsen ist auch der Betrieb: von knapp 49 Vollzeitstellen mit 90 Mitarbeitenden auf aktuell 71 Stellen mit 130 Mitarbeitern.

Diese Entwicklung werde mit Blick auf Annahmen des Kantons Nidwalden weitergehen, sagt Laleh Kiser, Präsidentin der Spitex Nidwalden: «Verglichen mit dem Jahr 2011 wird sich die Zahl der über 65-Jährigen bis 2035 verdoppeln. Bei den über 80-Jährigen beträgt die Zunahme gar rund 160 Prozent.» Eine grosse Herausforderung ist, genügend gut qualifiziertes Personal zu finden. Denn die Spitex ist nicht die einzige Organisation, die Leute braucht. Auch Spitäler oder Alters- und Pflegeheime brauchen mehr Kapazitäten. Die Spitex Nidwalden geht aufgrund von Berechnungen davon aus, dass die Leistungsstunden in der Pflege bis 2020 um weitere 39 Prozent, die Anzahl der Mitarbeitenden um gut 30 Prozent steigt.

Mehr Lehrstellen geschaffen

«Dass es schwierig ist, Personal, geschweige denn gutes Personal, zu finden, haben wir schon länger auf uns zukommen sehen», sagt Laleh Kiser. Bereits 2015 habe man damit begonnen, die Zahl der Lehrstellen zu erhöhen, sowie Aus- und Weiterbildung auszubauen. «Wir haben die Zahl der Ausbildungsplätze verdoppelt.» Weiter versuche man Wiedereinsteigerinnen zu fördern. Zudem habe man in Absprache mit dem Kanton die Anstellungsbedingen anderen Playern im ­Gesundheitswesen angepasst. «Wir haben auf dieses Jahr hin in zwei Stufen eine fünfte Ferienwoche eingeführt», sagt Laleh Kiser. «Es geht für uns darum, wettbewerbsfähig zu bleiben.»

In einer ersten Phase bis 2020 will die Spitex unter anderem Versorgungslücken im Bereich Pflege schliessen. Man habe der Regierung aufgezeigt, welche Aufgaben auf die Spitex zukämen, vor allem in spezialisierten Bereichen wie Wundmanagement oder Gerontopsychiatrie. Bereits im Rahmen des kantonalen Konzepts zur Palliative Care habe man auf 2017 hin das Nachtpikett eingeführt.

Selbsthilfe soll gefördert werden

Ein wichtiges Anliegen ist für die Spitex-Präsidentin auch die Förderung der Selbsthilfe: «Wir ­wollen ein Zentrum sein für die Beratung von Kunden und pflegenden Angehörigen.»

Eine Herausforderung sind auch die Finanzen. Für die Gemeinwirtschaftlichen Leistungen, welche im Bereich Pflege den Abenddienst, das Nacht­pikett und flächendeckende Versorgungspflicht und die Ausbildungsplätze umfassen, besteht eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton. Für den Bereich Hauswirtschaft existiert eine solche mit den Gemeinden. Bezahlt werde neu auch ein Teil an die Kosten für Entwicklung von neuen Modellen oder die Mitarbeit in Projekten. «Dafür wenden wir sehr viel Zeit auf», so Laleh Kiser. Zentral sei für die Spitex auch Planungssicherheit. «Darum streben wir Leistungsvereinbarungen an, die über mehrere Jahre laufen», so die Präsidentin. Mit dem Kanton hätten dazu bereits Gespräche stattgefunden. Verbesserungen hat die Organisation schon in den vergangenen Jahren im IT-Bereich erreicht. «Die Mitarbeitenden können dank elek­tronischer Vernetzung von unterwegs Updates machen und bekommen auch Änderungen von Einsatzplänen mit», erklärt sie. Angesichts des Wachstums in ­allen Bereichen müsse man auch schauen, was es für die Admi­nistration brauche. «Bereits in ­diesem Jahr wollen wir die Geschäftsleitung etwas breiter abstützen», so Kiser.

Schnittstellen verbessern und Digitalisierung

In einer zweiten Phase, die bis 2025 dauert, gehe es vor allem darum, Schnittstellen zwischen den Versorgern wie Spitälern oder Hausärzten zu optimieren. Ein Schritt dazu sei, dass die Spitex nun in der neuen Eingangshalle des Kantonsspitals eine Ansprechperson biete. Potenzial sieht Laleh Kiser zudem in der Digitalisierung der Übergänge: «Ein Hausarzt sollte eine Verfügung für Spitex-Dienstleistungen nicht von Hand ausfüllen müssen.»

Überzeugt sei sie davon, dass die Herausforderungen bis ins Jahr 2035 nur mit einem integrativen Versorgungsmodell bewältigt werden könnten. Vorstellbar sei zum Beispiel ein Zentrum, das für alle Fragen zu Gesundheit und Alter zuständig sei. Dafür müsse der Kanton den Lead übernehmen. «Die Überarbeitung des Altersleitbildes wird zeigen, in welche Richtung es geht.»